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05/06: Darf Psychiatrie "verkauft" werden?
Landeskrankenhäuser zwischen Markt und öffentlicher Verantwortung
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 30. Januar bis 1. Februar 2006
Mit der Absicht, die Landeskrankenhäuser zu privatisieren, steht die Niedersächsische Landesregierung nicht allein da. Längst haben Markt und Wettbewerb auch im Bereich psychiatrischer Versorgung ihre Dynamik entfaltet. Renditeerwartungen und Sparpolitik gehen eine gestaltungsmächtige Verbindung ein, ohne dass die mittel- und längerfristigen Folgen für die Psychiatrie selbst und die von ihr Betroffenen in ihren politisch-ethischen Gewichtungen absehbar wären. Viele unterschiedliche und durchaus konträre Interessen sind im Spiel. Wie können sie so aufeinander bezogen werden, dass notwendige Standards erhalten und wünschenswerte Entwicklungen im Bereich der Psychiatrie möglich bleiben?
Rechtsformen von Trägerschaften und betriebswirtschaftliche Logik, hoheitliche Aufgaben (Maßregelvollzug), Betriebsverfassungen und Mitarbeiterrechte, Vergütungsmodelle und Versorgungspfade provozieren die Frage nach verbindenden und verbindlichen Kriterien zur Entscheidungsfindung: Was macht Sinn und was ist doch eher bedenklich gemessen an den Erfordernissen der Therapie und den Sicherheitsbedürfnissen der Gesellschaft?
Die Tagung soll im Diskurs der Akteure Motive und Interessen klären helfen, funktionsfähige Praxis in ihren Voraussetzungen vorstellen und offene Fragestellungen gewichten. Sie will damit auch zu einer in ihren sachlichen Aussagen belastbaren und ihren Bewertungen begründeten öffentlichen Diskussion beitragen.
Andreas Siemens, Evangelische Akademie Loccum, Pastor
Dr. Fritz Erich Anhelm, Akademiedirektor
Montag, 30. Januar 2006
Begrüßung, Einführung in die Tagung
Dr. Fritz Erich Anhelm, Akademiedirektor
Risiken und Nebenwirkungen beim Verkauf von Landeskrankenhäusern
Professor Dr. Andreas Spengler, Ärztlicher Direktor, Niedersächsisches Landeskrankenhaus Wunstorf
Gute Gründe für die Veräußerung von Landeskrankenhäusern
Mechthild Ross-Luttmann, Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit des Landes Niedersachsen, Hannover
Gesichtspunkte: Wer will warum was?
Wirtschaft: Jan-Frederik Belling, Warburg Bank Hamburg
Betreiber: Michael Hiller, Geschäftsführer der Fachklinik Schleswig GmbH
Prof. Dr. Heinrich Kunze, stellvertretender Vorsitzender der Aktion psychische Kranke, Bad Emstal
Psychiatrie: Gerhard Holler, Abt. Sozialpsychiatrie und Psychotherapie der MHH, Versorgungsforschung
Dienstag, 31. Januar 2006
Wie soll das funktionieren?
Arbeitsgruppen
I. Rechts- und Betriebsformen von Landeskrankenhäusern und ihr Verhältnis zum betriebswirtschaftlichen Anspruch
Michael Janssen, Ministerialrat, Landesrechnungshof Niedersachsen, Hildesheim
Wolfgang Rieger, Geschäftsführer der Zentren f. Psychiatrie Südwürttemberg, Bad Schussenried
Moderation: Prof. Dr. Wolfgang Weig, Ärztlicher Direktor, Niedersächsisches Landeskrankenhaus Osnabrück
II. Der hoheitliche Auftrag in der Psychiatrie: Maßregelvollzug und Privatisierung
Prof. Dr. Jörg-Martin Jehle, Kriminologisches Institut, Universität Göttingen
Dr. med. Andreas Kernbichler, Ärztlicher Direktor, Neustadt/Holstein
Moderation: Dr. Helmut Pollähne, Bremer Institut für Kriminologie, Universität Bremen
III. Betriebsverfassungen und Mitarbeiterrechte unter dem Vorzeichen der Profitabilität
Dr. Jörg Weidenhammer, Geschäftsleitung Landesbetrieb Krankenhäuser GmbH, Hamburg
Elke Nobel, ver.di, Hannover
Dr. Jürgen Glaser, Lehrstuhl für Psychologie TU München
Moderation.: Landesrat Rainer Kukla, Landschaftsverband Rheinland, Köln
IV. Wohin entwickelt sich die Psychiatrie?
Joachim Hübner, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Träger psychiatrischen Krankenhäuser, Kassel
Dr. Christa Roth-Sackenheim, Ärztliche Geschäftsführerin der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde, Andernach
Moderation: Privatdozent Dr. Lothar Adler, Geschäftsführer, Ökumenisches Hainich-Klinikum Mühlhausen
Podium der Moderatoren: Thesen, Erkenntnisse, Offene Fragen
Vom Umgang mit der Spannung zwischen Helfen und Bewirtschaften - Ethische Grundlagen der Psychiatrie
Prof. Dr. Dr. Klaus Dörner, Hamburg
Dr. Martin Heinze, Chefarzt, Klinikum Bremen-Ost
Doris Steenken, Bundesverband der Psychiatrieerfahrenen, Osnabrück
Was ist bezahlbar?
Gesundheitsökonomie zwischen psychiatrischen Notwendigkeiten und finanziellen Zwängen
Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke, Institut für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht, FU-Berlin
Prof. Dr. Jürgen Fritze, Vorstand Verband der Privaten Krankenversicherer, Köln
Mittwoch, 1. Februar 2006
Privatisierung der Psychiatrie - Was ist staatlich zu gewährleisten?
Dr. Lothar Adler, Mühlhausen
Heiner Aller, MdL, Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Niedersächsischen Landtages, Hannover
Ursula Helmhold, MdL, Rinteln
Dr. Helmut Pollähne, Bremen