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11/08: Der menschliche Makel
Von der sprachlosen Wiederkehr der Sünde

Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 28. bis 30. März 2008

Pfeil nach rechts Tagungsdokumentation: Loccumer Protokoll Nr. 11/08

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Die traditionelle Rede von der Sünde ist in den alltagsweltlich-säkularen Zusammenhängen, aber auch innerhalb der Kirche selbst unverständlich geworden. Als Ursachen für diesen fundamentalen Sprach- und Bedeutungsverlust werden verschiedene Entwicklungen angeführt: Die dogmatische Sündenlehre arbeite mit Begrifflichkeiten, die mit der heutigen Zeit nichts mehr zu tun hätten. Die Rede von der Sünde widerspreche dem modernen Autonomiebewusstsein und erscheine so als kränkender Angriff auf das Selbstverständnis des freien Subjekts. Vor allem aber stehe jede Beschäftigung mit der Sünde unter dem langen Schatten eines ebenso repressiven wie depressiven Moralismus und seiner Folgen.

Bei genauerem Hinsehen lassen sich jedoch auch gegenläufige Tendenzen ausmachen. So weiß jeder einzelne um die Erfahrung von Sünde und Schuld. Die Last eines drückenden Gewissens, der erschreckende Blick in die inneren Abgründe, das unruhige Gefühl, die eigene Mitte verloren zu haben – solche Erfahrungen kennt jeder, und es scheint an der Zeit, auch ihre religiöse Dimension wieder ernst zu nehmen. Schließlich lässt sich eine säkulare Renaissance des Sündenbegriffs beobachten. Er fungiert hier als Negativfolie für einen kritischen Blick auf die Schattenseiten und Gefährdungen der Moderne. Auffällig ist dabei der konsequente Verzicht auf jedweden Gottesbezug – mit der Konsequenz, dass die unheilvolle Moralisierung des Sündenbegriffs so nochmals fortgeschrieben wird.

Die Tagung verfolgt das Ziel, die Gründe für den Sprach- und Bedeutungsverlust des Sündenbegriffs zu beleuchten und nach Wegen zu suchen, wie sein Deutungspotenzial neu erschlossen und für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden kann. Damit soll sie zugleich einen Beitrag zu der Aufgabe leisten, Funktion und Reichweite der kirchlich-dogmatischen Tradition im Horizont der gegenwärtigen Religionskultur neu zu bestimmen. Dazu laden wir Sie herzlich ein.

PD Dr. Martin Laube, Studienleiter
Prof. Dr. Wilhelm Gräb, Humboldt-Universität Berlin

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Freitag, 28. März 2008

Begrüßung und Eröffnung der Tagung
PD Dr. Martin Laube, Evangelische Akademie Loccum

Der menschliche Makel
Von der sprachlosen Wiederkehr der Sünde
Prof. Dr. Wilhelm Gräb, Humboldt-Universität Berlin

Lebendiges Erbe
Von der erschließenden Kraft der dogmatischen Sünden- und Erbsündenlehre
Prof. Dr. Notger Slenczka, Humboldt-Universität Berlin

Ein Mann sagt mehr als tausend Worte
Eine musikalische Lesung mit Heinz-Rudolf Kunze

Samstag, 29. März 2008

„Sünde ist eine Beziehungstat“ – Vorstellungen vom ‚Sündhaften’ in der Alltagsethik Junger Erwachsener
Ergebnisse einer empirischen Studie
Prof. Dr. Andreas Feige, Technische Universität Braunschweig

Ästhetische Erfahrung und moralisches Urteil
Zur Wiederkehr von Literatur als moralischer Anstalt
Prof. Dr. Gert Mattenklott, Freie Universität Berlin

Sünde – Schuld – Vergebung.
Wie sich Psychologie und Theologie ergänzen können
Dr. Michael Utsch, Evangelische Zentrale für Weltanschauungsfragen, Berlin

Opfer und Gewalt
Zur Kulturanthropologie der Sünde
Dr. Andreas Hetzel, Universität Innsbruck

Sündigen für das ewige Leben
Beispiel eines negativen gesellschaftlichen Integrationsprinzips
Prof. Dr. Christian Papilloud, Universität Lüneburg

Die Sünde öffnet die Augen.
Vom Hin- und Wegsehen im Kino
Heike Kühn, Filmkritikerin, Frankfurt/Main

Sonntag, 30. März 2008

Sünde als Anstoß für Philosophie
Prof. Dr. Michael Theunissen, Freie Universität Berlin (Pfeil nach rechts Zu Gast in Loccum)

Ist die Sünde noch zu retten?
Podiumsdiskussion mit
Prof. Dr. Wilhelm Gräb, Humboldt-Universität Berlin
Altbischof D. Horst Hirschler, Abt des Klosters Loccum
Dr. Christoph Quarch, Chefredakteur Publik-Forum, Oberursel

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