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Otto Herz

Reformpädagoge und Psychologe
in: Forum Loccum Nr. 2/Dezember 2012

Das Bildungs-, insbesondere das Schulwesen, ist eine Dauer-Baustelle. Dauer-Baustellen gehen vielen Menschen recht bald auf die Nerven. Umso mehr, wenn immer wieder und immer häufiger der Eindruck entsteht, dass die heimlich-unheimliche Hintergrunds- und Handlungsformel heißt: „Reformieren muss/kann/soll man, aber ändern darf sich nichts …!“

In meiner Studienzeit (1965 – 1970) und auch noch danach, las und lernte ich,  dass das Schul-System eine dreifache gesellschaftliche Hauptaufgabe habe: Qualifikation, Selektion, Legitimation.

Qualifikation meint: möglichst alle sollen möglichst viel nützliches Wissen, gefragte Qualifikationen, perspektivenreiche Kompetenzen erwerben. Was immer dann als jeweils nützlich, gefragt, perspektivenreich benannt wird …

Selektion meint: möglichst früh sollen die Einzelnen vorsortiert werden in verschie-dene Bildungs- und Ausbildungsrichtungen, wofür ungleichwertige Schul-Formen geschaffen, begründet und eisern verteidigt werden.

Legitimation meint: durch das Bildungswesen sollen die Denk- und Handlungsmuster jeweils in die Köpfe und Körper der nachwachsenden Generationen eingeimpft werden, die die jeweils Herrschenden für sich als herrschaftsstabilisierend ansehen. So wird auch die hoheitliche Aufgabe von Schule und ihren beAMTen hergeleitet.

Wer aus dieser unbefriedigenden Dauer-Baustelle Schulreform sinn-stiftend und zukunfts-gestaltend herauskommen möchte, der muss diese überkommenen Zweck-Bestimmungen nun endlich und endgültig hinter sich lassen, muss neue Ziele setzen, muss neue Visionen leben.  Insbesondere die Selektions-Funktion von Schule, die diese wie ein Krebsgeschwür mit Metastasen durchsetzt, ist zu überwinden.

Ich empfehle drei neue, neuen Grund legende Funktionsbestimmungen von Schule. Schule hat drei gesellschaftliche Haupt-Funktionen:
•  das Zusammenleben zu lernen;
•  Lernen als gute Erfahrung erleben zu lassen;
•  zukunftsgestaltendes Können sich anzueignen.

Warum? Vom gelingenden Zusammen-Leben hängt sowohl der individuelle wie auch der welt-gesellschaftliche Frieden ab. – Nur wer Lernen als prinzipiell gute Erfahrung erlebt, wird lebenslang lernen wollen. – Die nachwachsenden Generationen leben länger in der Zukunft als in der Vergangenheit. Darum ist z. B. ein problemorientierter Lern- und Aktionsbereich future studies zu schaffen.

Die Evangelische Akademie Loccum habe ich immer wieder als einen Bildungsort in diesem Geist erlebt. Deswegen bin ich seit „ewig“ ein Freund und Förderer – und werde es auch bleiben

Otto Herz ist Reformpädagoge, Psychologe und Autor zahlreicher pädagogischer Bücher. Als Mitarbeiter von Hartmut von Hentig baute er die Laborschule und das Oberstufen-Kolleg an der Universität Bielefeld auf und war Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)

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