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24/06: Islam in den Medien
Für eine Kultur des Dialogs jenseits des Karikaturenstreits
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 9. bis 11. Juni 2006
Ein Bericht von Dörte Hinrichs
im Deutschlandfunk, Köln, 18. Mai 2006, pdf >
Muslime und der Islam im In- und Ausland stehen seit einiger Zeit im Brennpunkt medialer Aufmerksamkeit. Eine Aufregung folgt der nächsten: vom Karikaturenstreit über Fragebögen für Einwanderer bis zur Gewalt an den Schulen. Der ganz normale Alltag, die Kultur und gelebte Religion in islamischen Ländern oder das gesetzestreue Leben der meisten Muslime in Deutschland haben kaum Nachrichtenwert. Fraglich ist, ob damit noch zu einer differenzierten öffentlichen Meinungsbildung beigetragen wird. Es entsteht der Eindruck, dass durch einen selektiven und sensationslüsternen Blick islamisch und islamistisch, ausländisch und muslimisch inzwischen zu Synonymen werden.
Das Islambild der Öffentlichkeit wird durch die Medien entscheidend geprägt. Viele Journalistinnen und Journalisten sind verantwortungsbewusst, sie berichten kritisch und differenziert. Jedoch sind auch Tendenzen zur Stereotypenbildung feststellbar. Veränderungen im Mediensystem betreffen auch islambezogene Themen. Es gibt immer weniger Personal und Geld für Reportagen vor Ort und Hintergrundberichte.
In der Tagung werden neben der Analyse der Berichterstattung auch Möglichkeiten der Durchbrechung von Mechanismen und Stereotypenbildung ausgelotet.
Dr. Lidwina Meyer, Evangelische Akademie Loccum, Tagungsleiter
Freitag, 9. Juni 2006
Eröffnung der Tagung und Begrüßung
Dr. Lidwina Meyer, Ev. Akademie Loccum
Die Medien - Tor für Muslime zur Öffentlichkeit?
Wie können muslimische Themen in die Medien kommen? Erfahrungen, Beobachtungen, Diskussionsanstöße
Mounir Azzaoui, Pressesprecher, Zentralrat der Muslime, Eschweiler
Hayrettin Aydin, Geschäftsführer Muslimische Akademie, Berlin
Selma Öztürk, Pressesprecherin, Schura Niedersachsen, Hannover
Die Medien - Fenster der Öffentlichkeit zur islamischen Welt?
Wie und was vermitteln Medien aus dem Ausland?
Jörg Armbruster, Abteilung Ausland, Südwestrundfunk (SWR), Stuttgart
Michael Lüders, Publizist, Berlin
Mariam Lau, Die Welt, Berlin
Katharina Sperber, Frankfurter Rundschau, Frankfurt/Main
Moderation: George Khoury, Journalist, Bonn
Pressefreiheit, Selbstzensur, kollektive Diffamierung?
Fragen an die Praxis, die sich aus dem Karikaturenstreit ergeben
Dr. Sabine Schiffer, Institut für Medienverantwortung, Erlangen
Samstag, 10. Juni 2006
Arbeitsgruppen
AG 1: Defizite, an denen gearbeitet werden sollte:
Immer schneller und sensationeller?
In welcher Weise verändert sich das Mediensystem?
Wie wirkt sich das auf die islambezogene Berichterstattung aus?
Christoph Schultheis, BILDblog.de
Henner Kirchner, Islamwissenschaftler, Universität Gießen
AG 2: Immer nur Gewalt und Krieg?
Wie einseitig ist die Auslandsberichterstattung?
George Khoury, Deutsche Welle
Jörg Armbruster, SWR
Erhard Brunn, Journalist
AG 3: Nur noch Zwangsheirat und Ehrenmorde?
Wie kommt der Islam vor Ort aus seinem schlechten Licht?
Katharina Sperber, Frankfurter Rundschau
Ute Hempelmann, Medienbüro Klartext, Hamburg
AG 4: In den Fängen des Systems?
Welche Instrumente der Selbstkontrolle und der Verteidigung eines Berufsethos gibt es?
Sigrun Müller-Gerbes, stv. Sprecherin des Deutscher Presserat, Bonn, Redakteurin Neue Westfälische, Bielefeld
Dr. Sabine Schiffer, Institut für Medienverantwortung, Erlangen
Migration und Integration im Mediendiskurs - eine kritische Einschätzung
Prof. Dr. Christoph Butterwegge, Institut für Interkulturelle Forschung, Köln
Muss die Rolle der Medien in der Islam-Berichterstattung neu justiert werden?
Freimut Duve, MdB a.D., erster Beauftragter der OSZE für Medienfreiheit, Hamburg
Prof. Dr. Kai Hafez, Universität Erfurt
Ingeborg Kern, Chefin v. Dienst (Wort), dpa, Hamburg
Sigrun Müller-Gerbes, stv. Sprecherin des Deutscher Presserat, Bonn/Bielefeld
Perspektivwechsel - Muttersprachliche Medien in Deutschland
Süleyman Bag, Zaman-Europa, Berlin
Sonntag, 11. Juni 2006
Dialog der Kulturen in den Medien - Kommunikatoren als Mediatoren?
Prof. Dr. Hans J. Kleinsteuber, Universität Hamburg
Welche Möglichkeiten gibt es für Muslime in Zukunft an der öffentlichen Meinungsbildung teilzunehmen?
Ayman A. Mazyek, Generalsekretär Zentralrat der Muslime, Eschweiler
Gualtiero Zambonini, Integrationsbeauftrager des WDR, Köln
Riem Spielhaus, Islamwissenschaftlerin, Humboldt-Universität, Berlin