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Programm > Tagungsarchiv > Religion & Kirche

19/06: Fundamentalismus-Alarm?
Neue religionspolitische Strategien in Zeiten der Rückkehr von Religion

Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 5. bis 7. Mai 2006
In Kooperation mit der Grünen Akademie

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Weltweit zeigt sich seit längerem ein Trend der Zunahme vitaler religiöser Gemeinschaften, die Anspruch auf politische Orientierung über den Bereich soziomoralischer Fragen hinaus erheben. Relativ schnell ist der Begriff des Fundamentalismus zur Hand, wobei er Anwendung findet sowohl auf gewalttätige islamistische Zellen, als auch auf christliche Gemeinschaften, die in moralischen Fragen "strong opinions" vertreten. Diese moralischen und politischen Rigorismen religiöser Bewegungen werden als staats- und vor allem demokratiegefährdend eingeschätzt. In jedem Fall bildet der religiöse Fundamentalismus eine Herausforderung für demokratische Gemeinwesen: Wieweit geht die Religionsfreiheit? Wo beginnt ein religiöser Fundamentalismus die politische Gemeinschaft so zu beherrschen, dass grundlegende Menschenrechte tangiert sind?

Die Tagung möchte dazu beitragen, einen analytisch klaren und verantwortungsvollen Gebrauch des Begriffes "religiöser Fundamentalismus" zu etablieren.

In Europa existiert zwischen Religion und Politik ein institutionell austariertes System. Es beruht auf historischen Kompromissen, deren regulative Wirksamkeit einerseits selbstverständlich ist, andererseits in Zukunft stärkerer Rechtfertigung bedürftig sein wird: Für eine durch Globalisierungseffekte wie Migration und Pluralisierung veränderte Gesellschaft reicht dieser institutionelle Konsens zwischen etablierten Kirchen und Staat nicht mehr aus, um das Verhältnis der Religion zur Politik zu verankern. Ist damit auch die in langen historischen Prozessen errungene Trennung von Religion und Politik tendenziell delegitimiert?

Wie gestaltet sich das Verhältnis von Religion und Politik außerhalb Europas? Welchen politischen Einfluss nehmen Religionsgemeinschaften in unterschiedlichen lokalen Kontexten, die globalen Entwicklungen ausgesetzt sind?

Ziel der Tagung ist es - im Bereich des Christentums - zu erkennen, wie Religion unter den Bedingungen der Globalisierung als politischer Faktor wirkt. Mithin soll die Frage Konturen gewinnen, welche Maßstäbe für eine internationale Religionspolitik anzulegen sind.

Dr. Ellen Ueberschär, Evangelische Akademie Loccum, Tagungsleiterin

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Freitag, 5. Mai 2006

Eröffnung der Tagung und Begrüßung
Dr. Ellen Ueberschär, Evangelische Akademie Loccum

Fundamentalismus und Moderne

Was ist Fundamentalismus, wie verhält er sich in der Moderne? In welchen Formen äußert er sich? Welche Bedingungen der Moderne sind es, die religiösen Fundamentalismus provozieren?

Dr. Otto Kallscheuer, Politikwissenschaftler und Philosoph, Berlin / Sassary
Prof. Dr. Dr. Heinrich Schäfer, Soziologe und Theologe, Professor an der Universität Bielefeld und Honorarprofessor in Costa Rica
Dr. Geiko Müller-Fahrenholz, Publizist und Theologe, Bremen

Genau hingeschaut:
Sind Pfingstler Fundamentalisten?

Mit welchen Methoden, mit welcher Theologie und mit welchem Erfolg nehmen christlich-religiöse Gemeinschaften außerhalb der etablierten Kirchen in unterschiedlichen Gesellschaften politisch Einfluss? Wie stark ist ihre Neigung zur Selbstpolitisierung oder zu politischer Einflussnahme?

Dr. David Martin, Professor em. für Soziologie an der London University, Woking, GB

Samstag, 6. Mai 2006

Religion als politischer Faktor in den USA

Welchen Einfluss hat das evangelikale Element auf die Ausprägung zentraler amerikanischer Werte und Mentalitäten? Wie und warum wurde es in den letzten 40 Jahren populär und wie verhält es sich zu den innenpolitischen Optionen in den USA? Was bedeutet es für die Rolle der USA in der Welt?

Marcia Pally, Literatur-, Kultur- und Politikwissenschaftlerin, Professorin an der New York University, N.Y.C.  Pfeil nach rechts Zu Gast in Loccum
Ed Crane, President, Academy on Civil Society, Chicago
Dr. Manfred Brocker, Professor für Politikwissenschaft an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt

Religion in lokalen Kontexten unter dem Einfluss der Globalisierung

Welche sozialen, kulturellen und mentalen Konstitutionsbedingungen begünstigen die Ausprägung religiös-fundamentalistischer Milieus? Welche gesellschaftlichen Handlungsfelder werden durch religiöse Akteure in welcher Weise besetzt?

... im Dialog mit dem Ökumenischen Rat der Kirchen
Hubert van Beek, Ökumenischer Rat der Kirchen, Genf

... in Deutschland
Dr. Peter Zimmerling, Professor für Theologie an der Universität Leipzig

... in Nigeria und Westafrika
Habila Istifanus, Begründer des Justice and Peace Reconciliation Movement, Adamawa State
Dominic Johnson, Afrika-Redakteur der taz

... in Russland
Fridtjof Amling, Pfarrer der evangelischen Gemeindegruppe deutscher Sprache, Moskau
Dr. Alexej Bodrov, Rektor des St. Andrews Biblical-Theological College, Moskau
Svetlana Panich, Anglistin, Literaturwissenschaftlerin, Dozentin, Moskau

Religion und Säkularität in der europäischen Verfassungsdebatte
Prof. Dr. Tine Stein, Politikwissenschaftlerin, Berlin / Bremen

Sonntag, 7. Mai 2006

Religion und Realpolitik

Über welche Ressourcen für die Bearbeitung religiöser und religiös-fundamentalistischer Themen verfügt die Politik? Verlangt die Einsicht in religiöse Hintergründe politischer und gesellschaftlicher Konflikte neue Strategien und Instrumente der Religionspolitik in Europa, der Außen- und Entwicklungspolitik? Mit welchen intellektuellen und politischen Mitteln können fundamentalistische Gefährdungen eingegrenzt werden, ohne dass Akteure, die diese Mittel einsetzen, selbst in Fundamentalismus verfallen?

Sönke Schmidt, Generaldirektion Gerechtigkeit, Freiheit und Sicherheit, advisor on global security matters, Brüssel
Adolf Kloke-Lesch, Ministerialdirigent im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Unterabteilungsleiter Friedensentwicklung und Krisenprävention, Außen- und Sicherheitspolitik, Berlin
Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin (u.V.)

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