Fotocollage
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Akademie > Kunst in Loccum > Christel Molz

Zeichnung von Susanne Pikullik-Bastian

Christel Molz

Fotoarbeiten
Juni/August 2004
Grafische Objekte eigener Ordnung
Von Hans-Peter Burmeister

Die Ausstellung beginnt mit menschlichen Gesichtern. Entwicklung ist darin immer schon Thema. Wir sehen sie in den Zügen gereifter Mienen, im Übergang von Jung zu Alt. Die Reihe der Exponate zeigt ebenfalls eine Entwicklung: von der einfachen Zusammenstellung von Motiven zu Korrespondenzen von Hintergrund und Bildmotiv, die zunehmend den Betrachter, z.B. durch Spiegelung, einbezieht. Fotografien werden zum Rohstoff zerspalten, in neue Bildformen zusammengesetzt oder als chaotisch erscheinende Bildwelt einem einzigen Foto gegenüber kontrastiert, das den ruhigen Pol, einen Lebensmittelpunkt darstellt. Es entstehen grafische Objekte eigener Ordnung.
Überwiegt zu Beginn die dokumentarische Handschrift, entwickelt sich innerhalb der Bildreihe der Umgang mit Fotos bis zur Herstellung von Artefakten, in denen Fotos materielle Bestandteile der Bildkonstruktion werden.
Am Ende steht eine Installation, in deren schräg gestelltem Format gewürfelte Bildteile von Körperteilen buchstäblich zusammengewürfelt sind, an einer Stelle aber herabzutropfen scheinen, um unten aufgefangen zu werden und sich in neuer Form zusammen zu finden. Inmitten der dort angekommenen Teilstücke weist das Foto eines ganzen Menschen auf einen Horizont von Entwicklung.
Eine zweite Bildreihe in kleinerem Format orientiert sich an der Tradition von Stillleben. Motive sind Erscheinungen des Verfalls: abgeblätterte Farben an Holztüren, aber auch das Spiel mit den gefundenen Gebrauchsgegenständen, die neu zusammengestellt, zu neuen Formen gelangen, fotografiert wurden und, teilweise nachträglich und sparsam koloriert, von Witz oder Melancholie getragen und erhöht, sich auf der Bühne der Kunst präsentieren.
Der Reiz der Strukturen von Gemauertem, Gezimmertem, Gerahmtem wird vom Reiz der Schwarzweiß-Fotografie aufgegriffen und verstärkt. Die nachträgliche Kolorierung, in einigen Exponaten nur Akzentsetzung, wird in anderen Fotos zum Hauptmotiv eigenen Grundes: Die Zusammenstellung gefundener Materialien wird in fotografischer Wiedergabe und Montage zur schlichten Darstellung der Schönheit natürlicher Farben, zum Anreiz, differenzierte Töne zu genießen und sich der durch sie vermittelten Stimmung zu überlassen.
Gezeigt wird von Christel Molz mit den Mitteln der Fotografie und deren künstlerischer Bearbeitung eine Welt ganz unterschiedlicher Entwicklungen innerhalb des Rätsels der Zeit: von Gegenständen, die ihre Farbe im Laufe der Zeit verändern, von Menschen in unterschiedlichen Situationen, vom Wechsel des Blickwinkels, von Dunklem und Hellen, von Schatten und Licht, von Leben und Tod.

Christel Molz wurde 1944 in Westfalen geboren, Ausbildung zur Fotolaborantin in Trier. In diesem Beruf über Jahrzehnte für große und kleine Firmen und Zeitungen in Trier, München und Berlin tätig. Intensive Auseinandersetzung mit Fotografie als künstlerischem Ausdrucksmittel. Veröffentlichungen und Fotoarbeiten in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Seit Beginn der achtziger Jahre Arbeiten mit verschiedenen Materialien: Objektkunst, Fotografie, Malerei, Bildhauerei, Konzeptkunst. 1984 Eröffnung der Galerie KIK, Kunst im Kiez, in Berlin-Kreuzberg, mit einer Gruppe von Künstlern. 1999 Umzug nach Neuruppin, Brandenburg. Ausstellungskonzeption, -koordination und -planung. Ehrenamtliche Mitarbeit beim Ruppiner Hospiz e.V., Benefiz-Gruppe, die sich mit der Planung und Durchführung von Veranstaltungen befasst. Kunsthandwerkliches und künstlerisches Arbeiten. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

 

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