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Hartmut R. BerlinickeJuckpulverMalerei April/Juni 2000 |
Von Michael Künne
Berlinicke kann in seinem Lebensweg auf weit über 130
Einzelausstellungen zurückblicken, und er erhielt vielfach Preise -
1974 die Goldmedaille - den 1. Preis für Graphik beim Concorso
Internazionale belle arti in Triest, 1974 die Ehrenmedaille der 3.
Internationalen Graphikbiennale in Frechen, 1980 den Eward of Merit der
4. Internationalen Print Biennale in Miami, 1985 den Menciores
Honorificas Especiales der III. Muestra da Grabado Macimo in Ferrol.
So vielfältig wie die Preise ist bei durchaus gleichbleibender
Erkennbarkeit des Stils die Vielfalt seiner Arbeiten. Sie reichen von
dargestellter Architektur über Bild/Textcollagen im Objektstil hin zu
Zyklen über Judenverfolgung, über Auschwitz, ja bis hin zu
zeitkritischer Diagnostik in seiner Druckgraphik, ja bis zur Gestaltung
von Retabeln, Glasfenstern und Paramenten. Unüblich ist, dass er den
Zwängen modischer "Ismen" zu entgehen weiß, sich dem
Novitätszug des gängigen Kunstmarktes entzieht und dem allen die
einmal gefundenen Linie in Inhalt und Form entgegenzustellen weiß.
Stilistisch ist er so einer von "gestern", der sich gern und
lustvoll den Mühen der Drucktechnik unterzieht: Da werden die
Tiefdrucktechniken der Strichätzung und der flächenschaffenden
Aquatinta mit der Hochdrucktechnik des Prägedrucks kombiniert, da wird
mit gestanzten oder gebrannten Löchern gearbeitet, da wird Marmor
geätzt, da wird gerauht und poliert. Und da wird fast immer die
gegenständliche Welt ins Bild gesetzt, ironisch oft oder in stiller
Klage, realistisch oder symbolisch.
Dabei sind seine Blätter durchaus nicht bloße
Abschilderung, bei allem sinnlichen Reiz nicht nur bloße
Oberflächenwiedergabe. Sie sind alles andere als naiv, sondern im
Gegenteil häufig äußerst kompliziert und gegenläufig konstruiert.
Sie sind Spiel und Infragestellung zugleich, technisch perfekt, oft
vielleicht zu schön, aber da täuscht in der Regel der erste
Augenschein.
Gebrauchsgraphik vor dem persönlichen Hintergrund ist
ihm ein besonderes Anliegen gewesen und die Reihe der Drucke zu
christlichen und jüdischen Festen zeugte davon. Ein nicht
unwesentlicher Grund, zum 50jährigen Bestehen des
Religionspädagogischen Institutes in Loccum einen Überblick seiner
Arbeiten sowohl in der Evangelischen Akademie wie im
Religionspädagogischen Institut zu zeigen.
Aus dem Ausstellungskatalog
Hartmut R. Berlinicke ist 1942 in Berlin geboren. Berufe hat er mehrere gelernt: Er ist Einzelhandelskaufmann, Diakon, Religionspädagoge, er studierte Kunstgeschichte und er ist Galerist und Künstler mit einer ausgesprochenen Vorliebe für die Druckgraphik.