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Texte & Materialien > Religion & Kirche > Deutsch-Ägyptischer Dialog

Der Deutsch-Ägyptische Dialog

Pfeil nach rechts Der Umgang mit kultureller, religiöser und politischer Vielfalt
Loccum (Mai 2009)

aegyptisch-deutscher dialog vergrößern - enlarge

Vom 4. bis 6. Mai 2009 wurde in Loccum der Deutsch-Ägyptische Dialog zum Thema Umgang mit kultureller, religiöser und politischer Vielfalt fortgesetzt und abgeschlossen. Die 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Ägypten und Deutschland verabschiedeten auf der Tagung eine gemeinsame Erklärung zum fünfjährigen Dialogprojekt.
Pfeil nach rechts Die gemeinsame Erklärung (pdf)
Pfeil nach rechts Programm der Tagung

The Protestant Academy Loccum in cooperation with the Coptic Evangelical Organization for Social Services (CEOSS) organized the final gathering of its 5 year series of German-Egyptian dialogue meetings. From May 4 - 6, 50 participants from both countries discussed managing cultural, religious, and political diversity, and produced a joint statement as the culmination of this discourse that was first begun in 2003.
Pfeil nach rechts Joint Statement (pdf)

 

Pfeil nach rechts Good Governance in Times of Tension
Kairo (Oktober/November 2007)

Von Fritz Erich Anhelm

Wir waren uns einig darüber, dass wir Gewalt in unseren Gesellschaften und in internationalen Beziehungen verurteilen. Und wir waren uns auch einig darüber, dass weder der Islam noch das Christentum als Religionen Gewalt befürworten dürfen. Aber wenn es um die Beurteilung von konkreten Gewaltsituationen geht, beginnt das Problem. Dann kommen andere Kategorien ins Spiel: Loyalität, Macht und Ohnmacht, unterschiedliche Vorstellungen von Gerechtigkeit. Auch wenn es keine Alternative zum Dialog gibt, stellt sich doch die Frage, wo wir an Grenzen kommen. Damit müssen wir uns beschäftigen. Auch damit, dass manches, was als Erklärung gemeint ist, als Belehrung empfunden wird.

Wir waren uns einig darüber, dass es in den internationalen Beziehungen keine doppelten Standards geben darf. Also, dass das was wir von Anderen verlangen auch für uns selbst gelten muss. Aber wir wissen, dass solche doppelten Standards existieren, weil es Asymmetrien der Macht gibt. Die einen können durchsetzen, was den Anderen nicht passt. Asymmetrien der Macht fördern doppelte Standards, bei denen, die ihre Macht anwenden, wie bei denen, die sich ohnmächtig fühlen. Wir werden uns darauf konzentrieren müssen, uns doppelte Standards nicht nur vorzuwerfen, sondern sie aufzuklären. Wenn wir das nicht tun, bleiben wir im Muster von Anklage und Verteidigung. Das aber ist kein hilfreiches Muster, um Probleme wirklich zu bearbeiten.

Das große Interesse der ägyptischen Medien an unserem Dialog hat mich sehr gefreut. Ich wünschte, das könnten wir auch in Deutschland erreichen. Denn was wir hier produzieren, sind good news, im Unterschied zu dem, war wir sonst zu oft erleben. Es hilft, das Verhältnis von Ägypten und Deutschland auf einer zivilgesellschaftlichen Ebene in einer guten Weise öffentlich zu machen. Wenn unser Dialog auch das bewirkt, muss uns das freuen.

Wir reden viel über die Rolle der Medien. Dass der Karikaturenstreit oder auch das Kopftuch hier wieder angesprochen wurden, ist ein Zeichen für den Einfluss der Medien auf unser Denken und sogar unsere Argumente. Denn das sind besonders medienwirksame Symbole für unterschiedliche Wahrnehmungen und Deutungen. Vielleicht sollten wir die Rolle der Medien einmal zum Thema machen. Nicht in dem Sinne, dass wir den vielen Medienanalysen noch eine weitere hinzufügen, sondern dass wir nach der Verantwortung, der Ethik von Medien in den internationalen, sich globalisierenden Beziehungen fragen.

Unser Dialog ist prominent mit Repräsentanten des öffentlichen Lebens, der Politik, der Religionsgemeinschaften, der Wissenschaften und des Journalismus besetzt. Das ist gut und unser Ziel, weil wir möchten, dass er wahrgenommen und weiter getragen wird. Zugleich sollten wir aber – gerade nach den Erfahrungen, der deutschen Gruppe in der Cairo University – eine zweite Ebene dieses Dialogs entwickeln, die sich an Young Leaders in unseren Gesellschaften richtet. Aus der Politik, den Religionen, den Wissenschaften, dem Journalismus, den NGO’s. Es wird viel darauf ankommen, dass den nachfolgenden Generationen, die in verantwortliche Positionen hineinwachsen, die Chance zu dialogischer Verständigung eröffnet wird.

Die deutsche Delegation beim Verlassen des ägyptischen Parlamentes nach einem Gespräch mit der stellvertretenden ägyptischen Parlamentspräsidentin.

Statements und Vorträge
Dr. Martin Affolderbach, Evangelische Kirche in Deutschland pdf >

Dr. Christoph Darling-Sander, Islam-Beauftragter
der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers pdf >

Tim Kuschnerus, Evangelischer Entwicklungsdienst pdf >

Prof. Rolf Wernstedt, ehem. Landtagspräsident des Landes Niedersachsen pdf >

Interview mit Akadmiedirektor Dr. Fritz Erich Anhelm
zum Ägyptisch-Deutschen Dialog pdf >

Englischsprachige Pressestimmen aus Ägypten pdf >

Programm der Konferenz 2007 pdf >

 
Gruppenfoto deutsh-aegyptische Delegationen in Loccum

Gruppenbild auf der Terrasse in Loccum: Im April 2003 trafen sich zum ersten mal Muslime und Christen aus Ägypten und Deutschland im Schatten des Irak-Krieges. In Kooperation mit der "Coptic Evangelical Organisation for Social Services" und der Evangelischen Akademie Loccum wurde der Grundstein für ein längerfristiges christlich-muslimisches Dialog-Projekt gelegt.

Die bisherigen Aktivitäten

Der deutsch-ägyptische Dialog stellt ein Forum dar, die drängenden Fragen und Konflikte zwischen der arabischen und der westlichen Welt zu erörtern. Angesichts einer weltpolitischen Situation, die von anhaltender Gewalt und Misstrauen geprägt ist, begegnen sich ägyptische und deutsche Vertreter/innen aus Politik, Wissenschaft und Religion in einem kontinuierlichen Austausch. Ziel ist es, die geistigen und politischen Entwicklungen der beiden Länder besser zu verstehen und einschätzen zu lernen und so der Entwicklung neuer Feindbilder entgegen zu wirken. Der Dialog verharrt dabei nicht an der Oberfläche guten Willens ausgetauschter Höflichkeiten, sondern dringt zu den Bereichen vor, die das eigene Selbstverständnis berühren und in denen um schmerzende Fragen gerungen wird.

Der Austausch ist indes ein doppelter: ein deutsch-ägyptischer, ebenso wie ein islamisch-christlicher. Dass jeweils Deutsche und Ägypter beider Religionen, also auch Angehörige des in ihrem Land jeweils minoritären Glaubens, beteiligt sind, bereichert die Tagungen sehr.

Initiiert wurde der Dialog im Frühjahr 2003 von der ägyptischen Entwicklungsorganisation CEOSS (Coptic Evangelic Organization for Social Services) und der Evangelischen Akademie Loccum. CEOSS ist eine koptische, nichtstaatliche Entwicklungsorganisation, die in verschiedenen Bereichen tätig ist. So unterhält CEOSS verschiedene Gesundheitseinrichtungen, betreut und begleitet Menschen mit Behinderung, unterstützt neue Methoden in Landwirtschaft und organisiert ein weitgefächertes Bildungs- und Fortbildungsprogramm für Menschen aller Altersstufen. CEOSS engagiert sich aber auch im interkulturellen Dialog. Dies geschieht, indem CEOSS Foren zwischen Muslimen und Christen aller gesellschaftlichen Gruppierungen veranstaltet, auf denen es um Wege der Verständigung in Fragen der Religion, des Zusammenlebens und der verantwortlichen Gestaltung der Gesellschaft geht.

Auch die Evangelische Akademie Loccum bringt in Tagungen und Seminaren Menschen aus unterschiedlichen Lebens- und Erfahrungsbereichen, Funktions- und Handlungsfeldern zusammen und fördert so die offene Auseinandersetzung mit den Grundfragen unserer Zeit.

Die von CEOSS und EAL aufgenommenen Beziehungen mündeten bis jetzt in vier intensive Konferenzen, davon jeweils zwei in Deutschland und in Ägypten. Die fünfte Tagung wird im Mai 2006 in Deutschland stattfinden. Im September 2004 kam man darüber hinaus zusammen, um den deutsch-ägyptischen Dialog auf der Frankfurter Buchmesse gemeinsam einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2005 in Hannover fanden zwei Veranstaltungen mit deutsch-ägyptischer Beteiligung statt.

 
Pfeil nach rechts Vertrauensbildung in schwieriger Lage
Loccum (April 2003), Kairo und Alexandria (September 2003)

Die erste Konferenz fand vom 9. bis 13. April 2003 in Loccum statt. Sie stand unter dem Eindruck des Irak-Krieges, der drei Wochen zuvor begonnen hatte. Die durch den Krieg erschwerte Verkehrssituation führte dazu, dass die aus 12 Personen bestehende ägyptische Gruppe zwei Tage früher an reiste als geplant. Diese Tage des Kennenlernens, in denen man u.a. eine evangelische Gemeinde und eine türkische Moschee in Hannover besuchte, trugen sehr positiv zur Gesamtatmosphäre der Begegnung bei.

Die inhaltliche Arbeit dieser ersten Konferenz stand unter der Überschrift „Staatsbürgerschaft, Demokratie und Religion“. Alle Sitzungen im Rahmen dieses Dialogs werden durch je einen Vortrag aus der ägyptischen und der deutschen Perspektive eingeführt, die anschließende Diskussion wird mal von der einen, mal von der anderen Seite moderiert.

Der Thematisierung gegenseitiger Wahrnehmungsmuster wurde gleich zu Beginn Raum gegeben. Am Begriff der Staatsbürgerschaft, der daraufhin diskutiert wurde, entspann sich nicht nur der intendierte interkulturelle Dialog, viele innerdeutsche und innerägyptische Debatten zeigten darüber hinaus deutlich die Heterogenität der beiden Gesellschaften. Zu den brisantesten Themen der Tagung gehörte die Frage des säkularen Staats und einer religionspluralen Gesellschaft, und auch die Praxis politischer demokratischer Kultur wurde mit großem Interesse erörtert.

Vom 10. bis 13. September 2003 fand in Kairo und Alexandria die zweite Begegnung statt, mit insgesamt 66 Teilnehmenden, davon 13 aus Deutschland. Eröffnet wurde die Konsultation mit drei Audienzen: einem Besuch beim höchsten Repräsentanten der sunnitischen Muslime, dem Großscheich der Al Azhar Moschee, Dr. Mohamed Sayed Tantawi, einem Empfang beim Patriarchen (Papst) der koptischen orthodoxen Kirche, Seiner Heiligkeit Shenouda III. und einer Begegnung mit dem Präsidenten der protestantischen Kirchen in Ägypten, Rev. Dr. Safwat El-Bayady.

Die inhaltliche Arbeit in Alexandria stand unter der Frage, wie sich Soziale Integration und Kulturelle Interaktion zueinander verhalten. Die erste Arbeitsrunde befasste sich mit den Wertesystemen in Deutschland und Ägypten. In einer zweiten Sitzung ging es um die Sozialgestalt von Kultur und um soziale Auswirkungen von Wertewandel. Die dritte Runde kreiste um den Prozess der politischen Sozialisation, während in der vierten Einheit die Bedingungen sozialer Integration in der jeweiligen Kultur beleuchtet wurden.

 
Pfeil nach rechts Mitten in die schmerzenden Fragen
Berlin und Loccum (April 2004)

Der Dialog im Frühjahr 2004 berührte sensible Fragen und war emotional aufgeladen. Wieder beeinflussten aktuelle Ereignisse - die Anschläge vom 11. März in Madrid, die Tötung des Scheichs Jassin - die Tagung.

Das Treffen begann in Berlin mit Gesprächen mit Politikern und Politikerinnen, bei denen unbequeme Fragen angesprochen wurden. So wurde zwar die Notwendigkeit zum Dialog unterstrichen und die von der US-Linie differierende europäische Position bezüglich des Nahen Ostens erörtert. Auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Ägypten wurde verwiesen, sowie auf viele gemeinsame Projekte im kulturellen Bereich. Gleichzeitig wurde aber auch - insbesondere beim Treffen mit dem Bundestagspräsidenten Thierse - eine kritische arabisch-muslimische Selbstreflexion gefordert, was von ägyptischer Seite als Ausdruck einer in Deutschland seit dem Anschlag in Madrid negativ gewendeten Meinung gegen den Islam gewertet wurde. Im Gespräch mit den deutschen Kirchenvertretern (Bischof Koppe) wurde ein unterschiedliches Verständnis des Märtyrerbegriffs deutlich. Von deutscher Seite aus war die religiöse Dimension terroristischer Gewalt eine zentrale Frage, die ägyptische Seite beschäftigte die Gewaltanwendung durch Nationalstaaten wie Israel und die USA. Das Thema der Gewalt, welches häufig die informellen Gesprächen am Rande der Tagung bestimmte, wird in der nächsten Konferenz ein Hauptthema des Programms sein.

In Loccum diskutierte man über die Auswirkungen der Modernisierung auf den Staat, die Gesellschaft und die Religion in beiden Ländern. Die Schwierigkeit, das Entstehen der europäischen Moderne und die Rolle der Modernisierung in den arabischen Staaten zu vergleichen, fiel auf. Gleichzeitig stieß das deutsche System, als ein Modell der sanften Kooperation von Staat und Kirchen, von ägyptischer Seite auf Interesse. Insgesamt erreichte der Dialog während dieses dritten Treffens ein sehr hohes Niveau und eine große Intensität.

 
Pfeil nach rechts Diskussion und Aktion
Kairo und Ain Soukhna (März 2005)

Im März 2005 wurde die Zusammenarbeit mit einer 5tägigen Konferenz in Ägypten fortgesetzt. Gewalt im Prozess der Globalisierung stand zum ersten Mal explizit auf der Tagesordnung, allerdings nicht ohne auch die Werte zu thematisieren, die einer menschengerechten Globalisierung zugrunde liegen sollten.

Von deutscher Seite nahmen 33 Personen teil, unter ihnen der deutsche Botschafter in Ägypten, die ehemalige Bundestagspräsidentin Professor Dr. Rita Süssmuth, der ehemalige Landtagspräsident und Kultusminister Professor Wernstedt, der Verfassungsrichter i.R. Mahrenholz und der Bundestagsabgeordnete Kuess. Die Delegation traf auch mit dem ägyptischen Religionsminister Zakzouk zu einem längeren Gespräch zusammen.

Der starke Antiamerikanismus, der sich in vielen Beiträgen von ägyptischer Seite ausdrückte, führte zu deutlichen Spannungen auf der Tagung in Ain Soukhna, zumal die deutsche Seite sich nicht als Adressat dafür verstehen konnte und zur kritischen Selbstreflexion mahnte. Die Frage des Rechts (Rule of Law) nahm breiten Raum in den Diskussionen zur Gewaltprävention ein.

Am Ende der Tagung wurden Formen einer projektorientierten Weiterarbeit neben den Dialogveranstaltungen entwickelt, die sich auf Jugendaustausch, Schulbuchanalysen, Journalistengespräche und zivile Konfliktbearbeitung richteten. Sie werden von den beteiligten Institutionen weiter verfolgt.

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