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Johanna Wanka

Bundesministerin für Bildung und Forschung
in: Forum Loccum Nr. 2/Juni 2013

Duales Ausbildungssystem mit hoher Integrationskraft

Die Situation auf dem Ausbildungsmarkt ist weiterhin gut. Mit 551.272 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen war – insbesondere demografisch bedingt – ein leichter Rückgang um 3,2 Prozent zu verzeichnen. Dem stand allerdings die Rekordzahl von 33.275 noch offenen betrieblichen Ausbildungsplätzen gegenüber – und damit mehr als doppelt so vielen Ausbildungsplatzangeboten wie unversorgten Bewerbern.

Besonders erfreulich ist die sinkende Zahl von Altbewerbern sowie die Reduktion des Übergangsbereichs. Diese Entwicklung zeigt: Das duale System hat eine hohe Integrationskraft. Das zeigt der Berufsbildungsbericht 2013, den das Bundeskabinett Mitte Mai beschlossen hat. Verglichen mit 2011 ist die Zahl der Bewerber, die sich bereits ein oder zwei Jahre vor dem Berichtsjahr um eine Ausbildung beworben haben, um gut 5.500 gesunken. Die Zahl der Anfänger im Übergangsbereich konnte um sechseinhalb Prozent reduziert werden.

Nach wie vor sehe ich aber Handlungsbedarf. So konnten 33.275 Ausbildungsstellen nicht besetzt werden – deutlich mehr als in den Vorjahren. Gleichzeitig gibt es immer noch zu viele Jugendliche, denen der Übergang in Ausbildung nicht unmittelbar gelingt. Auch diese Jugendlichen werden gebraucht, um den Fachkräftenachwuchs in Deutschland langfristig zu sichern. Das BMBF-Programm Jobstarter, das fachliche Innovationen und Strukturverbesserun­gen in der beruflichen Ausbildung fördert, wird deshalb ab 2014 unter anderem einen Schwerpunkt auf das verbesserte Mat­ching von Ausbildungsbewerbern und besonders Klein- und Mittelbetrieben set­zen, die zunehmend Schwierigkeiten bei der Besetzung ihrer Ausbildungsplätze haben.

Um die Attraktivität der beruflichen Bildung zu steigern und weitere Potenziale für sie zu erschließen, plant das BMBF, die Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung weiter zu verbessern. Beratungs- und Informationsangebote sollen den Übergang zwischen beiden Systemen erleichtern; erbrachte Lernleistungen sollen bei einem Wechsel leichter anerkannt werden. Davon profitieren insbesondere Studienabbrecher, die häufig während ihres Studiums bereits Teile ihres theoretischen Ausbildungspensums absolviert haben. Es ist ein Gebot der Gerechtigkeit, dass Vorkenntnisse zählen. Und im Zeichen des demografischen Wandels ist es auch ein Gebot der ökonomischen Vernunft, dass wir entsprechende Möglichkeiten schaffen.

Mein Dank gilt den Betrieben für ihr Engagement in der Ausbildung. Dieses Engagement muss auch künftig auf hohem Niveau gehalten und ausgebaut werden. Das positive Abschneiden Deutschlands in den jüngsten Veröffentlichungen zur Jugendarbeitslosenquote im europäischen Vergleich (auch im März 2013 verfügt Deutschland laut EUROSTAT mit 7,6 Prozent über die niedrigste Jugendarbeitslosenquote) ist ein eindrucksvoller Beleg für die große Bedeutung der dualen Berufsausbildung für Wirtschaft und Gesellschaft.

Prof. Dr. Johanna Wanka ist seit Februar 2013 Bundesministerin für Bildung und Forschung. Im November 2012 nahm sie als niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur an der Loccumer Tagung zu Entwicklungsperspektiven von Hochschulen im norddeutschen Raum teil.

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