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Susanne Pikullik BastianIn BewegungZeichnungen - Malerei - Steine September/Dezember 2005 |
Alles fließt, sagt Heraklit und meint, alles ist
bewegt. Als bildende Künstlerin greife ich subjektiv aus dem Strom der
zeit mich berührende Erlebnisse und Eindrücke heraus, die ich auf
einem Blatt Papier, einer Leinwand oder einem Stein durch eine Form
versinnliche. Ich arbeite mit dem Widerspruch, etwas festzuhalten, was
nicht festzuhalten ist. Ein besonderer Augenblick, der verzaubert, ein
starkes Gefühl, das eine Form sucht, eine kostbare Wahrnehmung, die
erhalten bleiben möchte.
Mich fasziniert Bewegung in ihren vielen Nuancen: die
Dynamik des tanzenden Körpers bis zu seinem Zur-Ruhe-Kommen, bis die
Energien kaum noch spürbar sind. So zeichne ich gerne, gleichsam
notierend, Tänzer im Ballettsaal oder bei den Proben zu einem
Tanztheater. Auch Dirigenten, Musiker, Sänger, Schauspieler. Um die
Dynamik einzufangen, im Strich mitklingen zu lassen, hefte ich beim
Zeichnen die Augen kaum auf's Blatt, sondern vertraue der
Energieumwandlung des Geschehens durch meinen Stift. Ich werde selbst
teil des Bewegungsablaufes.
Musik ist gehörte Bewegung. Sie drängt mich immer wieder zu dem
Experiment, den Höreindruck mit fast simultaner Zechenbewegung auf's
Blatt zu bannen. Glückt das Experiment, dann ist das grafische Ergebnis
eine Art Echo für das Auge.
Ganz anders gehe ich im Medium der Malerei vor. Auf größeren
Leinwänden versuche ich, durch einen Dialog von Farbflächen
zueinander, Bewegung herzustellen. Die Bewegung vollzieht sich im
Zusammenspiel von Farbe und Form der Körper auf der Fläche in ihrem
Bezug zum Umraum. Inhaltlich verlagert sich der Blickwinkel bei den
Bildern vom Konkreten zum Unkonkreten. Bewegung wird jetzt spürbar,
aber nicht fassbar, denn "alles fließt".
Susanne Pikullik-Bastian: 1945
in Magdeburg geboren; 1956 Übersiedlung in die Bundesrepublik; 1966
Abitur in Wolfenbüttel, Studium von 1971 bis 1984 pädagogische
Tätigkeit in Bremen, ein Jahr Kanada
Aktives politisches Engagement für verfolgte und bedrohte Völker und
Menschen; 1985 Studium Weiterbildung Kunst, Universität Bremen,
Schwerpunkte: Zeichnung, Malerei, Steinarbeit; konstruktivistische
Auseinandersetzung mit Urformen und Farbflächen; malerische Umsetzung der
mathematischen Zahlentheorie "Fluid Numbers" von Lere Shakunle;
"choreographisches" Zeichnen bei Proben zu Aufführungen am
Theater am Goetheplatz, Nationaltheater Mannheim, seit 1988 verstärkte
Hinwendung zur Steinbildhauerei, Mitglied der Gedok Bremen