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Afrika-Projekt

Pfeil nach rechts 23. bis 25. Juni 2000
Aus Verzweiflung Hoffnung werden lassen
Die afrikanische Krise überwinden
Pfeil nach rechts Programm der Tagung

Impressionen
Foto Afrika-Tagung

(vlnr.) Prof. Dr. Bade Onimonde, University of Ibadan, Nigeria; Prof. Dr. Peter Anyang Nyongo, Mitglied des kenyanischen Parlamentes (Social Democratic Party), Nairobi, Kenya; Dr. Yves E. Amaizo, UNIDO, Wien

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(vlnr.): Dr. Rasheed Akinyemi, Institut für internationale Politik, Universität Wien; Dr. Yves E. Amaizo, UNIDO, Wien; Prof. Dr. Bade Onimonde, University of Ibadan, Nigeria

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(vlnr.): Miraji Othman, Deutsche Welle, Köln; Dr. Bazaara Nyangabyaki, Direktor Centre for Basic Research, Kampala, Uganda, Bischof Barnabas Wambugu, Nairobi, Kenya

Foto Afrika-Tagung

Lawford Imunde aus Nairobi, Kenya, Gaststudienleiter an der Evangelischen Akademie Loccum und Tagungsleiter der internationalen Konferenz

Foto Afrika-Tagung

(vlnr.); Prof. Dr. Yashpal Tandon, International South Group Network, Harare, Zimbabwe; Lawford Imunde, Marina Ottaway, Carnegie Endowment for International Peace, Washington, USA

"Afrika ist ein hoffnungsloser Fall", urteilte im April die angesehene britische Wirtschaftszeitschrift "The Economist" in ihrer Titelgeschichte über den südlichen Nachbarkontinent Europas. Auch in den bundesdeutschen Medien herrschen Bilder von Bürgerkriegen, Hunger- und Naturkatastrophen, von Armut und Analphabetismus in der Berichterstattung über Afrika vor.

Um die deutschen und europäischen Wahrnehmungen über Afrika zu schärfen und die Ursachen der afrikanischen Krise nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, hat die Evangelische Akademie Loccum eine auf drei Jahre angelegte Veranstaltungsreihe zu Fragen der afrikanisch-europäischen Beziehungen gestartet. Den Auftakt machte am Wochenende eine internationale Tagung mit über 80 Expertinnen und Experten.

Die Probleme des Kontinents sind in der Tat gravierend. Hunger, AIDS, politische Instabilität in vielen Ländern und hohe Auslandsverschuldungen nähren eher Verzweiflung und lassen Hoffnungen schwinden. Trotz eines weltweiten Einsatzes von jährlich vier Mrd. US-Dollar an humanitärer und technischer Hilfe sinkt das Pro-Kopf-Einkommen und gehen die Bruttozialprodukte vieler Länder Afrikas zurück. Der Anteil am Welthandel des Kontinents liegt immer noch unter zwei Prozent. Der Anteil der Bevölkerung, die unter der Armutsgrenze existieren muss, ist in den letzten zehn Jahren von 25 auf 30 Prozent gestiegen.

Ein großes Problem ist auch der sogenannte "brain drain", also die ständige Abwanderung qualifizierter Experten in die Industrieländer des Nordens. Schätzungen gehen davon aus, dass Afrika auf diese Weise jährlich 200 000 Menschen verliert. Dafür schicken dann die Industrieländer ca. 300 000 Experten jährlich nach Afrika.

Zur Lösung der Probleme gibt es aber kein einheitliches Modell. Bazaara Nyangabyaki, Direktor des Zentrums für Grundlagenforschung in Kampala, verwies auf die geographische, kulturelle, politische und soziale Vielfalt des Kontinents, der Rechnung getragen werden müsse. Die alten Strukturen des Kolonialismus seien noch immer wirksam. Durchgreifende Landreformen fehlten ebenso wie verlässliche demokratische Strukturen. "Wenn sich der Staatshaushalt in Uganda hauptsächlich aus internationalen Krediten und Spenden und kaum aus eigenem Steueraufkommen zusammensetzt, dann muss sich die Exekutive auch nicht politisch rechtfertigen." Die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank durchgeführten Strukturprograme würden wie Medizin verabreicht und unterliefen damit jede politische Stabilität. "Wir müssen unsere Souveränität wiedergewinnen und die Verantwortung für die Krise selbst übernehmen", fordert Nyangabyaki.

Hart ins Gericht mit den internationalen Organisationen ging auch Yasphal Tandon, Vorsitzender der Nichtregierungsorganisation "International South Group Network" aus Harare. "Wenn irgendwo auf der Welt über Afrika verhandelt wird, ist Afrika abwesend. Bei der Bewältigung der Probleme betrachten die Industrienationen Afrika immer noch als Objekt und nicht als Subjekt", beklagt Tandon, der als Mitglied der offiziellen Regierungsdelegation Zimbabwes an den Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) in Seattle im letzten Herbst teilgenommen hat. Nur über eine gleichberechtigte Beteiligung bei internationalen Abkommen sei der Krise beizukommen. "Die Afrikaner müssen ihr Haus selbst in Ordnung bringen, sie müssen sich aber auch Entscheidungen von Weltbank, des IWF und der WTO dort widersetzen, wo sie ihren Interessen zuwiderlaufen." Nachdrücklich warnte Tandon davor, sich von der glatten Oberfläche der Entwicklungspolitik der Industrienationen täuschen zu lassen und die zähen Verhandlungen um jeden Zentimeter eigener Interessen zu übersehen.

Roger Fischer, im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit zuständig für afrikanische Grundsatzfragen, sieht hier ein Umdenken bei den Geberländern in Gang gesetzt. "Die Menschen Afrikas müssen selbst über ihre Agenda entscheiden können. Wir setzen auf Partizipation." Auch Fischer hielt ein weiteres Wachstum der Natioaleinkommen der afrikanischen Länder ohne einen umfassenden Schuldenerlass für undenkbar.

Angesichts des Schuldenstandes der afrikanischen Länder von gegenwärtig 70 Mrd. US-Dollar ging Bade Onimunde, Professor an der Universität Ibadan in Nigeria, noch einen Schritt weiter. Er forderte die Bundesregierung auf, ihren politischen und ökonomischen Einfluss innerhalb der EU und der internationalen Organisationen einzusetzen, die Schulden der Länder Afrikas als Rückerstattung für die koloniale Ausplünderung einzusetzen.

Lawford Imunde, Theologe und Soziologe aus Nairobi und Leiter des Afrika-Projektes an der Evangelischen Akademie Loccum, führt die Veranstaltungsreihe Ende Oktober mit einer Tagung zur politischen Konfliktlösung und Friedenssicherung fort.

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