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Akademie > Kunst in Loccum > Hermann Rongstock

Zeichnung von Susanne Pikullik-Bastian

Hermann Rongstock

Hoffnung
Malerei und Grafik
April/Juli 2007

"Kundry und Klingsor", farbige Tuschen zu Parsifal, Richard Wagner

Von Roman Kocholl

Bereits im Treppenhaus riecht es nach Kunst. Vorbei an Bildern und afrikanischen Kunstwerken führt der Weg empor ins Heiligtum - ins Atelier von Hermann Rongstock. Wo soll man nur zuerst hinschauen? Auf die skurrile Muschelwand am Kamin? Auf das antike Bett? Auf die zahllosen kleinen Figuren? Fausts Studierstube könnte so aussehen. Oder Mephistos Brutstätte. Kein Bühnenbildner könnte das besser inszenieren. Als Interviewer darf man in einem Schaukelstuhl Platz nehmen. Unweit eines Totenkopfes, den eine Schlange fest im Griff hat - ein grandios arrangiertes Memento Mori. Alles ist vergänglich.

Wenn Hermann Rongstock beginnt, von seinem Leben zu erzählen, entsteht ein großer Kontrast zu dem inspirierend-ausufernden Szenarium in seinem Atelier. Er wirkt bodenständig, erdverwurzelt und spricht eine klare Sprache. Virtuos beherrscht er in seiner Rede die Kunst des fließenden Übergangs. Fast unmerklich geht es von einem zum anderen. Eine feuilletonistisch-vernebelnde Formulierung wie "er redet, wie Wagner komponiert hat", würde er aber vermutlich ablehnen. Schließlich sagt Rongstock irgendwann den wahren Satz: "Vernissagenreden sind zu 80 Prozent Blabla." In Bayreuth wurde er als Kriegwaise 1941 geboren. Seinen Vater hat er nie gekannt. Die Schulzeit absolvierte er im Nachkriegs-Bayreuth. Doch schon bald merkte Rongstock: "Es war mir hier zu langweilig." So machte er sich auf nach München. Dort widmete er sich zunächst dem Studium der Gebrauchsgraphik an der Blocherer Schule für freie und angewandte Kunst.

Dann kam der große Glücksfall: Der junge Student erregte das Interesse von Oskar Kokoschka. Später folgten Studien an der Hochschule für Bildende Künste in München sowie das Studium der Psychologie und Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Bamberg. Von 1971 bis 1999 arbeitete er als Fachbetreuer für Kunsterziehung am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Bayreuth.

Kokoschka also. "Ich kam in die Weltkunst", sagt Rongstock heute rückblickend über die Begegnung mit dem berühmten Künstler. Als einen, "der über den Menschen steht", habe er Kokoschka in Erinnerung. Dieser habe ihn stets "Bayreuther Hermann" oder "Seemann" genannt. Und als Hermann Rongstock zu erzählen beginnt, fühlt man sich sofort ins Wien des frühen 20. Jahrhunderts versetzt. Da ist der Weg nicht weit zu den Amouren Alma Mahlers und zu Gustav Mahler. Und so entgleitet Rongstock dann schon auch mal ein Satz wie "Gustav Mahler war kein guter Lover". Ach, ja?

Rongstock jedenfalls kam wieder zurück nach Bayreuth. Und er zählt zu den Bayreuther Künstlern (der Begriff Künstler ist hier wirklich angebracht), die sich weit über die Stadt hinaus einen Namen gemacht haben. Im In- und Ausland waren seine Werke zu sehen. In einem Ausstellungskatalog heißt es über Rongstock: "Bei den Pastellbildern versucht er, in der alten Technik zu arbeiten (sein großer Lehrmeister Kokoschka ist dabei nicht zu übersehen). Bei der Zeichnung sind es die Feder und der trockene Tuschepinsel, aber auch Öl reizt ihn zu gewissen Zeiten. Seine zeichnerische Technik ist brillant, die spitze Feder setzt er wie ein Seziermesser ein; der breite, trockene Tuschepinsel formt ihm gewollte plastische Bereiche wie zum Beispiel Architektur, Straßenzüge oder Bäume, und trotzdem bleibt alles in der Fläche."

Roman Kocholl: "Kokoschkas Seemann" am 8. November 2006 anlässlich der Verleihung des Kulturpreises der Stadt Bayreuth an Hermann Rongstock.

Hermann Rongstock: 1941 in Bayreuth geboren; 1958-60 Studium der Gebrauchsgrafik an der Blocherer Schule für freie und angewandte Kunst, München; 1960-61 Studium bei Prof. Oskar Kokoschka in Salzburg; 1961-67 Hochschule für Bildende Künste in München bei den Professoren Hermann Kaspar und Mac Timmermann, Meisterschüler; 1967-71 Lehrtätigkeit am Staatsinstitut für die Ausbildung der Fachlehrer in Kunsterziehung in Bayreuth; 1971-99 fachbetreuer für Kunsterziehung am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium in Bayreuth
Preise:
1968: Abschlussdiplom für besondere künstlerische Leistungen in Malerei und Grafik der Akademie der Bildenden Künste München; 2006 Kulturpreis der Stadt Bayreuth;
Arbeiten im öffentlichen Raum und Besitz:
Stadt Bayreuth; Akademie der Bildenden Künste; Bayerische Landesbank; Staatliche Graphische Sammlung München; Bezirkstag; Internationale Sommerakademie Salzburg

 

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