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Rückblick auf:
Populismus und die Gefährdung der Demokratie
Was tun die Medien?
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 127/17 vom 19. bis 21. Juni 2017

Loccum/Köln (epd). Der Kölner Medienforscher John David Seidler rät Zeitungen und Rundfunksendern, in einen engen Dialog mit ihren Lesern, Hörern oder Zuschauern zu treten. Das könne angesichts von "Lügenpresse"-Vorwürfen ein Beitrag zu mehr Glaubwürdigkeit sein, sagte Seidler am Mittwoch am Rande einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg. "Die Medien müssen sich mehr denn je bemühen, ihr Publikum nicht zu verlieren", betonte Seidler im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Ohne das wird es ganz schwierig."

Der Vorwurf der "Lügenpresse" lasse sich einerseits als unbeherrschter Hinweis auf Fehlentwicklungen im Journalismus deuten, erläuterte Seidler, der am Institut für Kommunikations- und Medienforschung der Deutschen Sporthochschule in Köln forscht und lehrt. Zum anderen sei das Schlagwort der "Lügenpresse" ein Teil von Verschwörungstheorien, die zurzeit vor allem im rechten gesellschaftlichen Spektrum kursierten.

Dabei fantasierten sich die Verschwörungstheoretiker aus Einzelfakten einen abenteuerlichen Überbau zusammen. Ein Beispiel dafür sei etwa die Behauptung, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel das deutsche Volk austauschen und 2030 ein islamisiertes Europa etablieren wolle. Die Medien stünden immer im Zentrum solcher "irrsinniger" Theorien, sagte Seidler. Sie würden als "Schaltstelle der Weltverschwörung" betrachtet und blendeten angeblich die Menschen durch ihr "falsches Theater", damit diese die wahren Hintergründe nicht erkennen könnten.

Dahinter stehe das Bedürfnis, einfache Erklärungen für die komplizierte Wirklichkeit und Sündenböcke für das eigene Unglück zu finden. "Es ist auch oft eine Projektionsfläche für eigene Machtphantasien." Die wachsende Bedeutung von Verschwörungstheorien sei außerdem ein typisches Symptom gesellschaftlicher Spaltung und sozialer Ungerechtigkeit. Auch im linken gesellschaftlichen Spektrum seien solche Theorien zu finden.

Doch auch die Medien selbst hätten Fehler gemacht und so Vertrauen verloren, sagte der Wissenschaftler. So seien die Redaktionen mitunter weit weg von ihrem Publikum und seinen Lebenswirklichkeiten. Journalisten bildeten meist ein Milieu aus Hochschulabsolventen, denen die Probleme etwa von Hartz-IV-Beziehern kaum bekannt seien. "Die Kluft zwischen Journalisten und ihrem Publikum darf nicht zu groß werden", mahnte Seidler. An der Tagung zum Thema "Populismus und die Gefährdung der Demokratie" nahmen rund 70 Fachleute aus Medien und Bildung teil.

epd-Gespräch: Michael Grau.

 


©EAL-Florian Kühl

Tagungsleiterin Andrea Grimm im Gesräch mit Dr. John David Seidler


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