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Dr. Arno Brandt

Bankdirektor für Regionalwirtschaft, NORD/LB, Hannover
und Mitglied im Konvent der Akademie
in: Forum Loccum Nr. 2/Mai 2007

Kleine und mittlere Betriebe (KMU) weisen in der Regel eine hohe Flexibilität am Markt auf und werden noch von Menschen geführt, die Joseph Schumpeter als "Unternehmerpersönlichkeiten" charakterisiert hätte. In der Konzeption der "Sozialen Marktwirtschaft" war nie strittig, dass diese Unternehmen, den Kern einer zukunftsfähigen (nachhaltigen) Ökonomie ausmachen. Und doch ist der Konzentrationsprozess seit der Erfindung der "Sozialen Marktwirtschaft" unaufhaltsam vorangeschritten. Das zentrale Entwicklungshemmnis der KMUs liegt u. a. darin begründet, dass sie kaum Größenvorteile (Economies of Scale) realisieren können. Hinzukommen spezifische Probleme, wie die vielfach beklagten Strategiedefizite,  die unzureichende Innovationsfähigkeit, Exportschwächen und unleugbarer Probleme beim Zugang zum Kapitalmarkt, die durch die neuen Regelungen von Basel II sicherlich nicht geringer geworden sind.

Eine Gesellschaft aber, in der es sich zu leben lohnt, weil sie nicht dominiert wird von den Entscheidungen einiger weniger ökonomisch Mächtigen, ist existenziell auf eine ausdifferenzierte mittelständische Wirtschaft angewiesen. Durch eine breit aufgestellte Landschaft kleinerer und mittlerer Unternehmen entsteht nicht zuletzt eine Kultur der Selbstständigkeit, die für die Kreativität, die Offenheit und den Bürgersinn in Wirtschaft und Gesellschaft unabdingbar ist.

Es stellt sich daher immer wieder neu die Frage, wie KMU`s gefördert werden können, wie sie ihre Strategie- und Innovationsfähigkeit erhöhen - und wie es ihnen gelingt, auch in Zeiten schärferen Wettbewerbs Netzwerke aufzubauen, die einen Ausgleich ihrer Größennachteile bewirken.

Die "unsichtbare Hand des Marktes" (Adam Smith) wird der Gesellschaft diese Aufgabe nicht abnehmen. Wäre dem so, dann hätten wir keinen Anlass, die Schrumpfungsprozesse der Vergangenheit in diesem wichtigen Segment der Wirtschaft zu beklagen. Vielleicht ist die unsichtbare Hand von Adam Smith ohnehin mehr Mythos als Realität, wie Joseph E. Stiglitz, Ökonomienobelpreisträger des Jahres 2001 argwöhnt.

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