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Iranische KalligrafieFebruar 2004 |
Von Andreas Mohr, Köln
Als typischster Ausdruck islamischer Kunst kann die
Kalligraphie angesehen werden - die Kunst des schönen Schreibens.
Aus der wenig entwickelten und schwer lesbaren nordarabischen Schrift,
in der im 7. Jahrhundert der Koran - das an Muhammad gerichtete
Offenbarungswort - aufgezeichnet wurde, entstanden bald elegante
Schriftarten, die sich im Laufe der Jahrhunderte weiterentwickelten und
vermehrten, und die man - über den Koran und andere Bücher hinaus - an
Gebäuden, über Türen, auf Münzen, Gebrauchsgegenständen, sogar
Waffen etc. findet.
Ein mit arabischen Buchstaben verzierter Gegenstand,
ein Gebäude mit Aufschriften in dieser Schrift und natürlich ein Buch
oder Schriftblatt mit einem in arabischer Schrift geschriebenen Text
(gleich ob in arabischer, persischer, türkischer oder einer anderen
Sprache) ist praktisch immer dem islamischen Raum zuzuordnen.
Mit der Kalligraphie kommen Muslime fast täglich in
Berührung: Wer zur Moschee geht oder Koran rezitiert nimmt tatsächlich
die von Kalligraphen geschriebenen heiligen Schriftzüge in sich auf
(gleich ob er den Wortsinn versteht oder nicht).
Die arabische Schrift entstand etwa zwischen 300 und
500 n. Chr. aus der nabatäischen Schrift. Die Nabatäer im heutigen
Jordanien waren Araber, bedienten sich aber des Aramäischen als
Schriftsprache und schrieben dies in einer Schriftart, bei der die
Buchstaben teilweise miteinander verbunden wurden. Später begann man
auch arabische Texte in dieser Schrift zu schreiben, und so entstand die
arabische Schrift, die sich zur Zeit Muhammads verbreitet hatte und in
der dann auch der Koran aufgezeichnet wurde.
Obwohl es in der islamischen Welt schon vor vielen
Jahrhunderten Drucktechniken gab - es handelt sich um den aus Ostasien
übernommenen Blockdruck, eine Technik, die dann auch ins Abendland
übernommen wurde -, begann erst der Typendruck die Kunst und das
Gewerbe der Schönschreiber zu bedrohen.
In manchen Ländern der muslimischen Welt hat dies zu
einem starken Rückgang der kalligraphischen Tradition geführt,
allerdings gibt es zumindest ein Land, in dem das Gegenteil der Fall
war: Im Iran hat die Kalligraphie in den letzten beiden Jahrzehnten eine
bedeutende Renaissance erlebt, viele Tausende Studenten pflegen diese
Kunst und manche tragen sie in andere Teile der Welt.
Die persische Schrift, das nasta liq, ein hängender,
sehr eleganter Duktus, ist sozusagen die Nationalschrift der Iraner. In
ihr werden kalligraphische Blätter gestaltet, aber auch schön
gestaltete Sammlungen von Gedichten aus der reichen persischen Literatur
werden von Kalligraphen in nasta liq geschrieben und - nach der
handschriftlichen Vorlage - gedruckt.

Ausstellungseröffnung: Der Kulturattaché der iranischen Botschaft, Mohammad Rajabi (l.), im Gespräch mit Hamad Ajami und Akademiedirektor Fritz Erich Anhelm (r.) Rechtes Foto: Der Künstler Hamad Ajami