Tagungsarchiv > Gesundheit & Soziales
72/05: Lebenserhaltende Maßnahmen beenden?
Gesetzeslage - Rechtsprechung - Medizinische Praxis
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 5. bis 6. Dezember 2005
In Kooperation mit der Universität Göttingen, Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Rechtsvergleichung, der Akademie für Ethik in der Medizin e.V. und dem Zentrum für Gesundheitsethik, Hannover.
Tagungsdokumentation: Loccumer Protokoll Nr. 72/05
Texte & Dokumente zur Tagung
Beim Handeln an schwer kranken und sterbenden Patienten stehen medizinische und juristische Entscheidungen an, die zugleich ethischer Reflexion bedürfen. Neue Untersuchungen zeigen, dass sowohl Medizinerinnen und Mediziner als auch Richterinnen und Richter beim Abbruch oder der Nichtaufnahme einer medizinischen Behandlung oder der Aufnahme einer Therapie mit möglicherweise tödlichen Folgen sehr unsicher sind.
Während unter Medizinern und Medizinerinnen sowie Pflegenden die höchstrichterliche Rechtsprechung häufig unbekannt ist oder kaum Eingang in die Entscheidungsfindung hat, besteht auf richterlicher Seite Unsicherheit über die Bewertung medizinischer Maßnahmen wie Überdosierung von Schmerzmitteln, terminaler Sedierung, künstlicher Ernährung oder Beatmung. Hinzu tritt die Rechtsunsicherheit in Bezug auf die vormundschaftliche Genehmigung bei der Interpretation von Entscheidungen des Betreuers oder des Bevollmächtigten.
Das Ziel dieser Tagung besteht darin, das Fachgespräch zwischen den an der Entscheidung über lebenserhaltende Maßnahmen Beteiligten zu intensivieren. Über die Klärung der rechtlichen Rahmenbedingungen, die Diskussion ethischer Überlegungen und medizinischer Kriterien hinaus werden Instrumente und Methoden der Entscheidungsfindung diskutiert. In Arbeitsgruppen werden idealtypische Entscheidungswege für unterschiedliche Krankheitsbilder entwickelt und nach den Möglichkeiten ihrer Umsetzung in der medizinischen und rechtlichen Praxis gesucht.
Dr. Ellen Ueberschär, Evangelische Akademie Loccum, Tagungsleiterin
Dr. Ralph Charbonnier, Zentrum für Gesundheitsethik
Dr. Alfred Simon, Akademie für Ethik in der Medizin
Prof. Dr. Volker Lipp, Universität Göttingen
Montag, 5. Dezember 2005
Eröffnung der Tagung und Begrüßung
Dr. Ellen Ueberschär, Ev. Akademie Loccum
Dr. Ralph Charbonnier, Zentrum für Gesundheitsethik, Hannover
Einstellungen von Vormundschaftsrichterinnen und -richtern und Ärztinnen und Ärzten im Umgang mit lebenserhaltenden Maßnahmen - Präsentation einer Studie
Dr. Alfred Simon, Geschäftsführer der Akademie für Ethik in der Medizinan der Universität Göttingen
Unsicherheiten in der klinischen Praxis
Professor Dr. Michael Karaus, Ärztlicher Direktor des Ev. Krankenhauses Göttingen-Weende
Unsicherheiten in der juristischen Praxis
Rechtsanwältin Beate Steldinger, Kanzlei Putz und Teipel / Berlin - München
Die Forderung nach selbstbestimmten Sterben und das professionelle Zögern
Hintergründe und Zusammenhänge
Dr. Wolfgang van den Daele, Professor für Soziologie an der FU Berlin, Direktor der Abteilung Zivilgesellschaft und transnationale Netzwerke im Wissenschaftszentrum Berlin, Mitglied des Nationalen Ethikrates
"Blut, Galle, Wasser, Schleim" - Ein Doktorspiel
Kabarett mit Dr. Heiner Fangerau
Dienstag, 6. Dezember 2005
Unsicherheiten überwinden: Lebenserhaltende Maßnahmen einleiten, abbrechen oder unterlassen?
Rechtliche Grundlagen der Entscheidungsfindung
Dr. Volker Lipp, Professor für Bürgerliches Recht, Zivilprozessrecht und Rechtsvergleichung an der Universität Göttingen, Beisitzer im Vorstand des Vormundschaftsgerichtstages e.V.
Ethische Grundfragen bei der Entscheidungsfindung
Dr. Carmen Kaminsky, Professorin für Sozialphilosophie und Sozialethik, Institut für die Wissenschaft der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Köln
Dr. Johannes Fischer, Professor für Theologische Ethik und Leiter des Instituts für Sozialethik an der Universität Zürich
Ärztliche Entscheidungsfindung zwischen Berufsethos, Paptientenautonomie ethischen Überzeugungen und rechtlichen Rahmenbedingungen
Professor Dr. Eggert Beleites, Direktor der Universitäts-HNO-Klinik in Jena, Vorsitzender des Ausschusses der Bundesärztekammer für ethische und med.-jur. Grundsatzfragen, Präsident der Landesärztekammer Thüringen
Instrumente und Methoden der Entscheidungsfindung im medizinischen Alltag
Dr. Arnd T. May, Medizinethiker, Zentrum für medizinische Ethik Bochum
Idealtypische Entscheidungswege - Fallbesprechung und Schlussfolgerung
Interdisziplinäre Arbeitsgruppen
AG I: Wachkoma
Moderator: Dr. Gerald Neitzke, Medizinethiker, Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)
AG II: Demenz
Moderator: Dr. Ralph Charbonnier
AG III: Multimorbidität
Moderator: Udo Schlaudraff, Pastor i.R., Göttingen
AG IV: Notfallmedizin
Moderatorin: Dr. Thela Wernstedt, Palliativmedizinischer Konsiliardienst am Tumorzentrum der MHH