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Gemälde von Reinhard Scholtissek

Reinhard Scholtissek

Geist und Materie
Malerei
Februar/April 2014

Die Strukturen-Bilder von Reinhard Scholtissek

Von Dr. Susanne von Garrel

„Kunst ist schön, macht aber Arbeit.“ Das Zitat von Karl Valentin passt auf Künstler wie Reinhard Scholtissek. Seine Bilder haben hohen Anregungscharakter. Ein Betrachter kann sich in ihnen finden, in ihnen spazieren gehen, um immer wieder Neues zu entdecken. Der Maler macht sich Arbeit mit seinen Bildern. Technik und Material machen Bilder und Maler singulär.

Die Bildträger sind aus herkömmlichem Material wie Sperrholz. Einseitig mit Leinwand bespannt und mit breiten Leisten umrahmt, wird diese Form mit flüssiger Zellulose gefüllt. Es dauert bis zu drei Wochen, bis das flüssige Material fest geworden ist und bemalt werden kann. So entsteht die gewünschte Stärke, die der Künstler für sein Bild benötigt.

In dieser Zeit der allmählichen Verfestigung werden Strukturen eingearbeitet, die das Dreidimensionale der Bilder hervorrufen. Es wirkt und ist unveränderlich, was an Strukturen eingebracht wird. Diese Strukturen sind nicht mehr zu entfernen – wie die Lebensspuren in unserem Gesicht, auf unserer Haut, in unseren Erinnerungen.

Das Zellulose-Material kann mit Farbpigmenten eingefärbt werden. Ist die strukturierte Zellulose getrocknet, wird sie in Mischtechnik mit Acryl-, Ölfarbe oder auch Pastellkreide bemalt. Dabei werden viele Farbschichten übereinander gebracht. Die unteren Schichten scheinen durch und beeinflussen so die später aufgetragenen Farbebenen.

Die biblischen Bilder von Reinhard Scholtissek verrätseln, was die Welt, die Wirklichkeit, sein kann – für uns. Die Bedeutung hinter den Strukturen zu erschließen, ist unsere Aufgabe als Betrachter.

„Kunst ist schön, macht aber Arbeit“ – das gilt auch für uns als Betrachter. Wir müssen uns aus den Strukturen-Bildern von Reinhard Scholtissek unser eigenes Bild mit seinen Bedeutungen für uns im Kopf machen. Mit seinen Bildern öffnet der Künstler uns die Augen über uns selbst.

Wir brauchen in unserer digitalen Welt der Bytes und Apps den künstlerischen Ausdruck als Medium des Weltverstehens und Interpretierens, um Mensch zu bleiben. Kunst ist heute mehr denn je ein Lebens-Mittel. Mit den Bildern des Künstlers Reinhard Scholtissek treten wir in Dialog mit der Welt, mit uns, mit unseren Erinnerungen, Träumen und Fragen. Mit einem Scholtissek Bild lebt man, weil man mit ihm im Denken unterwegs bleiben kann.

Manche Bilder haben Anklänge an die asiatische Philosophie, andere erinnern an den abstrakten Expressionismus. Viele Bilder sind farblich ganz zurückhaltend mit ihren Pastelltönen, sie drängen sich nicht auf. Reinhard Scholtisseks Bilder fallen einem nicht ins Wort – sondern in den Blick und in die Gedanken. Sie haben etwas Meditatives. Sie bleiben da als minimalistische Kunst. Bilder, in denen wir zur Ruhe kommen, zu uns selbst kommen können.

Der Künstler sagt: „Am liebsten würde ich immer nur Strukturen malen, die Waagerechte, die Senkrechte. Meine Bilder bestehen im Grunde nur aus Strukturen, aus geschriebenen und geometrischen Formen, die zu Strukturen werden.“

Und vielleicht erzählen uns diese Bilder mit all ihren Strukturen mehr über die Welt, das Leben und uns selbst als die lauten Bilder, die global und digital ausmachen, was um uns geschieht.

 

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