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Foto Eggert Beleites

Prof. Dr. med. Eggert Beleites

Präsident der Landesärztekammer Thüringen
in: Forum Loccum Nr. 2/ Mai 2002

In den Niederlanden ist vor Kurzem eine neue Sterbehilfegesetzgebung verabschiedet worden. Viele Menschen in Deutschland blicken mit Sorge auf unser Nachbarland. Sie sehen in der unter bestimmten Bedingungen erlaubten Sterbehilfe einen "Dammbruch", der nicht abschätzbare Gefahren für krankes und geschädigtes Leben zur Folge hat. Andere sehen die niederländische Regelung positiv, wird doch hier dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen konsequent Rechnung getragen.

Aus meiner Perspektive ist weder die eine noch die andere Meinung zutreffend. Wir sollten uns nicht, schon gar nicht so vordergründig, an den Bestimmungen anderer Länder reiben, sondern statt dessen lieber einen eigenen, für Deutschland geeigneten Weg suchen und aktiv gestalten.

Wir haben in Deutschland eine großzügige Gesetzgebung, die den Willen der Patienten ausgesprochen stark betont, die zwar aktive Sterbehilfe unter Strafe stellt, jedoch die sogenannte passive Sterbehilfe, die indirekte Sterbehilfe und den Suizid nicht mit Strafe bedroht. Zudem werden Vorausverfügungen (Patientenverfügungen) als verbindlich angesehen, sofern sie sich auf die konkrete Behandlungssituation beziehen und keine Umstände erkennbar sind, daß der Patient sie nicht mehr gelten lassen würde. Außerdem ist es in Deutschland leicht, sich in Gesundheitsangelegenheiten verantwortlich vertreten zu lassen (Vorsorgevollmacht).

Die 1998 verabschiedeten Grundsätze der Bundesärztekammer zur ärztlichen Sterbebegleitung sprechen bewusst nicht von Sterbehilfe - sondern nur von Begleitung, um damit klar zu machen, dass Ärzte den Auftrag haben, bis ans Lebensende helfend beizustehen - nicht aber die Beendigung des Lebens herbeizuführen. Ärzte sind darin aufgefordert, gegebenenfalls von curativen Zielen auf palliative Zielsetzungen umzusteigen. Diese Entscheidungen dürfen nach den Grundsätzen weder von wirtschaftlichen Erwägungen noch von der Länge einer Bewusstlosigkeit abhängig gemacht werden.

Auch sollten wir das Instrument "Patientenverfügung" viel stärker nutzen. Bei ihrer Aufstellung ordnet man seine Gedanken, setzt man sich mit der sicher schwierigen Problematik von Über- und Unterversorgung am Ende des Lebens auseinander und vor allem muß man in diesem Zusammenhang mit seinen Angehörigen und Freunden über das eigene Sterben sprechen, d. h. wir holen allein mit dem Gespräch über Patientenverfügungen das Tabuthema Sterben ins Leben zurück und leben damit ein Stück Selbstbestimmung.

In Deutschland hat sich in den letzten Jahren bezüglich Hospizbewegung und Palliativbetreuung sehr viel entwickelt - wenn auch noch längst nicht in ausreichendem Maß - so sind wir doch auf einem erfolgversprechenden guten Weg, den wir bewußt weitergehen sollten und uns nicht kaputt reden lassen dürfen.

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