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Texte & Materialien > Internationale Politik > Deutsch-Polnische Verständigung

Polen und Deutschland am Vorabend des EU-Beitrittes

Pfeil nach rechts 29. November bis 1. Dezember 2002
Wechselwirkungen
Die deutsch-polnischen Beziehungen im zukünftigen Europa

Tagung in Kooperation mit der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung

Pfeil nach rechts Programm der Tagung
Pfeil nach rechts Program konferencji po polsku
Pfeil nach rechts Die Tagungsdokumentation: Loccumer Protokoll Nr. 72/02

Malgorzata Matzke
Deutsche Welle Köln, Redaktion Polen, 4. Dezember 2002
Transmisja radiowa po polsku (4:14 min) OTON: mp3-Audio-Datei >

Impressionen
Foto: Janusz Reiter und Dieter Bingen

Janusz Reiter (l.), Botschafter a. D, Direktor des Warschauer Zentrums für Internationale Beziehungen, Dr. Dieter Bingen (r.) Direktor des Deutschen Polen-Instituts, Darmstadt

Foto: Klaus Eberhard, VW

Klaus Eberhardt (l.), Vorstandsvorsitzender VW, Poznan, im GesprŠch mit Wolfgang Kapust, WDR

Foto: Andrzej Grzyb

Andrzej Grzyb, Mitglied des Sejm, PSL, stv. Vorsitzender der Europa-Kommission des Sejm

Foto: Cesary Krol

Prof. Dr. Cesary Król, Wissenschaftliches Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Berlin

Foto: Jacek Lepiarz

Jacek Lepiarz, Korrespondent der polnischen Nachrichtenagentur PAP in Berlin, und Yvonne Holl von der Frankfurter Rundschau

Foto: Piotr Lysakowski

Dr. Piotr Lysakowski, Geschäftsführer des Polnisch-Deutschen Jugendwerkes in Warschau

Foto: Jan Rzymelka

Jan Rzymelka (r.), Mitglied des Sejm, PO, und stv. Vorsitzender der Polnisch-Deutschen Parlamentariergruppe, im Gespräch mit Prof. Andreas Nowak (l.) von der Fachhochschule Hannover.

Foto: Wolfgang Schlott

Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen

Foto: Angelica Schwall-Dueren

Dr. Angelica Schwall-Düren (l.), MdB SPD und Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Bundesverband e.V., Berlin

Foto: Krzsztof Wojciechowski

Dr. Krzysztof Wojciechowski, Direktor des Collegium Polonicum, Slubice/Frankfurt (Oder) im Gespräch mit Tagungsgästen

Wolfgang Kapust
WDR 5, 14. Dezember 2002

Für Polen und Deutschland hat der Zweite Weltkrieg ein schweres Erbe hinterlassen. Die Trennung in zwei gegensätzliche Blöcke hat die Schaffung von neuem Vertauen lange behindert. Das deutsch-polnische Verhältnis könne jetzt nicht mehr mit der Vergangenheit begründet werden, meint Janusz Reiter. Nach dem Fall der Mauer war er Polens Botschafter in Deutschland und ist nun Direktor des Zentrums für Internationale Beziehungen in Warschau. Auch Polen wird demnächst Mitglied der Europäischen Union sein, in der NATO ist es bereits, und damit seien beide Länder zwar Teile einer größeren Gemeinschaft, aber trotzdem weiterhin aufeinander angewiesen.

Janusz Reiter: "Deutschland ist und Deutschland bleibt hoffentlich auch in der Europäischen Union nach der Erweiterung ein Verbündeter Polens in vielen wichtigen vor allem langfristigen Fragen. Das schließt unterschiedliche Interessen zwischen Polen und Deutschland in vielen Einzelfragen nicht aus. Wir werden auch lernen müssen, bei der Übereinstimmung und bei dem langfristigen Bündnis in Europa für langfristige Ziele mit Interessenunterschieden zurechtkommen zu müssen. Das eine widerspricht dem anderen nicht, das gehört zur europäischen Realität."

Die Identität Polens und Deutschlands ist durch die gemeinsame Geschichte geprägt. Dennoch sollte diese Geschichte aber nicht der Hauptfaktor sein. Dafür plädiert Christoph Kleßmann, Professor am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam:

"Ja, die Kenntnis der beiderseitigen Geschichte ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung, man sollte das auch nicht überbewerten. Es gibt einfach auch in der politischen Großwetterlage begünstigende Faktoren, die es jetzt erleichtern, den deutsch-polnischen Kontakt herzustellen. Ansonsten, was die Geschichte betrifft, scheint mir eben wichtig, dass man auch unter Jugendlichen, die davon eben wenig wissen, diese beiden Elemente, diese zweifellos massiven und besonders ausgeprägten Belastungen im deutsch-polnischen Verhältnis einerseits, zum anderen aber auch die Phasen der relativen Normalität und die Chancen, die sich eben aus dem Interesse beider Völker ergeben haben, dass man dies beides gewichtet und nicht nur versucht, aus der einen Linie quasi die Identität zu definieren."

Ähnlich sieht dies Prof. Eugeniusz Król, der an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin arbeitet: "Da muss man differenzieren. Andere Bedeutung hat die Geschichte für die ältere Generation, für die mittlere Generation, auch für die Jugend. Für die Jugend ist wichtiger, wahrscheinlich, und zwar viel wichtiger Beschaffung der Arbeitsplätze im Westen, Vorbereitung für den Beitritt Polens zur EU, neue Chancen für die berufliche Entwicklung und so weiter. Geschichte spielt in diesem Zusammenhang eine zweit- oder drittrangige Rolle, es sei denn, es handelt sich um die Fanatiker der Geschichte."

Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und Polen sind bedeutend, auch wenn Polen noch nicht Mitglied der EU ist. Zum Beispiel in der Automobilindustrie. Der Volkswagen-Konzern hat in Poznan ein Werk errichtet, bisher wurden dort jährlich 75.000 Autos gebaut, künftig sollen es bis zu 155.000 sein. Klaus Eberhardt, in Posen ehemaliger Vorstandsvorsitzender von VW: "Wir haben mit Volkswagen Poznan in Posen sehr viele Erfolge gehabt, wir bauen dort gute Autos, aber wir wissen, dass der EU-Beitritt kommt, und wir haben uns darauf eingerichtet. Die Fabrik wird umgerüstet, um Produkte zu fertigen, die dann auch bei geöffneten Grenzen konkurrenzfähig geliefert werden können. Wir wollen die Ostmärkte beliefern, aber wir werden in Polen ein Produkt bauen, was auch in den Westen exportiert wird, wir werden dort Fahrzeuge haben, die also ausschließlich dort gebaut werden, und dann vermarktet werden in ganz Europa."

Für die gegenseitigen Wahrnehmungen der Menschen beiderseits von Oder und Neisse sind nach wie vor die Massenmedien nötig. Jacek Lepiarz, Deutschland-Korrespondent der polnischen Nachrichtenagentur PAP, berichtet aus Berlin:

"Ja, aufrichtig und objektiv über die Ereignisse in Deutschland zu berichten. Natürlich interessiert auch die Wirtschaftslage in Deutschland, weil Polen immer mehr von der deutschen Wirtschaft abhängig ist, und langsam setzt sich das nächste Stereotyp in Polen durch, Deutschland als kranker Mann an der Spree. Man muss darüber berichten , dass Deutschland zwar gewaltige soziale und ökonomische Probleme durchlebt, aber immer noch ein Land ist, dessen Wirtschaft stark und effizient ist."

Für die deutsch-polnischen Beziehungen sind auch Schulpartnerschaften ein hervorragendes Projekt. Junge Menschen, die nach Polen fahren, lernen Land und Leute kennen, bauen Vorurteile ab. Vivian Bötcher, Lehrerin an der Goethe-Schule in Barsinghausen, macht solche Schülerreisen:

"Also, ich habe es unter anderem auch über Befragungen gemacht, über Auswertungen, und am Anfang waren es wirklich Sachen wie: die Polen klauen, die Polen sind halt arm, und ja solche Stereotypen und für die polnischen Schüler waren dann die Deutschen zum Teil etwas dicker oder fuhren breite Autos und sie kannten halt den Sportverein Bayern München, und nachher waren es dann nette Menschen, sie konnten sagen, dass es eben Ketchup auf Pizza gibt, dass sie Polski Fiats fahren, und eben dass Familien sehr eng zusammen wohnen."

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