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Christel MolzFotoarbeitenJuni/August 2004 |
Die Ausstellung beginnt mit menschlichen Gesichtern.
Entwicklung ist darin immer schon Thema. Wir sehen sie in den Zügen
gereifter Mienen, im Übergang von Jung zu Alt. Die Reihe der Exponate
zeigt ebenfalls eine Entwicklung: von der einfachen Zusammenstellung von
Motiven zu Korrespondenzen von Hintergrund und Bildmotiv, die zunehmend
den Betrachter, z.B. durch Spiegelung, einbezieht. Fotografien werden
zum Rohstoff zerspalten, in neue Bildformen zusammengesetzt oder als
chaotisch erscheinende Bildwelt einem einzigen Foto gegenüber
kontrastiert, das den ruhigen Pol, einen Lebensmittelpunkt darstellt. Es
entstehen grafische Objekte eigener Ordnung.
Überwiegt zu Beginn die dokumentarische Handschrift, entwickelt sich
innerhalb der Bildreihe der Umgang mit Fotos bis zur Herstellung von
Artefakten, in denen Fotos materielle Bestandteile der Bildkonstruktion
werden.
Am Ende steht eine Installation, in deren schräg gestelltem Format
gewürfelte Bildteile von Körperteilen buchstäblich zusammengewürfelt
sind, an einer Stelle aber herabzutropfen scheinen, um unten aufgefangen
zu werden und sich in neuer Form zusammen zu finden. Inmitten der dort
angekommenen Teilstücke weist das Foto eines ganzen Menschen auf einen
Horizont von Entwicklung.
Eine zweite Bildreihe in kleinerem Format orientiert sich an der
Tradition von Stillleben. Motive sind Erscheinungen des Verfalls:
abgeblätterte Farben an Holztüren, aber auch das Spiel mit den
gefundenen Gebrauchsgegenständen, die neu zusammengestellt, zu neuen
Formen gelangen, fotografiert wurden und, teilweise nachträglich und
sparsam koloriert, von Witz oder Melancholie getragen und erhöht, sich
auf der Bühne der Kunst präsentieren.
Der Reiz der Strukturen von Gemauertem, Gezimmertem, Gerahmtem wird vom
Reiz der Schwarzweiß-Fotografie aufgegriffen und verstärkt. Die
nachträgliche Kolorierung, in einigen Exponaten nur Akzentsetzung, wird
in anderen Fotos zum Hauptmotiv eigenen Grundes: Die Zusammenstellung
gefundener Materialien wird in fotografischer Wiedergabe und Montage zur
schlichten Darstellung der Schönheit natürlicher Farben, zum Anreiz,
differenzierte Töne zu genießen und sich der durch sie vermittelten
Stimmung zu überlassen.
Gezeigt wird von Christel Molz mit den Mitteln der Fotografie und deren
künstlerischer Bearbeitung eine Welt ganz unterschiedlicher
Entwicklungen innerhalb des Rätsels der Zeit: von Gegenständen, die
ihre Farbe im Laufe der Zeit verändern, von Menschen in
unterschiedlichen Situationen, vom Wechsel des Blickwinkels, von Dunklem
und Hellen, von Schatten und Licht, von Leben und Tod.
Christel Molz wurde 1944 in Westfalen geboren, Ausbildung zur Fotolaborantin in Trier. In diesem Beruf über Jahrzehnte für große und kleine Firmen und Zeitungen in Trier, München und Berlin tätig. Intensive Auseinandersetzung mit Fotografie als künstlerischem Ausdrucksmittel. Veröffentlichungen und Fotoarbeiten in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Seit Beginn der achtziger Jahre Arbeiten mit verschiedenen Materialien: Objektkunst, Fotografie, Malerei, Bildhauerei, Konzeptkunst. 1984 Eröffnung der Galerie KIK, Kunst im Kiez, in Berlin-Kreuzberg, mit einer Gruppe von Künstlern. 1999 Umzug nach Neuruppin, Brandenburg. Ausstellungskonzeption, -koordination und -planung. Ehrenamtliche Mitarbeit beim Ruppiner Hospiz e.V., Benefiz-Gruppe, die sich mit der Planung und Durchführung von Veranstaltungen befasst. Kunsthandwerkliches und künstlerisches Arbeiten. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.