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Forum Loccum > Angemerkt > Armash Nalbandian

Foto Michael Müller

Armash Nalbandian

Bischof der armenisch-orthodoxen Diözese von Damaskus
in: Forum Loccum Nr. 2/Mai 2015

Und es ward 2015 ...

Wir begehen in diesem Jahr den 100. Jahrestag des Genozids an den Armeniern durch die osmanische Türkei. Vor 100 Jahren, am 24. April 1915, begann der Genozid an den Armeniern, begann auch die systematische Verfolgung und Tötung anderer christlichen Minderheiten, wie der Syrer, Griechen, Chaldäer ...

Anlässlich des 100. Gedenktages des Genozids forderte das Europäische Parlament in seinem diesjährigen Menschenrechtsreport (am 13. März 2015) die Mitgliedsstaaten offiziell auf, den Genozid an den Armeniern anzuerkennen und einen Beitrag zum weiteren Anerkennungsprozess zu leisten. In Deutschland brach eine breite, öffentliche Debatte aus, aber diesmal wurde auch das G-Wort verwendet: nämlich, Genozid.

Den Massakern und Deportationen fielen bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Auch Deutschland ist in diesen Genozid verstrickt. Aus kriegspolitischen Gründen wurde geschwiegen und nicht gehandelt.

In diesem Jahr kam es zu einem Umdenken in Deutschland. Zu diesem Umdenken haben die Kirchen einen wichtigen Beitrag geleistet. Vor dem Gedenktag im Bundestag zum Genozid an den Armeniern gab es Streit darum, ob von einem Völkermord gesprochen werden muss. In dieser Debatte hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) für eine klare Benennung als Völkermord plädiert. Die Zeit sei reif dafür, dass Deutschland bei den Gräueltaten zu einer klaren Sprache finde.

Die Leugnung des Genozids lastete wie ein zweiter Genozid auf dem armenischen Volk und der armenischen Kirche. Die Folgen des Völkermordes haben auch danach (und bis heute) die Überlebenden traumatisiert. Durch die Heiligsprechung der Genozidopfers am 23. April 2015, anlässlich des 100. Gedenktag des Volkermordes, hat die armenische Kirche einen neuen Weg eingeschlagen zur Überwindung des Schmerzes und der Aufarbeitung des Genozids. Unsere Verantwortung besteht darin, das Gedächtnis an die Ermordeten wach zu halten und ihnen in christlicher Gemeinschaft nahe zu sein.

Der Völkermord an den Armeniern ist eine Mahnung, die auch an die heutigen Opfer von Verfolgung, Vertreibung, Flucht und Ermordung erinnert. Heute werden wieder Christen in der Region, im Irak und in Syrien verfolgt und ermordet, aber auch Jesiden und andere Minderheiten.

Mit Syrien verbinden die dort lebenden Mitglieder der armenischen Gemeinde in Syrien eine fast hundertjährige tragische Geschichte. Aleppo und die nahegelegene Wüste Deir El-Zor waren die wesentlichen Vernichtungsorte des vom jungtürkischen Triumvirat um Talaa t Pascha betriebenen Völkermords an den Armeniern. Damaskus und Aleppo wurden danach aber auch Stätte des Neuaufbaus, der kulturellen Wiedergeburt als Diaspora-Gemeinden.

Nach mehr als vier Jahren Unruhen in Syrien hat auch die armenische Gemeinde in Syrien viele Opfer zu beklagen. Durch das Bombardement wurden Kirchen, Schulen und Stadtviertel zerstört, wodurch die Armenier zur eine erneute Flucht ins Ungewisse gezwungen worden sind.

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