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Akademie > Kunst in Loccum > Kinderkunstschule "Grüne Brücke", St. Petersburg

Zeichnung Kinderkunstschule St. Petersburg

Kinderkunstschule Studio „Grüne Brücke“ St. Petersburg

Münchhausen zwischen St. Petersburg und Loccum
August/November 2011

Von Jelena Aleksejewna Shchukina

Die Kinderkunstschule Studio „Grüne Brücke“ ist wie alles Lebendige ganz natürlich geboren worden. Sie ist geboren worden wie meine Kinder: Mascha und Aljona: In einem schönen Haus aus sibirischer Lärche, das uns immer die belebenden Kräfte der Natur spüren ließ. Die Sonne schien morgens in das eine und abends in das andere Zimmer.

Diese Oase der Ruhe und Gemütlichkeit steht bis heute im Zentrum der rasant darum herum gewachsenen Stadt Novosibirsk, der Hauptstadt des riesigen Sibiriens. Am Geburtsdatum des Studios, dem 5. April 1985, startete ich den ersten Unterricht mit meinen eigenen Kindern. Dieser Unterricht wurde immer regelmäßiger. Im Laufe der Zeit von nun schon 26 Jahren kamen immer mehr Kinder hinzu. Nach meinem Umzug nach St. Petersburg baute ich die Schule dort von Null wieder auf. Inzwischen besuchen 40 Kinder im Alter von 3 bis zu 14 Jahren die Kinderkunstschule „Green Bridge“. Wir treffen uns mehrmals in der Woche im Zentrum Sankt Petersburgs in dem Studio auf der Wassiliy-Insel.

Für Außenstehende mag mein Unterricht sehr seltsam anmuten, denn es wird kein Thema vorgegeben, sondern die Kinder suchen es sich selbst aus, wie z.B. das Thema „Münchhausen“ oder „Das Aussehen der Tiere in Camille Saint-Saëns’ »Karneval der Tiere«“. Katja zeichnet dann z.B. ein Porträt, Mischa den Krieg, Sveta die Blumen in der Vase. Ich bestehe nicht auf einem Thema. Die Musik läuft im Hintergrund, und während die Kinder die Musik hören, schaffen sie auf ihre Art und Weise improvisierend Bild für Bild das eigene kleine Theater der Tiere.

Mein Bemühen besteht darin, die Kinder vom Thema mitreißen zu lassen. Es mag vorkommen, dass der ein oder andere oder alle gar nicht zeichnen, wenn die Musik zum ersten Mal spielt, oder ich die Geschichte zum ersten Mal vorlese. Ich weiß genau, mit der Zeit werden die Kinder anfangen zu malen. Jedes Kind sieht die Geschichte mit den eigenen Augen.

Wenn die Kinder die Aufgabe eines Lehrers nicht erfüllen, dann meistens nicht, weil sie von den eigenen Kräften nicht überzeugt sind, sondern weil sie noch nicht so weit sind, die inneren Barrieren auf dem Weg des Gelingens zu überwinden und sich hinter den bequemen Phrasen: „Ich will nicht!“, „Ich kann nicht!“ verbergen. In der Regel stören die Aufgaben der Pädagogen die Kinder mehr, als zu helfen, die Ängste für diesen Moment zu vergessen. Es kann sein, dass der gesehene Vogel im Fenster treffend zu der Geschichte oder dem Märchen passt, und der Wunsch, das Bild jemandem zu schenken, die Motivation gibt. Die interessantesten Ideen für das Kind sind die eigenen.

In der Kinderkunstschule „Grüne Brücke“ wählen die Kinder vom ersten Moment an alles selbst: das Thema, die Technik, das Format des Papiers, das Werkzeug. Im Laufe der ersten Monate wird für jedes einzelne Kind ein individuelles Programm unter Berücksichtigung seiner Fähigkeiten und der schöpferischen Arbeiten, die in der vorangehenden Periode erfüllt sind, entwickelt. Dieses Programm ist auf die Aufspürung des eigenen Stils des Kindes, die individuellen Reflexionen der Welt und die Entwicklung seiner eigenen schöpferischen Motivation gerichtet.

Jelena Aleksejewna Shchukina ist Pädagogin, Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, Gründerin der ersten privaten Kinderschule in Russland, der künstlerischen Schule - das Studio «Grüne Brücke».

Ausstellungen der Schule-Studio «Grüne Brücke» (Auswahl)

2004
Ausstellung als kleine Kinderbiennale im Rahmen der zweiten Internationalen Biennale der Graphik (BIN 2004) im Ausstellungszentrum des St.-Petersburger Künstlerverbandes.

2005
13. Ausstellung «Das Porträt Russlands aus den Augen der Kinder» im Museum der Geschichte St.-Petersburgs.

2007
14. Ausstellung im Ausstellungszentrum des St. Petersburger Künstlerverbands. Zum ersten Mal sind in Russland in den besten Sälen Sankt Petersburgs die Arbeiten von Teenager, die im Gefängnis sind, vorgestellt. Initiator und Leiter des Projektes über mehrere Jahre war das Studio „Green Bridge“.

2008
15. Ausstellung im Rahmen der 1. Baltischen Biennale mit Teilnehmern aus 9 Ländern der Baltischen Region

Münchhausen in Russland

Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen war eine reale, historische Person. Er wurde am 11. Mai 1720 in Bodenwerder, einem kleinen Städtchen in Niedersachsen, geboren. In seiner Jugend war er Page in Russland, begann dann eine Karriere in der Armee und erreichte dort den Titel des Rittmeisters. Danach kehrte er nach Deutschland zurück. Dort wurde er mit den erstaunlichen Geschichten über seinen Dienst in Russland berühmt. Zum Beispiel erzählte er die Geschichte über die Einfahrt zu St. Petersburg auf einem Wolf. Seine phantastischen Erzählungen waren die Grundlage für die Bücher des Rudolf Erich Raspe: «Die Abenteuer Barons Münchhausen ».

Jahrhunderte später hat nun das St.-Petersburger Schul-Studio «Grüne Brücke» diese Geschichten unter dem Thema "Zeichnen der Erstaunlichen Abenteuer Münchhausens in Russland» wieder aufgegriffen. Im Laufe von zwei Jahren erdachten die Kinder mit Begeisterung die eigenen Geschichten über Münchhausen und jeder schuf auf eigene Art und Weise den märchenhaften Helden. Die Kinder befreundeten den Baron mit seiner Zeitgenossin, Kaiserin Katharina der Großen, haben ihn in die Arktis zu den Eisbären gesandt und ihn mit der zauberhaften Fee bekannt gemacht. Münchhausen wurden aus dem modernen Sankt Petersburg neue Berufe wie Designer, Modeschöpfer, Doktor der Chemie, Bändiger der Dinosaurier und der Krokodile angeeignet. Auch darf er sich in der Phantasie der Kinder beim Tauchen erholen. Die jungen Maler illustrierten auch die Erzählungen, die von Raspe über Münchhausen geschrieben sind. Aber kein Kind zeichnete die Szene der Jagd des Barons, denn die Kinder wollten den Tieren kein Leid zufügen. Unser Münchhausen lebt in der Harmonie mit der Natur: fliegt über dem Regenbogen zusammen mit den Enten, schwimmt mit den Fischen unter dem Wasser und lässt dem Jungtier des Tiranosaurier seine väterliche Fürsorge zukommen.

Warum hat gerade Münchhausen die Kinder aus St.-Petersburg begeistert? Die Art und Weise des findigen und positiv denkenden Münchhausen ist im modernem Russland ungewöhnlich, gefordert und aktuell. Der Baron findet aus der kompliziertesten Situation immer einen Ausweg und erweist sich immer als Sieger. Durch das Zeichnen einer solchen Person identifiziert sich das Kind mit dieser und lernt immer wieder nach einer Lösung zu suchen. Es gewinnt dadurch an Erfahrung und baut eine optimistische Beziehung zum Leben auf.

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