Fotocollage
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Akademie > Kunst in Loccum > Christel Molz

Zeichnung von Susanne Pikullik-Bastian

Christel Molz

Fotografien, Objekte
Juni - September 2005

Von Ellen Ueberschär

Ungemachte Betten. Schmutziges Geschirr. Schnittblumen. Christel Molz lenkt ungewöhnliche Blicke in die Evangelische Akademie Loccum. Es sind Blicke hinter die Kulissen des Diskurses. Blicke in das Geheimnis einer fast 60-jährigen Institution, die vom Hervorbringen geistiger Früchte lebt. Diese reifen mit dem leiblichen Wohl, für das Menschen sorgen, die den Gästen fast unsichtbar sind - die Zimmerfrauen, die Köchinnen, die Gärtner.
Christel Molz bringt sie ins Sichtbare und interpretiert ihre ernste, freudige, engagierte Mimik und Gestik mit dem Wahlspruch der Zisterzienser: porta patet - cor magis. Die Tür ist offen - das Herz noch mehr. Sie nimmt wahr, was das Erleben von Loccum verdichtet: Ort und Wort gehören zusammen und werden umspült vom lebendigen Atem üppigen Grüns, von den kühlen Mauern des Klosters, vom Nebel über den Teichen, von änygmatischen Zeichen an uralten Wänden.
Mit ihrem genauen Hinschauen entdeckt Christel Molz eine Tiefe, die dem schnellen Schritt des routinierten Alltags genauso verborgen bleibt wie dem kurzen Aufenthalt zwischen Parkplatzsuche und Abfahrt.
Und dennoch - die Tiefe, die Stille, die verborgenen Zeichen sind das Movens der entbrennenden Debatte, des immer um neue Lösungen ringenden Gespräches über Welt, Gott und Mensch.
Es nimmt nicht Wunder, dass Christel Molz sich des Ortes annimmt, der quer steht - quer zur Helligkeit der Akademie, quer zu den angeregten Gesprächen, quer zur Welt:Die Kapelle. Ein Spiel aus Stein, Holz, Licht und Glas. Der Gekreuzigte erzwingt sanft die Besinnung der täglichen Morgenandachten. Die Farbspiele des bunten Glases transzendieren die archehafte Geborgenheit des Raumes. Christel Molz hat Formensprachen entwickelt, in denen sie komplexe Wahrnehmungen wiederzugeben vermag. Die Bilder sind ein Teil. Die Installation, die die Gäste des Hauses an ihrer Ausstellung mitwirken lässt, sind ein anderer Teil ihrer feinsinnigen, multidimensionalen Arbeit.
Und da ist der Koffer mit gefüllten Einweckgläsern: Das nehme ich mit. Es ist meine eiserne Reserve. Danke, Akademie. Genau das - vieltausendfach am Ende einer Tagung im Dank ausgesprochen, sagt der Koffer. Ein Symbol des Reisens, gefüllt mit gestillter Neugier, gewendeter Einsicht, diskursiver Bereicherung.

Christel Molz wurde 1944 in Westfalen geboren, Ausbildung zur Fotolaborantin in Trier. In diesem Beruf über Jahrzehnte für große und kleine Firmen und Zeitungen in Trier, München und Berlin tätig. Intensive Auseinandersetzung mit Fotografie als künstlerischem Ausdrucksmittel. Veröffentlichungen und Fotoarbeiten in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Seit Beginn der achtziger Jahre Arbeiten mit verschiedenen Materialien: Objektkunst, Fotografie, Malerei, Bildhauerei, Konzeptkunst. 1984 Eröffnung der Galerie KIK, Kunst im Kiez, in Berlin-Kreuzberg, mit einer Gruppe von Künstlern. 1999 Umzug nach Neuruppin, Brandenburg. Ausstellungskonzeption, -koordination und -planung. Ehrenamtliche Mitarbeit beim Ruppiner Hospiz e.V., Benefiz-Gruppe, die sich mit der Planung und Durchführung von Veranstaltungen befasst. Kunsthandwerkliches und künstlerisches Arbeiten. Zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.

 

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