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Sacro Art 2004

Pfeil nach rechts 18. bis 21 August 2004
Verkörperung / Entkörperung
im Spannungsfeld zwischn Ost und West

Pfeil nach rechts Programm der Tagung
Pfeil nach rechts DieTagungsdokumentation: Loccumer Protokoll Nr. 50/04

Gottesbilder und Menschenbilder werden verkörpert, aber auch Angst und Schrecken, um sie zu überwinden. Heilserwartungen werden verkörpert, die Utopie gelingender Vereinigung - in Wort, Bild und Musik. Daneben gibt es mystische Traditionen geistiger Konzentration, die in der Entsagung leiblicher Ansprüche sich mit Vorstellungen berühren, wie sie in orientalischen Kulturen als Erlösungsmodell ausgebildet wurden. In beiden Richtungen geht es immer auch um Transformationen der Ursprungsmächte und Übersetzungsvorgänge mit verschiedenen Lösungen.

Verwandlung
Eine Kammeroper für vier Sänger und zwölf Instrumente
Uraufführung: 19. August 2004, Klosterkirche Loccum

Musik: Alexander Shchetynsky
Libretto: Alexej Parin nach Carlo Gozzi, Hans Christian Andersen und Franz Kafka
Inszenierung: Georgi Issaakjan
Produktion: Opernhauses Perm, des Festivals "Diaghilev Seasons " und von Sacro Art der Evangelischen Akademie Loccum
Leitung des Projekts: Dr. Hans-Peter Burmeister

 Szenenfoto Verwandlung

Die Uraufführung fand im Rahmen einer internationalen Tagung der Evangelischen Akademie Loccum statt, die sich mit Verkörperung/Entkörperung im Spannungsfeld zwischen Osten und Westen beschäftigt. Idee und Libretto für die Kammeroper stammen von Alexej Parin aus Moskau.

Der in Charkow (Ukraine) lebende Komponist Alexander Shchetynsky komponierte die Musik. Das Opernhaus Perm sorgt für die Inszenierung mit hochkarätigen Instrumentalisten und Solisten aus Perm und Moskau. Regie führt der Künstlerische Leiter des Permer Opernhauses Georgi Issaakjan.

Das Libretto verflechtet Motive von drei Geschichten aus drei Ländern und drei Jahrhunderten: "König Hirsch " von Carlo Gozzi aus dem 18. Jahrhundert, "Die Tochter des Sumpfkönigs" von Hans Christian Andersen aus dem 19. Jahrhundert und "Die Verwandlung" von Franz Kafka aus dem 20. Jahrhundert. In allen drei Geschichten verwandeln sich Menschen in eine tierische Gestalt, behalten aber ihre menschlichen Empfindungen. Erzählt wird vom Fluch und vom Glück der Verwandlung, vom Fremdsein im eigenen Körper, von den Grenzziehungen zwischen Mensch und Tier, von Unterschieden zwischen Wesen und Erscheinung.

Jenseits aller metaphysischen Schwere der Fabeln spielt aber die Lust an Verwandlung, das theatralische Fest der Verwandlung eine Hauptrolle auch in dieser Oper.

Entsprechend sind auch die literarischen Vorlagen gleichsam nur Ausgangspunkte eines Erzählfeldes, in dem der ambivalente Zauber der Verwandlung zum theatralisch-musikalischen Ereignis wird. Der Librettist vermischt die literarischen Vorlagen der italienischen, dänischen und deutschen Literatur und übersetzt sie in die russische Sprache, der Komponist spielt mit unterschiedlichen musikalischen Sprachen, die sich auf den Geist und die Zeit der literarischen Vorlagen beziehen lassen. So macht Shchetynsky für die Gozzi-Episoden Anleihen bei der frühen italienischen Oper und dem Belcanto-Gesang. Im Hinblick auf Andersen spielen sowohl die Stilistik mittelalterlicher Klangformen wie Claude Debussys Opernwerk eine Rolle, bei Kafka die Zweite Wiener Schule und der Minimalismus. Bei aller spielerischen Verwandlung und polystilistischen Auffächerung von musikalischen Traditionen bleibt die Komposition Shchetynskys dennoch ein in sich geschlossenes und durchkomponiertes Werk mit unverwechselbar eigenem musikalischen Gestus, origineller Instrumentierung, luzider kompositorischer Intelligenz und emotionaler Kraft.

Die Anforderungen an die vier Sänger (Sopran, Mezzosopran, Tenor und Bass) sind hoch. Sie müssen nicht nur die verschiedenen Rollen der drei Fabeln verkörpern. Sie müssen auch die Verwandlungen der Figuren innerhalb einer Fabel spielen. Der Gestus der Aufführung ist nicht eindeutig und die Entwicklung der Geschichte nicht linear; sie hält die Schwebe zwischen dem glücklichen Ende bei Gozzi, metaphysischer Verwandlung bei Andersen und dem grotesk-apokalyptischen Finale aus Kafkas Erzählung.

Im Rahmen der Sacro Art Veranstaltungen der Evangelischen Akademie Loccum haben seit 1995 eine Reihe von Opern-Uraufführungen stattgefunden. Verschiedene Werke, zumeist komponiert von Wladimir Kobekin und Alexander Shchetynsky, von Loccum initiiert und gefördert, bekamen bedeutende Auszeichnungen, darunter mehrfach die "Goldene Maske", den russischen Nationalpreis für Musiktheater und wurden besonders in der russischen Öffentlichkeit (Presse, Hörfunk, Fernsehen) stark beachtet. Auf diese Weise wurde Loccum für die russischen Freunde des zeitgenössischen Musiktheaters zu einem bedeutenden und auch bekannten Ort für die Ko-Produktion und Entdeckung moderner russischer (bzw. ukrainischer) Kammeropern mit europäischem Horizont. Manche der Komponisten ,die seit neun Jahren nahezu jedes im Jahr im August nach Loccum kamen, komponierten ihre Stücke für den sakralen Raum, in dem sie erstmals aufgeführt wurden: die achthundert Jahre alte Klosterkirche der Zisterzienser, die der Akademie gegenübersteht. In den letzten Jahren fanden die großen Aufführungen im Rahmen von Tagungen in der Evangelischen Akademie statt, deren Themen sich mit dem Stoff und dem Inhalt der musikalisch-theatralischen Darbietungen verbanden.

Zeichnung Kostüm Zeichnung Kostüm Zeichnung Kostüm Zeichnung Kostüm

Künstlerbiografien

George Isaakyan
Regisseur von "Verwandlung ", Künstlerischer Direktor des Opernhauses Perm
Er stammt aus Armenien, studierte die Kunst des Musiktheaters in Moskau bis 1991.
Im selben Jahr ging er als Operndirektor nach Perm, wo er 1996 die Künstlerische Leitung übernahm. Mehrfach errangen seine Opernproduktionen die Goldene Maske, den wichtigsten Preis für Musiktheater in Russland. Als gesuchter Dirigent trat er im St. Petersburger Mariinsky-Theater auf und in der Metropolitan Oper, New York. Seine Inszenierungen wurden u.a. in Dublin (Irland) und in Osaka (Japan) gezeigt.
Er erhielt eine Reihe wichtiger Preise für seine kulturellen Projekte (erst jüngst hat er das Diaghilev Festival aus der Taufe gehoben). Besonderes Interesse gilt selten gespielten Stücken, die er in Russland und im Ausland zur Aufführung bringt - zum Beispiel Massenets Cleopatre oder Lolita, auf der Grundlage von Nabokovs Roman, komponiert von Rodion Schedrin.

Sergey Vlasow, Tenor
Sergey Vlasow wurde in Perm und Ekatarinburg als Sänger ausgebildet und wirkte in verschiedenen Opernhäusern Russlands, bevor er 1999 nach Perm zurückkehrte, wo er seitdem große Partien in den Inszenierungen des dortigen Opernhauses singt, darunter Tamino in Mozarts Zauberflöte, die Titelrolle in Gounods Faust, Ottavio in Don Giovanni, Lensky in Eugen Onegin. Sein irisches Debut hatte er mit der Rolle des Zinovy Ismailow in Lady Macbetöh of Mtsensk von Schostakowisch.

Tatiana Kuindzhi, Sopran
Sie wurde in Moskau geboren, wo sie an der Staatlichen Musikakademie bei Gertrude Tryanova studierte. 1992 ging sie an die Tschaikowski-Oper nach Perm, 1998 zur Helikon-Oper nach Moskau. In beiden Opernhäusern entfaltete sie ihr reiches Repertoir, das Oratorien und Kammermusik einschließt. 1997 nahm sie an einer Welt-Tournee mit Guidon Kremer teil. Auftritte auf zahlreichen Festivals, 1994 in Potsdam (als Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte), 2002 in Santander (Spanien) und Beijing (China) als Olympia in Offenbachs "Hoffmanns Erzählungen " und Bergs "Lulu ", mit Kammermusik 2003 in Lissabon. In Loccum ist Tatjana Kuindzhi schon mehrfach erfolgreich aufgetreten: 1999 in der Kammeroper "Stimmen des Unsichtbaren ", 2001 als Liedinterpretin (Mussorgski und Tschaikowsky) und zuletzt 2002 in der Kammeroper "Blinde Schwalbe ".

Nadezhda Babibtseva, Mezzo-Sopran
Sie studierte am staatlichen Konservatorium in Ekatarinburg (Ural) bei Professor Nikolay Golyshev bis 1999. Im selben Jahr wurde sie Solistin im Ensemble der Staatsoper Perm. Ihr Debut gab sie als Laura in Dargmoyhsky«s "Steinerner Gast". Weitere Rollen: Magdalena in Verdis Rigoletto und Olga in Tschaikowskys Evgeny Onegin. Für ihre Rolle des Cherubino in Mozarts "Figaros Hochzeit" gab ihr die Stadt eine besondere Auszeichnung. Sie gewann 2001 den dritten Preis des Internationalen Glinka Gesangswettbewerb. Die Rolle der Carmen in Bizets gleichnamiger Oper sang sie in Rumänien, der Schweiz und Deutschland.

Vladimir Taisaev, Bass
Er wurde am Staatlichen Institut für Theaterkunst in Moskau ausgebildet, das er 1988 mit Auszeichnung verließ. Er sang seitdem am Musiktheater in Vladikavkaz (Nord-Ossetien) bis 1994. Danach ging er an das Staatstheater für Oper und Ballett nach Perm, wo er bis heute tätig ist. Sein Repertoire ist vielseitig und umfangreich: Mefistofeles in Gounods Faust, Figaro in Mozarts Figaros Hochzeit, Ferrando in Verdis Troubadour, Masetto in Mozarts Don Giovanni, Angelotti in Puccinis Tosca. Zahlreiche Auftritte im Ausland: u.a. während des Herbstfestivals in Spanien, mit der Staatsoper Ekatarinburg 2003 in den USA und mit der Rostov Oper in Großbritannien und Irland.

 

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