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Manfred PluskwaBegegnungen und AufbrücheHolzskulpturen November/Dezember 2003 |
Von Hans-Peter Burmeister
Der Baum ist nicht nur eine uralte Figur, sein
Material gehört zu den ersten Stoffen der Figurendarstellung
überhaupt, für Götzen und Dämonen - und das Menschenbild, das den
elementaren Formen der Natur gegenübergestellt wird. Das Holz ist
gewachsen. Es ist hart. Es bietet Widerstand. Aber es ist nicht kalt. Es
ist die organische Natur als archaisches Gegenüber - nicht so hart und
spröde wie Stein, vielfältig genutzt für die eigene Erwärmung, für
das schützende Gehäuse, zur Verteidigung und Fortbewegung. Ein
Begleiter menschlicher Zivilisation - und als Material kultischer
Gegenstände, zur Verehrung höherer Mächte und zum Bildnis,
jahrtausendelang genutzt, um Figuren des menschlichen Gegenübers
darzustellen.
Dem Menschen ein Gegenüber - eine zentrale Idee. Im
Gegenüber gewinnt der Mensch eigene Identität. Im verkörperten
Gegenüber gibt er dem eigenen Unbegriffenen Gestalt, hält es fest und
lässt es zugleich frei, zur eigenen äußeren Gestalt zu werden, bannt
es in feste Materialität und baut - ihm gegenüber - potentiell jene
Spannung aus, die seinen Lebensraum erweitert und vertieft. Zur festen
materialen Figur geworden, gerinnt die Spannung zur Ruhe, sie wird im
Material festgehalten - als gebe es kein Fließen der Zeit. Sie kann zum
Ruhe-Pol werden, in der dargestellte Ambivalenz und Widerspruch
festgehalten ist. Bewegung wird Ruhe. Ein Innehalten, das die gesamte
Bildende Kunst kennzeichnet und ihre Wirkung bestimmt.
Der Mensch ist nicht eindeutig. Er ist eingespannt
zwischen Leben und Tod, Wachen und Schlafen. Bildwerke, die den Menschen
angehen, geben Zeichen von der Ambivalenz der menschlichen Position in
der Welt.
Manfred Pluskwa sucht und findet im Holz, im sehr
spezifischen Holz, das er nach Farbe, Klang, Härtegrad, Form auswählt.
Es bietet sich ihm, dem Suchenden, als Material an, um seine
künstlerische Idee aufzunehmen. Das spezifische vorgefundene Holz wird
durch seine Bearbeitung Träger der Bildidee; aber es stiftet auch kraft
seiner vorhandenen Materialität selbst Vorlagen für Bildideen, die
sich im künstlerischen Prozess weiterentwickeln.
Die zugrundeliegende Idee für die Holzskulpturen von
Manfred Pluskwa: die personale Einheit eines jeden einzelnen Menschen
und zugleich sein Angewiesensein auf andere. Eine bleibende Aufgabe: Die
Suche nach Balancen zwischen Distanz und Nähe, zwischen Gemeinschaft,
die stützt und erhält und dem Drang nach individueller Unabhängigkeit
und Freiheit.
Begegnungen und Aufbrüche - so heißt die
Ausstellung, die das Schwierige menschlicher Dualität ebenso
thematisiert wie das Bewältigen innerer Zerspaltenheit. Pluskwa gibt in
seinen Holzskulpturen dem Drang nach Beharrung wie dem Impuls nach
Erweiterung in elementaren figuralen Bildzeichen körperhaften Ausdruck.
Für die Evangelische Akademie Loccum ist es eine besondere Freude, die
Werke von Manfred Pluskwa zu zeigen. Er hat in seiner Tätigkeit in der
Evangelischen Akademie Loccum in den 80er Jahren gleichsam
"Begegnungen und Aufbrüche" im dialogischen Prozess als
hauptamtlicher Studienleiter organisiert und begleitet, bevor er 1987
Gründungsleiter der Evangelischen Heimvolkshochschule Bad
Bederkesa-Sprengelzentrum wurde. Seit 1995 hat er die andere Seite
seiner eigenen Dualität wieder aufgenommen: die Arbeit an der
skulpturalen Darstellung.
Manfred Pluskwa wurde 1946 in Lübeck geboren. Er
machte eine Lehrausbildung als technischer Zeichner, bevor er sein Studium
der Sozialpädagogik begann, das er mit dem Diplom abschloss. Nach dem
Studium der Psychologie, Erziehungswissenschaften und Ev. Theologie
promovierte er zum Doktor der Philosophie und lehrte an Hochschulen in
Hildesheim und Hamburg.
Bereits in den 60er Jahren hat er bildhauerisch gearbeitet und
Metallskulpturen geschaffen. 1995 widmete er sich nach einer schweren
gesundheitlichen Beeinträchtigung diesem Bereich seiner Begabung im
Atelier seines Hauses in Bederkesa. In den letzten beiden Jahren war er
mit ersten Einzelausstellungen und Gruppenausstellungen in Beverstedt,
Dorum, Bremervörde, Bremen und Bremerhaven erfolgreich.