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Foto Hans-Jörg Jacobsen

Prof. Dr. Hans-Jörg Jacobsen

Professor für Molekulargenetik an der Universität Hannover und Präsident des Verbandes deutscher Biologen e.V. - vdbiol.
in: Forum Loccum Nr. 2/Mai 2001

Eigentlich ist es erschütternd: Nach einer aktuellen Studie fühlen sich nur zwei Prozent der deutschen Bevölkerung über die Gentechnik informiert und kompetent, mehr als 44 Prozent sind dagegen der Ansicht, dass unsere Nahrung "Gen-frei" sei. Dabei sollte man annehmen, dass die meisten Mitbürger irgendwann einmal in der Schule etwas von Biologie gehört haben sollten. Oder ist ihnen ein falsches Bild von der Biologie vermittelt worden? Falls ja, dann muss dies umgehend korrigiert werden.

Wenn man bedenkt, wie weit die Gentechnik in alle Bereichen unserer Gesellschaft hineinwirkt, welche ethischen Probleme die moderne Biologie aufwirft, dann fragt man sich unweigerlich, wie unsere demokratische Gesellschaft auf einer derartig schmalen und uninformierten Basis weitreichende Entscheidungen treffen will. Ein sachgerechter öffentlicher Diskurs erscheint somit in Frage gestellt und einseitigen ideologisch begründeten Festlegungen sind Tür und Tor geöffnet (oder: "Wenn die Gesinnung die Musik bestellt, ist der Verstand in der Trompete"). 

Vor diesem Hintergrund ist die Initiative des BMB+F zum "Jahr der Lebenswissenschaften" überaus geeignet, den Anstoß dafür zu geben, dass sich mehr Laien mit den Fragen und Implikationen der modernen Biologie auseinander setzen. Die ersten Veranstaltungen zeigen, dass dies ankommt: Neue Kommunikationsformen und Beispiele "Gentechnik zum Anfassen" belegen, dass das Interesse der Öffentlichkeit groß ist, sich zu informieren. Wer einmal in der "DNA-Küche" mit einfachen Methoden die Erbsubstanz aus Früchten isoliert hat und sie im Reagenzglas mit nach Hause trägt, wird nicht mehr auf die Horrorszenarios hereinfallen, und wer erlebt hat, wie offen sich Wissenschaftler im Gespräch äußern, wird neues Vertrauen in die Kompetenz von Wissenschaft gewinnen. 

Zu wünschen ist allerdings, dass diese Initiative nicht auf dieses Jahr beschränkt bleibt, sondern fortgesetzt wird, denn der Bedarf nach sachgerechter Information ist riesengroß (s.o.).

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