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Penelope RichardsonPassengerCollagen April/Juni 1999 |
Von Michael Schatz
Als Penelope Richardson im Juli 1992 mit einem
Stipendium in Bogotá eintrifft, um an einer dortigen Hochschule ein
Graduiertenstudium aufzunehmen, kennt sie die schwierige innenpolitische
Lage ihres Gastlandes nur oberflächlich. Sie begibt sich auf die Reise
nach Südamerika, "von einer Peripherie dieser Welt in eine
andere". Eine Reise, die wesentlich länger dauert als geplant und
für die künstlerische Entwicklung der jungen Australierin von
entscheidender Bedeutung ist.
Ende 1992 entstand - neben Zeichnungen und Malereien in Öl - Limpio de Sangre, eine Installation für den zweiten Salon Junger
Kunst in Bogotá, die genau ihr Thema aufgreift. Dunkelbraune Panela-Blöcke - große Rohrzuckerstücke, die in
Wasser aufgelöst ein beliebtes kolumbianisches Getränk ergeben - sind wie Ziegelsteine zu einem Stück Mauer geschichtet,
in das mit großen vergoldeten Buchstaben der Satz "Limpio des Sangre" (Blutrein) eingelassen ist. Näherte man sich
dem Werk, so konnte man feststellen, dass die goldene Oberfläche der Lettern mit roter Farbe beschmiert waren.
Eine Anspielung auf die Geschichte des Goldes zu präkolumbianischer Zeit,
verbunden mit den Widersprüchen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Situation des Landes.
Die Erfahrungen aus der Leitung eines Workshops über
Wandmalerei und Plakatgestaltung helfen Anfang 1993 Penelope Richardson
bei der Realisierung ihres wichtigsten Projekts in Kolumbien: Die Arbeit
mit Häftlingen aus Bogotás berüchtigter Strafanstalt "La Picota".
Zusammen mit Jaime Ávila erteilt sie den Gefangenen einen Kurs in
experimenteller Kunst, hilft ihnen, ihre Gefühle künstlerisch
auszudrücken. Am Ende dieses Versuches stehen aggressive Graffities
neben Gemälden mit einer fast lyrischen Stimmung, Träume und
Traumatisches.
Aus dem Ausstellungskatalog
Penelope Richardson : in Sydney/ Australien geboren, 1992-1993 Studium an der Universidad de Los Andes, Kolumbien; 1990-1991 Mitarbeit am Community Cultural Development Unit of the Australia Council; zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen.