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09/02: Müssen wir den Tod holen?
Ethische Fragen am Lebensende
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 28. Februar bis 2. März 2002
In Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Gesundheitsethik und dem Pastoralkolleg Loccum
Umfragen lassen ein zunehmendes Interesse der Bevölkerung an Sterbehilfe im Sinne einer Verkürzung des Lebens sehr kranker und deshalb schwer leidender Menschen erkennen.
Auch wenn man im Hinblick auf die Methodik dieser Erhebungen kritische Fragen hat, sind ihre Ergebnisse doch ernst zu nehmende Hinweise auf eine Trendwende: der schnelle, eingeleite Tod erscheint zunehmend als akzeptabler Ausweg im Falle großer Schmerzen und langen Leidens. Viele Menschen wünschen sich Autonomie bei der eigenen Entscheidung für Leben oder Sterben unabhängig von staatlicher und kirchlicher Bevormundung. Andere erinnern daran, dass Gottes Liebe in besonderem Maße den Leidenden gilt und Menschen zum Engagement ermutigt.
Fachkräfte mit detaillierter Kenntnis von Pflegesituationen in Krankenhäusern und Heimen weisen auf vielfältige Probleme hin. Unter anderem auf die Gefahr, teure Pflegesituationen bei unheilbar Kranken durch einen herbeigeführten Tod einsparen zu wollen. Palliativmedizin und Schmerztherapie sind in weiten Teilen Deutschlands noch unzureichend ausgebaut. Durch ihre Weiterentwicklung könnten berechtigte Sorgen um Schmerzen, Ängste und unwürdige Sterbesituationen verringert werden.
Eingeladen sind Berufstätige aus Medizin, Pflege, Seelsorge und angrenzenden Berufen sowie ehrenamtlich in der Hospizarbeit Tätige. Die Teilnahme an Einführungskursen und mehrjährige Erfahrung in der Begleitung Sterbender werden vorausgesetzt.
Gisela Freese, Evangelische Akademie Loccum
Martin Ostertag, Hospizbeauftragter der Landeskirche - Zentrum für Gesundheitsethik
Wiegand Wagner, Rektor des Pastoralkollegs
Donnerstag, 28. Februar 2002
Eröffnung der Tagung und Begrüßung
Gisela Freese, Evangelische Akademie Loccum
Martin Ostertag, Hospizbeauftragter der Landeskirche
Das ungelöste Problem der Sterbehilfe
Prof. Dr. Hans-Ludwig Schreiber, Juristische Fakultät der Universität Göttingen
Gruppenarbeit zu ausgewählten Fragestellungen des Referats
Sterbehilfe und Sterbegleitung in theologisch-ethischer Perspektive
Prof. Dr. Hartmut Kreß, Theologische Fakultät der Universität Bonn
Freitag, 1. März 2002
Grundsätze zur ärztlichen Sterbebegleitung
Patientenverfügung - Selbstbestimmungsrecht
Prof. Dr. Eckart Beleites, Präsident der Landesärztekammer Thüringen
Ist der Ausbau der Palliativmedizin eine Alternative zur Forderung nach vorzeitiger Beendigung des Lebens?
Dr. Hans-Joachim Willenbrink, Krankenhaus Links der Weser, Bremen
Einstellungen zur aktiven Sterbehilfe in den Gesundheitsberufen
Prof. Dr. Karl-H. Beine, St. Marien-Hospital Hamm und Private Universität Witten/Herdecke
Fragen und Anmerkungen zum Referat aus der Sicht der Pflege
Ute Herbst, Krankenschwester, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen
Gruppenarbeit zum Thema: Einstellungen zur aktiven Sterbehilfe
Samstag, 2. März 2002
Die neue Regelung zur Legalisierung der Sterbehilfe in den Niederlanden
Jacob J. F. Visser, Hoofdafdeling Geneeskundige Ontwikkelingen, Rijswijk
Ist die holländische Regelung ein Modell für die Bundesrepublik?
Diskussion mit:
Prof. Dr. Beine, St. Marien Hospital Hamm
Prof. Dr. Beleites, Präsident der Landesärztekammer Thüringen
Ute Herbst, Krankenschwester, Arbeitsgemeinschaft Deutscher Schwesternverbände und Pflegeorganisationen
Dr. Andreas Prönneke, Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Niedersachsen
Prof. Dr. Hans-Ludwig Schreiber, Juristische Fakultät, Universität Göttingen
Dr. phil. Alfred Simon, Akademie für Ethik in der Medizin e. V., Göttingen