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Foto Gundula Epp-Graack

Dr. Gundula Epp-Graack

Vorstandsvorsitzende von "Ärzte ohne Grenzen", Berlin.
in: Forum Loccum Nr. 4/November 2000

Wer arm ist, bleibt krank?

Seit Jahren stellen wir in unseren Projekten fest, dass selbst ohne Krieg oder Naturkatastrophen die Versorgung mit wirksamen Medikamenten in vielen Ländern eine dauerhafte Notlage darstellt, die sich zunehmend verschärft.

Auch im Jahr 1999 sind rund 17 Mio. Menschen weltweit an behandelbaren Infektionskrankheiten gestorben. Längst im Griff geglaubte Krankheiten wie Tuberkulose und Malaria breiten sich wieder aus, weil die Erreger resistent geworden und die medizinischen Versorgungsnetze zusammengebrochen sind.

Es sind vor allem wirtschaftliche Gründe, die den Menschen außerhalb der Industrienationen den Zugang zu lebensrettenden Medikamenten erschweren. Weil finanzkräftiges Klientel in tropischen Ländern fehlt, investiert die Pharma-Industrie nicht mehr in die Entwicklung von Medikamenten gegen Tropenkrankheiten. Von den rund 1.200 neuen Medikamenten, die in den letzten 25 Jahren zugelassen wurden, sind nur 13 dazu geeignet, Tropenkrankheiten zu behandeln.

Auch im Jahr 1999 wurden von den Milliarden, die in die medizinische Forschung flossen, 90 Prozent für Krankheiten ausgegeben, die nur zehn Prozent der Menschheit betreffen. Altbewährte Medikamente werden aus der Produktion genommen, neue und alte Präparate zu weit überteuerten Preisen verkauft. Internationale Handelsabkommen, Patentschutzrechte oder politischer Druck der Industrienationen verhindern außerdem die preiswerte Herstellung hochwertiger Generika.

Ärzte ohne Grenzen akzeptiert nicht, dass der Großteil der Menschheit von der Versorgung mit Medikamenten ausgeschlossen ist und hat deshalb 1999 die Kampagne "Besserer Zugang zu unentbehrlichen Medikamenten" ins Leben gerufen. Diese Kampagne hat vielmehr zum Ziel, Vertreter von Forschung, Wirtschaft und Politik für das Thema zu gewinnen und an einen Tisch zu bringen, um globale Lösungen für eine dauerhafte Versorgung aller Menschen mit notwendigen Medikamenten zu finden.

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