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Ulrich Heublein

Stellvertretender Arbeitsbereichsleiter Studierendenforschung im Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Hannover
in: Forum Loccum Nr. 4/Dezember 2015
Foto: DZHW

Mathematik – Notstand?
Studienabbrüche in den MINT-Fächern

Die mangelnde Korrespondenz zwischen der schulischen Phase und der Hochschulausbildung in den MINT-Studiengängen, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist seit über zwanzig Jahren bekannt. In unserem Institut befassen wir uns seit Jahren mit Ursachen und Wirkungen dieser mangelnden Korrespondenz und den Folgen, die dann zu einem Studienabbruch führen.

In unserer Untersuchung von 2008/2009 mussten wir feststellen, dass 39 Prozent der Studienanfänger in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften ihr Bachelor-Studium an Universitäten nicht zu Ende führen; in den Ingenieurwissenschaften waren es 36 Prozent. In der Regel haben wir überdurchschnittliche Abbrecherquoten in all den Studienbereichen, die stark mathematikbasiert sind.

An den Fachhochschulen sieht es nicht besser aus. Mit der Umstellung auf das Bachelor-Studium wurde bislang nur erreicht, dass in den MINT-Fächern dort der Studienabbruch ähnlich hoch ist wie an den Universitäten. Das war vorher anders. 

Im Master-Studium haben wir vergleichweise niedrigere Anteile, das heißt, das Bachelor-Studium funktioniert als Selektionseinrichtung.

Sind die Studierenden durch ihre schulische Vorbildung genügend gerüstet für das Studium? Gelingt es den Hochschulen, die Studierenden, die studienbefähigt und studienmotiviert sind, zum Studienerfolg zu führen? Darüber wissen wir noch zu wenig. Durch unsere Forschungen weiß ich aber, dass wir sehr viele Menschen verlieren, die eigentlich studienbefähigt wären. Dass sie das nicht sind, hat etwas damit zu tun, wie wir Übergänge organisieren, hat damit etwas zu tun, auch wie wir die Curricula in diesen Fächern gestalten.

Hinzu kommen viele Aspekte, die einen Studienabbruch mit verursachen. Die Probleme fangen beispielsweise bereits mit der Studienentscheidung an. Viele junge Menschen wissen nicht, warum sie das studieren, was sie studieren. Sie haben keine positive Begründung dafür.

Auch spielt nach wie vor die soziale Herkunft in Deutschland eine Rolle, nicht nur der Migrationshintergrund, sondern auch ganz bestimmte Herkunftskulturen. Wir sind davon überzeugt, dass unser Hochschulsystem nach ganz bestimmten Persönlichkeitseigenschaften verlangt. Studienbewerber, die stressresistent, nach außen gerichtet, gut kommunizieren und sich selbst aktivieren können, haben es leichter.

Der Studierende muss begleitet und betreut werden. Er muss informiert sein und es muss mit ihm zusammen daran gearbeitet werden, fachliche Defizite, die möglicherweise aus der schulischen Vorbildung resultieren, abzubauen.

Dafür gibt es vielfältige Unterstützungsangebote. Die Studierenden müssen diese aktiv ergreifen. Und Aufgabe der Hochschule ist es, die Studierenden zu einem eigenaktiven Studieren zu führen.

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