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Rückblick auf:

Deutsch-Ägyptisches Forschungskolloquium
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 124/17 vom 1.-3. Juli 2017


©EAL/Florian Kühl
Akademiedirektor Dr. Stephan Schaede, der ägyptische Kirchenpräsident Dr. Andrea Zaki Stephanous; Dr. Samira Luka, Kommunikationsdirektorin, CEOSS; Prof. Dr. Martin Tamcke, Göttingen (v.l.n.r.) bei der Ankunft in Loccum.

Vom 1. bis 3. Juli fand an der Evangelischen Akademie in Loccum ein Deutsch-Ägyptisches Forschungskolloquium zur „Säkularität öffentlicher Institutionen und der öffentlichen Beratungsfunktion religiöser Institutionen“ statt. Zur Veranstaltung reisten wichtige Kirchenvertreter, Theologen, Politologen, Soziologen und politische Repräsentanten aus Ägypten und Deutschland nach Loccum an, darunter auch der ägyptische Kirchenpräsident der evangelische Kopten, Dr. Andrea Zaki Stephanous und der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein. Im Zusammenhang des Kolloquiums wurde in Kooperation mit der Akademie vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland in Berlin am 4. Juli eine Diskussionsrunde der ägyptischen Delegation mit Vertretern aus dem Bundestag und weiteren politischen und kirchenpolitischen Institutionen auf Bundesebene ausgerichtet.


©EAL/Florian Kühl
Der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein und Akademiedirektor Dr. Stephan Schaede (v.l.n.r.) auf der Ägypten-Tagung in Loccum.

 

Mit Dr. Andrea Zaki Stephanous führte der Evangelische Pressedienst am Rande der Veranstaltung ein Interview zur Lage in seinem Heimatland durch:

Loccum (epd). Der ägyptische Kirchenpräsident Andrea Zaki Stephanous wünscht sich von den Deutschen mehr Solidarität mit seinem Land. Für Ägypten sei vor allem Stabilität ein wichtiger Faktor, sagte der Präsident der Protestantischen Kirchen in Ägypten dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der Kampf gegen den Terrorismus zähle dabei zu den größten Herausforderungen. Doch auch die ägyptische Wirtschaft brauche Unterstützung, sagte Stephanous am Rande einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg.

Stabilität sei auch wichtig für das Miteinander der Religionen im Land, sagte Stephanous, der auch Generaldirektor eines großen koptischen Sozialwerks in Ägypten ist. Mit den Anschlägen auf koptische Kirchen und Gemeinden habe die Terrormiliz "Islamischer Staat" versucht, Ängste zu schüren. Aber das Gegenteil sei eingetreten. "Es sind nachher doppelt so viele Menschen in die Kirchen gekommen." Auch von muslimischen Mitbürgern hätten die Christen viel Solidarität erfahren. "Wir versuchen, das tägliche Leben so normal wie möglich zu leben."

In Ägypten gibt es immer wieder Attacken radikaler Islamisten auf die christliche Minderheit. Zwischen Dezember 2016 und Mai 2017 sind besonders viele Menschen getötet worden. Bei einem Angriff auf einen Pilger-Bus waren Ende Mai mindestens 29 Kopten getötet worden. Im April kamen bei einem Doppelanschlag auf Kirchen in Tanta und Alexandria fast 50 Menschen ums Leben. Im Dezember riss eine Bombe in einer Kirche in Kairo fast 30 Menschen in den Tod. Der "Islamische Staat" bekannte sich zu den Taten. Christen stellen in Ägypten mit rund neun Millionen Gläubigen zehn Prozent der Bevölkerung - fast alle sind Kopten.

Generell habe sich die Beziehung zwischen Christen und Muslimen in Ägypten seit 2013 verbessert, sagte Stephanous. Er rief die Kirchen in Deutschland auf, ihre Mitglieder zu Reisen in das Land und zu Investitionen zu ermutigen. Die Wirtschaft leide darunter, dass Touristen und ausländische Investoren wegblieben.

Die Regierung versuche, mit Wirtschaftsreformen gegenzusteuern, die besonders die Armen im Land träfen, sagte Stephanous auch als Generaldirektor einer der größten Nichtregierungsorganisationen im Land. Die "Coptic Evangelical Organization for Social Services" (CEOSS) unterstützt nach seinen Worten jährlich mehr als zwei Millionen Ägypter unter anderem mit der Förderung von Landwirtschaft, Wohnraum und durch Mikrokredite.

Investitionen gegen einen wirtschaftlichen Niedergang seien nicht nur für Ägypten wichtig, sondern auch für Deutschland und Europa, sagte er. Sie trügen zur Stabilität des Landes inmitten einer Krisenregion bei und bewahrten vor einer neuen Fluchtbewegung.

epd-Gespräch: Karen Miether

 

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