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Akademie > Kunst in Loccum > Manfred Pluskwa

Zeichnung von Susanne Pikullik-Bastian

Manfred Pluskwa

Begegnungen und Aufbrüche
Holzskulpturen
November/Dezember 2003

Von Hans-Peter Burmeister

Der Baum ist nicht nur eine uralte Figur, sein Material gehört zu den ersten Stoffen der Figurendarstellung überhaupt, für Götzen und Dämonen - und das Menschenbild, das den elementaren Formen der Natur gegenübergestellt wird. Das Holz ist gewachsen. Es ist hart. Es bietet Widerstand. Aber es ist nicht kalt. Es ist die organische Natur als archaisches Gegenüber - nicht so hart und spröde wie Stein, vielfältig genutzt für die eigene Erwärmung, für das schützende Gehäuse, zur Verteidigung und Fortbewegung. Ein Begleiter menschlicher Zivilisation - und als Material kultischer Gegenstände, zur Verehrung höherer Mächte und zum Bildnis, jahrtausendelang genutzt, um Figuren des menschlichen Gegenübers darzustellen.
Dem Menschen ein Gegenüber - eine zentrale Idee. Im Gegenüber gewinnt der Mensch eigene Identität. Im verkörperten Gegenüber gibt er dem eigenen Unbegriffenen Gestalt, hält es fest und lässt es zugleich frei, zur eigenen äußeren Gestalt zu werden, bannt es in feste Materialität und baut - ihm gegenüber - potentiell jene Spannung aus, die seinen Lebensraum erweitert und vertieft. Zur festen materialen Figur geworden, gerinnt die Spannung zur Ruhe, sie wird im Material festgehalten - als gebe es kein Fließen der Zeit. Sie kann zum Ruhe-Pol werden, in der dargestellte Ambivalenz und Widerspruch festgehalten ist. Bewegung wird Ruhe. Ein Innehalten, das die gesamte Bildende Kunst kennzeichnet und ihre Wirkung bestimmt.
Der Mensch ist nicht eindeutig. Er ist eingespannt zwischen Leben und Tod, Wachen und Schlafen. Bildwerke, die den Menschen angehen, geben Zeichen von der Ambivalenz der menschlichen Position in der Welt.
Manfred Pluskwa sucht und findet im Holz, im sehr spezifischen Holz, das er nach Farbe, Klang, Härtegrad, Form auswählt. Es bietet sich ihm, dem Suchenden, als Material an, um seine künstlerische Idee aufzunehmen. Das spezifische vorgefundene Holz wird durch seine Bearbeitung Träger der Bildidee; aber es stiftet auch kraft seiner vorhandenen Materialität selbst Vorlagen für Bildideen, die sich im künstlerischen Prozess weiterentwickeln.
Die zugrundeliegende Idee für die Holzskulpturen von Manfred Pluskwa: die personale Einheit eines jeden einzelnen Menschen und zugleich sein Angewiesensein auf andere. Eine bleibende Aufgabe: Die Suche nach Balancen zwischen Distanz und Nähe, zwischen Gemeinschaft, die stützt und erhält und dem Drang nach individueller Unabhängigkeit und Freiheit.
Begegnungen und Aufbrüche - so heißt die Ausstellung, die das Schwierige menschlicher Dualität ebenso thematisiert wie das Bewältigen innerer Zerspaltenheit. Pluskwa gibt in seinen Holzskulpturen dem Drang nach Beharrung wie dem Impuls nach Erweiterung in elementaren figuralen Bildzeichen körperhaften Ausdruck.
Für die Evangelische Akademie Loccum ist es eine besondere Freude, die Werke von Manfred Pluskwa zu zeigen. Er hat in seiner Tätigkeit in der Evangelischen Akademie Loccum in den 80er Jahren gleichsam "Begegnungen und Aufbrüche" im dialogischen Prozess als hauptamtlicher Studienleiter organisiert und begleitet, bevor er 1987 Gründungsleiter der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad Bederkesa-Sprengelzentrum wurde. Seit 1995 hat er die andere Seite seiner eigenen Dualität wieder aufgenommen: die Arbeit an der skulpturalen Darstellung.

Manfred Pluskwa wurde 1946 in Lübeck geboren. Er machte eine Lehrausbildung als technischer Zeichner, bevor er sein Studium der Sozialpädagogik begann, das er mit dem Diplom abschloss. Nach dem Studium der Psychologie, Erziehungswissenschaften und Ev. Theologie promovierte er zum Doktor der Philosophie und lehrte an Hochschulen in Hildesheim und Hamburg.
Bereits in den 60er Jahren hat er bildhauerisch gearbeitet und Metallskulpturen geschaffen. 1995 widmete er sich nach einer schweren gesundheitlichen Beeinträchtigung diesem Bereich seiner Begabung im Atelier seines Hauses in Bederkesa. In den letzten beiden Jahren war er mit ersten Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen in Beverstedt, Dorum, Bremervörde, Bremen und Bremerhaven erfolgreich.

 

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