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55/99: Unabhängig denken - anders leben - widerständig sein
Dissens und Opposition in den kommunistischen Diktaturen Ost- und Mittelosteuropas

Tagung der Evangelischen Akademie Loccum vom 1. bis 3. Oktober 1999
In Kooperation mit der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen

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Die Geschichte des östlichen Europas war von Stalins Tod im Jahre 1953 bis zur großen Epochenwende von 1989 immer mehr als die Geschichte der kommunistischen Herrschaft.

Jenseits der von Partei und Staat verordneten und stabilisierten Strukturen bildeten sich seit Mitte der 60er Jahre, und stärker noch in den 70er Jahren, alternative Welten in Kultur und Gesellschaft heraus, die sich zunehmend der Bevormundung, Kontrolle und Zensur durch Partei und Staat entzogen.

Im Ringen um geistige Autonomie und persönliche Individualität entstand eine eigene Kultur, deren Vielfalt und Charakter hinter dem Stichwort "Dissidententum" mit seinen durch westliche Wahrnehmungen und Wertungen geprägten Konnotationen nur allzu leicht verschwinden könnte. Zu dieser Kultur, die sich bewusst als europäisch verstand und zutiefst europäisch war, gehörten die Bürger- und Menschenrechtsbewegungen, die ihren Regierungen einen Dialog anboten aber hartnäckigen Verfolgungen ausgesetzt waren, ebenso wie Autoren, die für sich ein unabhängiges Denken in Anspruch nahmen und schon bald Weltliteratur schrieben, Künstlerzirkel, Galerien, Haustheater, politische und gewerkschaftliche Gruppen sowie Einzelpersonen, die "nur" für sich selbst standen und einfach "anders sein" wollten.

Zehn Jahre nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen in Ost- und Mittelosteuropa soll diese zivilgesellschaftliche Kultur, die gegen Bevormundung und Repression durchgesetzt und gelebt werden musste, eingehender in den Blick gerückt werden. Wer waren diese "Dissidenten"? Welche Wertvorstellungen leiteten sie? Wie dachten, lebten und handelten sie? Wie sah die Kultur aus, die sie bildeten? Welche Rolle haben sie gespielt und wie ist ihre Bedeutung einzuschätzen?

Prof. Dr. Jörg Calließ, Evangelische Akademie Loccum, Tagungsleiter
Prof. Dr. Wolfgang Eichwede, Direktor Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen

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Freitag, 1. Oktober 1999

Begrüßung und Einführung
Prof. Dr. Jörg Calließ, Loccum
Prof. Dr. Wolfgang Eichwede, Bremen

Welten des Widerständigen
Zwischen dem Ringen um autonome Lebens- und Handlungsräume,
Verweigerung und Opposition
Erinnerungen, Berichte und Rückblicke
Arseni Roginski, Moskau
Laszlo Rajk, Budapest
Leszek Szaruga, Stettin Pfeil nach rechts Zu Gast in Locum
Karel Srp senior, Prag

Weitere Erinnerungen, Berichte und Rückblicke
Igor Sacharow, Köln
Ding Ding, Berlin
Marianne Birthler, Berlin
Dimitri Prigow, Moskau

Samstag, 2. Oktober 1999

Die Entwicklung und Behauptung zivilgesellschaftlicher Kultur gegen Bevormundung und Repression

Versuche zur Verortung und Bewertung des Samisdat, der autonomen Kulturszenen, der Menschen- und Bürgerrechtsbewegungen und der politischen Opposition
Analysen und Stellungnahmen:
Alexander Daniel, Moskau
Jan Pauer, Prag/Hamburg
Ilko-Sascha Kowalczuk, Berlin
Andrzej Friszke, Warschau

Zwischen Integration und Repression
Das kommunistische Herrschaftssystem und die "Dissidenten"
Dietrich Beyrau, Tübingen

anschließend Diskussion mit
Laszlo Sekelj, Belgrad
Melanie Tatur, Frankfurt/Warschau
Karel Srp junior, Prag

Die Autonomie der Kunst
Texte und Bilder, Filme und Musik
Beispiele der autonomen Kulturproduktion

Sonntag, 3. Oktober 1999

Wege in die Zukunft
Aus der Opposition in die Verantwortung
Abschlussdiskussion mit
Gabor Demszky, Budapest
Joachim Garstecki, Bad Vilbel
Sergej Kowaljow, Moskau
Kazimierz Wojcicki, Warschau

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