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03/13: Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie - Patientenautonomie und Verantwortung
Notwendiger Widerspruch oder neue Antworten?

Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 28. bis 30. Januar 2013

Ein zusammenfassender Tagungsrückblick von
Andreas Spengler, Stephan Schaede und Andreas Siemens pdf >

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Zwangsbehandlungen in der Psychiatrie sind wieder heftig umkämpft. Ausgelöst sind sie von der Konvention zur Inklusion von Menschen mit Behinderung – seit 2009 verbindliches Recht in Deutschland – und einigen höchstrichterlichen Urteilen in der letzten Zeit.

Zwangsmaßnahmen verletzen die Würde des Menschen; sie sind daher grundsätzlich zu verbieten, sagen die einen. Zwangsmaßnahmen sind die Mittel der äußersten Zuflucht, um psychisch Kranke mit einer akuten schweren Störung vor Fremd- und Selbstgefährdung zu schützen, sagen die anderen. Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die Meinungen im zum Teil sehr emotional geführten Streit, der den sachlichen Dialog erschwert.

Dabei geht es nicht um ein Spezialproblem, das die Fachleute unter sich ausmachen könnten. Die Psychiatrie ist Teil der Gesellschaft, die ihrerseits die Augen nicht vor diesem Problem verschließen kann – jenseits reißerisch in Szene gesetzter Empörung bei spektakulären Ereignissen. Nötig ist ein gesellschaftlicher Dialog, der die Psychiatrie nicht isoliert, sondern ihr am Ende neue Rechtssicherheit gewährt.

Deshalb soll es auf der Tagung um folgende Fragen gehen: Sind Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie erlaubt und in welchen Grenzen? Wer achtet auf ihre Einhaltung? Muss die Psychiatrie mit einem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft rechnen, der dem Einzelnen mehr Freiheit einräumt, ihm aber im Krankheitsfall weniger hilft?

Gibt es Alternativen zu den Zwangsmaßnahmen? Droht eine neue Verwahrpsychiatrie in Heimeinrichtungen und weitere Forensifizierung? Oder lassen sich neue Wege im Dialog zwischen den Betroffenen, den Angehörigen, der Psychiatrie und der Jurisprudenz finden? Und wie kann die Politik ihrer Verantwortung für diese schwierige Materie gerecht werden?

Prof. Dr. med. Andreas Spengler, Wunstorf,  wissenschaftliche Leitung
Andreas Siemens, Pastor und Tagungsleiter, Evangelische Akademie Loccum

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Montag, 28. Januar 2013

Begrüßung und Eröffnung
Andreas Siemens, Pastor, Evangel. Akademie Loccum

Annäherungen an das Thema

Fachliche Einführung
Prof. Dr. med. Andreas Spengler, Wunstorf

Sind Zwangsbehandlungen erlaubt? – Eine ethische Überlegung
Privatdozent Dr. med. Gerrit Hohendorf, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Technische Universität München

Zwangsbehandlung in internationaler Perspektive
Prof. Dr. med. Asmus Finzen, Berlin

Zwangsbehandlungen aus juristischer Sicht

Was kann die Rechtsgeschichte zur  aktuellen Diskussion über die Zwangsbehandlung beitragen?
Rechtsanwalt Dr. jur. Jochen Heide, Düsseldorf

Zwangsbehandlung im Maßregelvollzug und in verwandten Gebieten – 
rechtliche  Anforderungen
Matthias Koller, Richter am Landgericht Göttingen

Dienstag, 29. Januar 2013

Anforderungen an Zwangsbehandlungen nach dem Betreuungsrecht
Dr. Matthias Mittag, Referent im Sächsischen Staatsministerium  der Justiz und für Europa, Dresden

Novellierung der Länder-Unterbringungsgesetze  – aus nordrhein-westfälischer  Perspektive
Ursula Mende, Rechtsberaterin, Landschaftsverband Rheinland

Die Zwangsbehandlung aus strafrechtlicher Sicht
Dr. jur. Tanja Henking, Ruhr-Universität Bochum

Eine erste Bilanz. Rundgespräch mit
Prof. Dr. med. Asmus Finzen, Berlin
Gudrun Schliebener, Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker, e.V., Herford
Ruth Fricke, Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen e.V., Herford

Zwangsbehandlungen aus psychiatrischer Sicht I

Anforderungen in der Allgemeinpsychiatrie
Prof. Dr. med. Andreas Heinz, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Berlin

Klinische und vollzugliche Anforderungen an den Maßregelvollzug
Dr. med Nahlah Saimeh, Ärztliche Direktorin des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie, Lippstadt-Eikelborn

Rücksicht auf die Pflegenden – Was verlangt der Arbeitsschutz?
Sarina Schreiber, Pflegerische Leitung im Departement für psychische Gesundheit, Uniklinikum Leipzig

Strukturelle statt direkter Gewalt oder:
Das Pflegeheim als Alternative?
Prof. Dr. phil. Reinhard Peukert, Hochschule RheinMain, Wiesbaden

Strategien zur Vermeidung von Zwangsmaßnahmen

Droht eine Forensifizierung in der Psychiatrie oder lässt sich ihr begegnen?
Dipl-Päd. Dr. Friedhelm Schmidt-Quernheim, Leiter der Forensischen Ambulanz Düren

Alternativen zur Zwangsbehandlung
Dr. med. Regina Ketelsen, Oberärztin an der Psychiatrischen Klinik Bielefeld-Bethel

Ambulante Interventionsmöglichkeiten
Prof. Dr. med. Martin Lambert, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Mittwoch, 30. Januar 2013

Zwangsbehandlungen aus psychiatrischer Sicht II

Zwangsbehandlungen – empirische Befunde zur Patientensicht
Prof. Dr. med. habil. Thomas W. Kallert, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, Park-Krankenhaus Leipzig

Zwangsbehandlung im Klinikalltag unter Rechtsunsicherheit
Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer, Direktor des Zentrums für psychische  Gesundheit, Klinikum Ingolstadt

Zumutungen an die Psychiatrie – Erwartungen der  Psychiatrie an Politik und Gesellschaft
Prof. Dr. med. Thomas Pollmächer, Ingolstadt
Miriam Staudte, MdL Hannover, Bündnis 90/Die Grünen
Rechtsanwältin Dr. Babette Tondorf, Hamburg
Moderation: Andreas Siemens

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