Fotocollage
Kontakt | Impressum | Sitemap | Suchen | Home | 

Akademie > Kunst in Loccum > Johann Rosenboom

Johann Rosenboom

Johann Rosenboom

Aus Licht zu Farben
Malerei
Oktober 2012/Januar 2013

Im Anfang ist das Sehen
Zum malerischen Werk Johann Rosenbooms

Von Bernd Küster

Im Anfang ist das Sehen, und davon gehen die bildnerischen Überlegungen Johann Rosenbooms aus, erscheinen sie noch so abstrahiert oder mit expressiver Energie vorgetragen. Es bleibt in allem, was aus einer sehr behutsam fortschreitenden malerischen Behandlung hervorgeht, ein grundsätzlicher Dialog erkennbar; an dem die Natur ebenso beteiligt ist wie der Maler selbst, in welchem die subtile Kenntnis der Farbe genauso herrscht wie die Kenntnis älterer Kulturgeschichte. Aus den Gegensatzpaaren erwachsen malerische Synthesen, die das Werk in die Dimension der eigenen Zeit einbinden, es aber zugleich vor den weiten Horizont der Malereigeschichte stellen.

Die zweite Stufe ist die Verwandlung: ein Körper ist Träger seiner Farbigkeit, Reflex im Licht, leuchtendes Phänomen inmitten anderer. Er verliert in bestimmten Lichtverhältnissen diese farbige Eigenheit, steigert sie zu einem reinen Klang, auf den die bildnerische Umgebung reagiert: Schatten werden rot, Himmel grün. Was immer im Viereck der bemalten Leinwand zusammentritt, es wird im Kanon der vorhandenen farbigen Körper neu gestimmt und findet seine ‚malerische’ Existenz. Die Verwandlungen im Werk Johann Rosenbooms sind radikal, die Spannungen zwischen Licht und Schatten lösen sich zuweilen in zwei reine Farben auf oder werden durch diese intensiviert, Landschaften am Wasser bekommen ein neues farbiges Gewand, Panoramen italienischer Berge erscheinen als exotische Farbteppiche, in dunklen Interieurs finden einfach Dinge zueinander und glühen auf, wie von innen erleuchtet. Alle Verwandlung geschieht unter keinem anderen als einem malerischen Aspekt, der die Valeurs in Melodien übersetzt, aus Gegensätzen Klangakkorde schafft und in der geheimnisvollen Musik die – wie Cézanne es nannte – „wahre Welt“ entdeckt: „Das Wunder ist da, das Wasser verwandelt sich in Wein, die Welt ist in Malerei verwandelt.“

Die dritte Stufe ist die Abstraktion, die sich aus der farbigen Konstellation der Körper im Raum ergibt, ihnen das Gerüst ihrer bildnerischen Existenz, aber nicht das Stoffliche mehr verleiht. Die Berge sind Flächen wie die Bäume und Felder, alles hat seine bescheidene Form, die wie das einfache Wort zur Poesie des Ganzen beiträgt. Sitzt Johann Rosenboom zeichnend in der Landschaft, werden alle Elemente aus ihrer Räumlichkeit behutsam in die Fläche gebreitet, die Suggestion wird zugunsten der formalen Stimmigkeit zurückgenommen, an die Stelle der perspektivischen Tiefe des Raums tritt  die Ebene des Papiers. Solch elementare Vereinfachung ist die Voraussetzung für den späteren malerischen Prozess, sie gewährt und schafft den Freiraum, in welchem die farbigen Körper zu bestehen, zu agieren, zu dominieren beginnen. Das Resultat ist kein Kaleidoskop der Welt, keine bunte Beleuchtung einer eher tristen Wirklichkeit, sondern ein im Sinne Cézannes musikalischer Akt: Neuschöpfung einer Welt aus der gegebenen, die damit zwar ihr Gesicht verliert oder verändert findet, die gleichwohl als Hintergrund erhalten bleibt, vor welchem sich Rosenbooms Bilder einer farbigen Suggestion ereignen und behaupten. Sein Werk umgreift in einer poesievollen Bilanz die Entwicklungen der Moderne und steht unter deren Gesetz, gleichwohl schwerelos und in der reichen Symphonie farbiger Klänge großen Ahnen verwandt.

Prof. Dr. Bernd Küster ist Direktor der Museumslandschaft Hessen-Kassel.
(Der Text ist gegenüber dem Original gekürzt)

Johann Rosenboom wurde 1947 in Backemoor bei Leer/Ostfriesland geboren. nach einer Lehre als Feinmechaniker studierte er von 1968 bis 1976 Bildende Kunst und Werken an der Fachhochschule Fulda und Hochschule für Bildende Künste Kassel. Er arbeitete als Kunsterzieher und hatte 1985/86 einen Lehrauftrag im Fachbereich Architektur an der Gesamthochschule Kassel. Seit 1981 arbeitet Johann Rosenboom als freier Künstler. Er lebt und arbeitet in Kassel und Grizzana-Morandi, Italien.

Pfeil zurück      •  © 2012 by Evangelische Akademie Loccum  •  eal@evlka.de  •  Seite drucken  •         Pfeil nach oben