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Foto Christine M. Merkel

Christine M. Merkel

Referentin für Kultur und Kommunikation/Information der Deutschen UNESCO-Kommission e.V.
in: Forum Loccum Nr. 4/November 2002

Am 22. Oktober 2002 begann in Hamburg der weltweit erste Prozess zu den Anschlägen vom 11. September 2001. Die Anklage: Beihilfe zum über 3000-fachen Mord. Angeklagt: Ein junger Mann, in Deutschland zum modernen Techniker ausgebildet. Mindestens eine Fremdsprache - Deutsch - spricht er fließend. Er bezeichnet sich als gläubig. Zur Ertüchtigung hat er eine Schießausbildung absolviert.

Keine Bekennerschreiben, keine Forderungen: Das ist bislang die sprachlose Situation seit dem 11. September. Eine ernüchternde Erkenntnis: Es ist für Einzelne möglich, jahrelang in Europa zu leben, ohne dass dies den geistigen Sprengstoff in den Köpfen entschärft, die weder das eigene Leben noch das anderer Menschen respektieren. Was bedeutet dies für das Zusammenleben in mehrfachen kulturellen Identitäten, für die Zukunft von Rechtsstaatlichkeit und internationaler Rechtsordnung?

Ärztinnen und Juristinnen haben seit Jahren in Pakistan Hunderte von Gesprächen mit der Geistlichkeit und Justizverantwortlichen geführt. Das Ziel: Der Verstümmelung von Menschen unter Berufung auf Ehrenkodex und Sharia Einhalt gebieten. Es gibt keine Zahlen, wie viele dadurch nicht Teil der Statistik von Gefolterten, Getöteten, Verschwundenen geworden sind.

Diese lebensbejahende Veränderung des Verhältnisses von säkularer Ordnung und religiösem Glauben steht auf der Tagesordnung. Das Goethe-Hafis-Denkmal in Weimar zeigt zwei Stühle mit freien Sitzflächen, einander zugewandt: Ein Gesprächsangebot Dialogrituale sind verzichtbar, echte Gespräche und Zusammenarbeit sowohl nötiger als auch schwieriger denn je. Hoffnung durch Ernüchterung. Zeit, Tacheles zu reden.

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