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Gregor Terbuyken

Ehemaliger Rektor/Präsident der Ev. Fachhochschule Hannover und von 2008 bis 2010 Studienleiter an der Ev. Akademie Loccum
in: Forum Loccum Nr. 2/Juni 2016

Inklusion ist keine pädagogische, sondern eine politische Aufgabe!

In den skandinavischen Ländern wurde Inklusion – noch unter der Überschrift „Normalisierungsprinzip“ – schon früh als sozialpolitische Handlungsorientierung durchgesetzt; in Dänemark von Bank-Mikkelsen (50er Jahre), in Schweden von Nirje (60er Jahre). Bank-Mikkelsen und Nirje waren Akteure in relevanten sozialpolitischen Institutionen und initiierten die Reform von oben.

In der BRD entwickelte sich die gesellschaftliche und politische Diskussion über Inklusion erst 2009 mit der Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention – insbesondere im Bildungssystem. Dort wurde in den Bundesländern, so auch in Niedersachsen, die inklusive Schule im Bildungssystem festgeschrieben mit Abschaffung/Reduzierung der Förderschulen, Veränderung der Rolle der Förderschullehrer/innen, Veränderungen in der Lehrerbildung.

Die Auseinandersetzung mit dem Elternwillen, der an vielen Stellen am überkommenen System des aussondernden Förderschulwesens festhalten wollte, bestimmt die Diskussion bis heute.

Inklusion meint aber mehr als Bildungspolitik, sie verlangt die Schaffung eines inklusiven Sozialraums als gesellschaftliche, vor allem kommunale Aufgabe.

Warum ist kommunale Verantwortung  wichtig? Inklusion ist immer konkret – nicht abstrakter Gesetzestext. Konkret heißt, dort wo die Menschen miteinander leben, also in der Kommune (Stadt bis Dorf). Sozialwissenschaftlich nennen wir das, wenn nicht die Gebäude, Infrastruktur usw. gemeint sind: Sozialraum.

Inklusive Sozialräume sind gleichermaßen individuelle Lebensräume der Menschen und strategische Handlungsräume der Kommunalpolitik mit einer inklusiven Zielrichtung. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass das selbstbestimmte und gemeinschaftliche Leben aller Menschen ermöglicht werden soll.

Um einen solchen inklusiven Sozialraum möglich zu machen, braucht es neben den Rahmenbedingungen und Ressourcen, die Bundes- und Landespolitik zur Verfügung stellen müssen, ein inklusives Umfeld, eine Nachbarschaft, ein Quartier im umfassenden Sinne, das Inklusion ermöglicht.

Es braucht Kultursensibilität in allen Lebensbereichen. Es braucht Barrierefreiheit der Wohnung, des Hauses, der Wege, des öffentlichen Personennahverkehrs, der Geschäfte, der Banken, der Post, der Arztpraxen und anderer Gesundheitsdienste, des Arbeitsplatzes, des Bildungsbereichs (Kita, Schulen, Hochschulen etc.), der Freizeitangebote, der Kirchen, der kulturellen Einrichtungen, des Sports, der Politik etc.

Es braucht aber auch Beratungs- und Unterstützungsleistungen, Treffpunkte und Netzwerke, damit Menschen Sicherheit und Geborgenheit erleben, und es braucht – vielleicht am allerwichtigsten – eine gegenseitige Wertschätzung aller Menschen mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten und Einschränkungen.

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