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Foto Ulrich Lilie

Pfarrer Ulrich Lilie
Präsident der Diakonie Deutschland
In: Forum Loccum Nr. 4/ Dezember 2015

Foto: Hermann Bredehorst

Für ein neues, menschenfreundliches Bild des Älterwerdens

Besonders zu Weihnachten und zum Jahreswechsel begegnen sie uns wieder im Film, im Fernsehen, in den Printmedien und in der Werbung: junge und schöne Menschen in harmonischer Umgebung. Wer das, was er da sieht, als Maßstab an sich und sein Leben anlegt, hat schon die Bescherung: Vor allem dann, wenn diese Bilder suggerieren, dass die Äußerlichkeiten über persönliches Glück und Unglück entscheiden.

Wer jung und schlank ist, ist nicht nur schön und attraktiv, sondern auch dynamisch und erfolgreich im Beruf und im Privatleben — so machen es uns die Medien glauben. Es gibt nicht nur mehr prominente Gegenbeispiele als Beispiele. Diese schöne Welt des Scheins hat auch fatale Folgen. Denn diese Bilder setzen uns – ob jung oder alt – unter Zugzwang.

Wie einzelne und die Gesellschaft mit dem Altern umgehen, wird von vermittelten Altersbildern wesentlich mitbestimmt. Altersbilder haben großen Einfluss sowohl auf die Verwirklichung von Entwicklungsmöglichkeiten im Alter als auch auf den Umgang mit Grenzen im Alter.

Die Zukunft des Alters wird in erheblichem Maße von medialen Altersbildern geprägt. Und auch hier gilt: Die in unserer Gesellschaft dominierenden Altersbilder werden der Vielfalt des Alters oftmals nicht gerecht.

Gegen den Monopolanspruch des vermittelten olympischen Bildes vom Menschen ist ein neues, realistischeres und menschenfreundlicheres Lebensbild des Älterwerdens – auch vor uns selbst – dringend nötig.

Am 26. März 2009 ist in Deutschland die EU-Behindertenkonvention in Kraft getreten und hat eine breite Debatte über die Teilhabe-Möglichkeiten von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen am gesellschaftlichen und kirchlichen Leben angestoßen. Kommunen, Bildungsträger, Diakonie und Kirche machen sich Gedanken, was wir zu solcher Teilhabe beitragen können. Vielleicht stellt uns die Einbeziehung unserer gebrechlichen Alten und Verwirrten dabei vor die größten Herausforderungen.

Wir zahlen einen hohen Preis, wenn wir diese Seite unseres Lebens verleugnen und tabuisieren, weil gebräunter Teint und straffe Haut eben keine wirklich tragende Antwort auf die Herausforderungen des Älterwerdens sind. Und erst recht zahlen die scheinbar anderen, unsere Alten, einen hohen Tribut.

Es gibt gute Gründe, Menschen und eine Gemeinschaft, die sich zunehmend ein Leben lang beim Blick in den Spiegel belügen und sich um das Eingeständnis ihrer eigenen Begrenztheit und um die Erfahrung von Älterwerden und Schwäche herumdrücken, zu fürchten. Denn manchen fällt dann wirklich nur noch die Sterbehilfe als Antwort auf die Erfahrung des Alterns und Verwirrtwerdens ein.

Es wird allerhöchste Zeit, dass sich in der aktuellen Debatte um den assistierten Suizid der Scheinwerfer der medialen und öffentlichen Debatte endlich auf unsere Alten und ihr Schicksal richtet! Sie werden jeden Tag mehr, und bis wir selbst dazu gehören, ist nur eine Frage der Zeit!

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