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62/07: Die Vernunft der Religion
Protestantische Aspekte einer aktuellen Kontroverse
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 29. bis 31. Oktober 2007
in Kooperation mit der Theologischen Fakultät der Universität Basel;
gefördert von der Hanns-Lilje-Stiftung
Tagungsdokumentation: Loccumer Protokoll Nr. 62/07
Unter dem Titel "Glauben und Wissen" forderte Jürgen Habermas in seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels eine neue Besinnung auf die Dialektik des abendländischen Säkularisierungsprozesses. Die postsäkulare Gesellschaft, so lautete seine Empfehlung, solle die Grenze zwischen Glauben und Wissen so bestimmen, dass sie sich nicht vorschnell von religiösen Ressourcen der Sinnstiftung abschneide.
In seiner Regensburger Vorlesung "Glaube und Vernunft" vom Herbst 2006 hat Papst Benedikt XVI. diesen Gesprächsfaden aufgenommen und in charakteristischer Weise fortgesponnen. Glaube und Vernunft gehören ihm zufolge elementar zusammen. Allerdings habe nun gerade die römisch-katholische Kirche als Garant für diese Zusammengehörigkeit zu gelten, während der Protestantismus im Laufe seiner neuzeitlichen Geschichte zunehmend dem Relativismus, Subjektivismus und Irrationalismus zum Opfer gefallen sei.
Die Debatte erhält damit zugleich eine konfessionelle Stoßrichtung. Denn mit seiner Synthese von griechischer Vernunft und christlichem Glauben bewahre allein der Katholizismus die Grundlagen der europäischen Kultur; dem Protestantismus hingegen müsse die Verantwortung für die entgleisende Säkularisierung und ihre Pathologien aufgebürdet werden.
Von vereinzelten Beiträgen abgesehen, hat der Protestantismus auf die Herausforderung des Papstes bisher kaum reagiert. Dabei bietet sie eine hervorragende Gelegenheit, um das protestantische Profil zu stärken und die kulturelle Prägekraft der eigenen Tradition zu verteidigen. Im Mittelpunkt steht hier die Aufgabe, die unabschließbare Dialektik von Glaube und Vernunft deutlich zu machen. Der Protestantismus zielt auf eine heilvolle Relativierung der Vernunft und wehrt einer unheilvollen Verabsolutierung des Religiösen.
Die Tagung verfolgt das Ziel, die von Jürgen Habermas und Benedikt XVI. angestoßene Debatte um das Verhältnis von Glaube und Vernunft in ihren vielfältigen Facetten aufzugreifen und für die Aufgabe einer Selbstklärung des Protestantismus fruchtbar zu machen.
PD Dr. Martin Laube, Evangelische Akademie Loccum, Tagungsleiter
Prof. Dr. Georg Pfleiderer, Universität Basel
Begrüßung und Einführung in die Tagung
PD Dr. Martin Laube, Evangelische Akademie Loccum
Prof. Dr. Georg Pfleiderer, Universität Basel
Christentum und Vernunft
Prof. Dr. Jan Rohls, Universität München
Religion und kritische Vernunft
Prof. Dr. Herbert Schnädelbach, Humboldt-Universität Berlin
Prof. Dr. Christine Axt-Piscalar, Universität Göttingen
Das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft nach Papst Benedikt XVI.
Prof. Dr. Markus Enders, Universität Freiburg i.Br.
Das Verhältnis zwischen Glaube und Vernunft aus protestantischer Perspektive
Prof. Dr. Oswald Bayer, Universität Tübingen
Rationalität, Modernität und Wissenschaftlichkeit als Plausibilitätsargumente neureligiöser Bewegungen
Prof. Dr. Andreas Grünschloß, Universität Göttingen
Häresie der Formlosigkeit
Lesung mit Diskussion
Martin Mosebach, Frankfurt a.M. (
Zu Gast in Loccum)
Antwort:
Dr. Petra Bahr, Kulturbeauftragte der EKD, Berlin
Religion, Gesellschaft, Moderne
Prof. Dr. André Kieserling, Universität Bielefeld
Podiumsdiskussion:
Die Vernunft der Religion.
Protestantische Aspekte einer aktuellen Kontroverse
Arnd Brummer, Chefredakteur Chrismon, Frankfurt a.M.
Prof. Dr. Georg Pfleiderer, Universität Basel
Domkapitular Dr. Werner Schreer, Bischöflicher Generalvikar im Bistum Hildesheim