Fotocollage
Kontakt | Impressum | Datenschutz | Sitemap | Suchen | Home | 

Forum Loccum > Angemerkt > Christian Lammert

Foto Christian Lammert

Christian Lammert

Professor für Politische Wissenschaften am John-F.-Kennedy-Institut der Freien Universität Berlin
in: Forum Loccum Nr. 3/September 2016

Foto: Harald Wenzel

US-Präsidentschaftswahl: Trump gegen Clinton

Am 8. November entscheiden die US-Wähler darüber, wer die kommenden vier Jahre im Weißen Haus die Geschicke der USA leiten soll. Es könnte zum zweiten Mal nach 2008 eine historische Wahl werden; damals zog Barack Obama als erster Schwarzer ins Weiße Haus ein, jetzt könnte erstmals eine Frau Präsidentin der Vereinigten Staaten von Amerika werden: Hillary Clinton.

Im Mittelpunkt des Medieninteresses steht allerdings ihr Herausforderer: der Immobilienmogul und Wirtschaftsmann Donald Trump. Niemand hatte damit gerechnet, dass er den Vorwahlkampf der Republikanischen Partei gewinnen könne, und nun reibt man sich verwundert die Augen über den Wahlkampfstil von Donald Trump.

Der Erfolg von Trump, aber auch das erfolgreiche Abschneiden von Bernie Sanders im Vorwahlkampf der Demokraten zeigen, dass die US-Bürger mit der Politik in den USA unzufrieden sind. Sie haben viel Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der etablierten politischen Eliten verloren.

Der 2008 von Obama versprochene Wandel ist nur begrenzt eingetreten. Trotz allgemeiner wirtschaftlicher Erholung ist die Verteilung von Einkommen und Wohlstand so ungleich wie seit den 1920er Jahren nicht mehr.

Immer mehr Menschen leben seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 unter der Armutsgrenze, während auf der Wall Street wieder die Champagnerkorken knallen. Dies bereitet den Boden für Populisten, die mit den Ängsten und Vorurteilen der Bürger spielen und sich als Heilsbringer präsentieren.

Zugleich nimmt der Einfluss des großen Geldes in der Politik zu. Lobbyisten und Interessengruppen positionieren sich immer besser im politischen System, und die Interessen der Mittel- und Unterschichten werden kaum mehr repräsentiert. Der laufende Wahlkampf wird wohl nicht nur der teuerste in der Geschichte der USA, sondern auch der negativste.

Attacken auf den politischen Gegner stehen im Zentrum und nicht Politikinhalte. So mancher Beobachter reagiert mit Zynismus auf diese Entwicklungen in den USA.

Kurz vor der US-Präsidentschaftswahl findet alle vier Jahre an der Evangelischen Akademie eine Schülertagung statt, auf der ein Planspiel zu eben jener Wahl organisiert und durchgeführt wird. In diesem Jahr zeigten die Schüler auch ein feines Gespür für diese Muster und Entwicklungen der US-Politik.

Erfreulicherweise dominierten in ihrem Spiel aber immer noch Optimismus und Kooperation. Und auch der Spaß an der (simulierten) Politik kam nicht zu kurz, der so manchem US-Wähler bereits abhanden gekommen zu sein scheint.

Dr. Christian Lammert ist Professor für Politische Wissenschaften am John-F.- Kennedy-Institut für Nordamerikastudien der Freien Universität Berlin. Er nahm Anfang August als Referent an der Schülertagung „After Obama“  in Loccum teil.

Pfeil zurück      •  © 2016 by Evangelische Akademie Loccum  •  eal@evlka.de  •  Seite drucken  •         Pfeil nach oben