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Barbara Gudrun Jülfs

Indien
Aquarelle und Fotografien
Mai/Juli 2012

Gedanken zu Aquarellen von Barbara Gudrun Jülfs

Von Prof. Hanns Jatzlau

Die Aquarelle von Barbara Gudrun Jülfs sind Welten „en miniature“. Das „en miniature“ bezieht sich lediglich auf die optische Dimension – nicht auf Aussage und Qualität. Deshalb sollten Sie genau hinschauen, was Barbara Jülfs Ihnen mitzuteilen weiß: Vor Jahren hat sie an der Fachhochschule Hannover Grafik-Design studiert und mit Diplom abgeschlossen. Seit dieser Zeit ist mir Barbara Jülfs bekannt und ich konnte die Entwicklung und ihre Arbeitsweise sporadisch verfolgen.

Auf einer von mir geleiteten Studienfahrt der Fachhochschule Hannover nach Rom erlebte Barbara Jülfs ersten Umgang mit Aquarellfarbe angesichts der mediterranen Natur. Vorsichtig erweiterte sich ihre Sehensweise – und damit auch ihre Anwendung und ihr Einsatz der so caprizösen Aquarellfarben.

Aquarell bedeutet: Sich einfühlen und Nutzen der besonderen und eigenwilligen Charakteristika dieses phantastischen Mediums. Die Unmittelbarkeit persönlichen Erlebens lässt sich aber auch in keinem anderen Farbmaterial so überzeugend und lebendig darstellen. Allerdings sind Korrekturen und Unsicherheiten beim Aquarell besonders gefährlich und können durchaus Ausdruck und vorgeplante Stimmung – aber auch Komposition und Qualität (welches die arbeitstechnische Anteile sind) – leider vollkommen zerstören.

So hat Barbara Jülfs sehr viel arbeiten müssen, um die gezeigten Konzentrate ihres spezifischen Erlebens einer Landschaft und deren Stimmung in dieser Form präsentieren zu können. Damit ist auch zu verstehen, dass im Laufe der Jahre ganze Bilderserien entstanden sind, welche durch Motiv, Farbklang, verwandte Strukturen oder ähnliche bildnerische Prinzipien im Zusammenhang stehen und eine Reihe bilden. Die meisten Blätter sind im mediterranen Raum entstanden, davon viele unmittelbar vor der Natur, einige auch, gespeist aus einem bildnerischen Fundus, als Impressionen nachträglich aus der Erinnerung geschaffen.

Woraus besteht nun das Vokabular von Barbara Jülfs? Kompositorisch als Waagerechte dominierend erscheint zunächst einmal das Meer in seinen ständig wechselnden Stimmungen und unterschiedlichen Farbklängen – dazu kommen Ufer, Dünen, Sumpf, Macchia – und als Farbkomplexe zusammengefasste organische Kleinformen. Wir entdecken keine Menschen, keine Tiere – und auch kaum Architektur. Aber, als graphische Elemente tauchen Bäume auf, häufig den Betrachter des Bildes durch Schichtung – kaum durch Perspektive – zum räumlichen Erlebnis führend. Bäume – im gradlinigen oder bizarren Wachstum gleichsam als netz das Bild überziehend – geben den verlaufenden Aquarellfarben der anderen Bildelemente Stabilität.

Das sind alles gut genutzte Qualitäten der Aquarelltechnik, um die Barbara  Jülfs sehr wohl Bescheid weiß. Ich möchte nur darauf hinweisen, wie sich z.B. bei dieser Künstlerin ein simpel auslaufender Farbfleck zu einem Busch, Baum oder gar Gebirge verwandeln kann; ganz abgesehen von den Wolkenbildungen, welche von Natur aus dem wässrigen Medium Aquarell besonders nahe stehen. Die Melodie mediterraner Landschaften vermag Barbara Jülfs in ihren Aquarellen zum „Seherlebnis“ werden zu lassen; man glaubt zuweilen sogar, den Duft von Lavendel und Rosmarin wahrzunehmen!

Und das alles mit einfachsten Mitteln... Pinsel, Aquarellfarben und ein Blatt Papier. Ihr bildnerisches Vorgehen ist in keiner Weise expressivdominierend – sondern sehr behutsam verdichtet sie durch vorsichtige Lasuren ihre Bilderlebnisse, so dass der Betrachter mühelos und doch überzeugend in ihren Bildraum eingefügt wird. Die Farbrhythmen ordnen sich in unserem Auge und Gemüt zum Nachempfinden der dargestellten Landschaften. Wir finden bei Barbara Jülfs kein provozierendes  Erheischen von Betrachter-Aufmerksamkeit, sondern erleben ein vorschichtiges Hinführen um eigenen Sehen und Erkennen.

Als diplomierte Grafik-Designerin ist Barbara Jülfs auch in ihren freikünstlerischen Arbeitender Anwendbarkeit verpflichtet: So ist z.B. die Serie „Vive la Provence“ als Dekor für Geschenk-Trüffelkartons in einer speziellen Werbeaktion für Mövenpick in Hannover entstanden und mit viel Erfolg angenommen worden. Soviel ich weiß, existieren weitere Pläne dieser Art – und wir können Barbara Jülfs und ihren Auftraggebern dafür nur „bonne chance“ wünschen.

Barbara Jülfs: Grafikstudium an der Fachhochschule Hannover, Fachbereich Kunst und Design; mehrere Jahre freie Grafikerin, Schulassistentin an einer Schule für Sehbehinderte Hannover, vorwiegend im künstlerischen Bereich; Studium an der Universität Hannover, Fachbereich Erziehungswissenschaften; Lehramt für Grund- und Hauptschule Wahlfach Werkerziehung, Bildende Kunst; Bühnenbildgestaltung bei der Jungen Tribüne, Hannover; seit 2007 Lehrauftrag an der Leibniz-Universität Hannover, Fachbreich Kunst.

 

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