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Rückblick auf:
Landespsychiatrieplan Niedersachsen

Start in eine neue Reformära?
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 17/17 vom 3. bis 5. April 2017

Vom 3. bis 5. April 2017 fand in der Evangelischen Akademie Loccum  eine Tagung zum Landespsychiatrieplan in Niedersachsen statt. Ziel der Veranstaltung war es, möglichst ausführlich miteinander ins Gespräch zu kommen und dem Reformprozess in Niedersachsen ein Jahr nach der Veröffentlichung des Landespsychiatrieplans weitere Schubkraft in die richtige Richtung zu geben. Auf einer Pressekonferenz in der Akademie stellte die niedersächsische Sozialministerin Cornelia Rundt zu Beginn der Tagung Ihre Sicht der Dinge vor. Die Zusammenfassung im Bericht des Evangelischen Pressedienstes:

Ministerin Cornelia Rundt will mehr Angebote für psychisch kranke Menschen



©EAL-Florian Kühl

Sozialministerin Cornelia Rundt (Mitte), Wolfram Beins, Leiter Psychosoziale Beratungsstelle (rechts), Akademiedirektor Dr. Stephan Schaede (links)


Loccum/Kr. Nienburg (epd). Für Menschen mit einer chronisch verlaufenden psychischen Erkrankung muss es nach Ansicht der niedersächsischen Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) in Zukunft deutlich mehr ambulante und aufsuchende Angebote in der Psychiatrie geben. In Niedersachsen seien etwa ein bis zwei Prozent der Erwachsenen zwischen 18 und 65 Jahren betroffen, sagte sie am Montag zum Auftakt einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg. Das seien etwa 50.000 bis 100.000 Menschen. Sie seien oftmals in Behindertenheimen oder Altenheimen untergebracht. "Es stellt sich die Frage, ob das der richtige Ort ist."

Nötig sei etwa der Aufbau gemeindepsychiatrischer Zentren oder eine verbesserte Krisenhilfe für die Erkrankten, erläuterte Rundt. "Gerade die Angehörige leiden unter besonderen Schwierigkeiten, wenn in den Abendstunden oder am Wochenende krisenhafte Situationen auftauchen." Hier müsse es passende ambulante Angebote geben. Unter dem Motto "Start in eine neue Reformära?" diskutieren bei der Tagung noch bis zum Mittwoch rund hundert Ärzte, Verbandsvertreter und Angehörige von Patienten den Reformbedarf in der Psychiatrie und den aktuellen Landespsychiatrieplan.

"Wir brauchen nicht mehr, sondern eine andere Psychiatrie", unterstrich die Ministerin. Die Angebote für seelisch erkrankte Menschen seien gut ausgebaut, aber oft unzureichend vernetzt und zu wenig koordiniert. Der Landespsychiatrieplan, der erste seiner Art in Niedersachsen, war im vergangenen Jahr unter breiter Beteiligung erstellt und veröffentlicht worden. Er gibt Empfehlungen, wie die Psychiatrie weiterentwickelt werden kann.

Reformbedarf sehen die Experten unter anderem bei Heranwachsenden. "Uns muss es gelingen, psychisch kranken Kindern und Jugendlichen einen Zugang zu Bildung, Beruf und Freizeit zu ermöglichen", sagte Rundt: "Jugendhilfe, Schule und Psychiatrie - alle sind gefordert zusammenzuarbeiten." Die Chancen dieser Jugendlichen auf einen Zugang zum Arbeitsmarkt seien sehr viel geringer als bei Menschen, die später erkrankten.

Die Experten wollen zudem die Zahl der Zwangsmaßnahmen in der Psychiatrie wie Unterbringung, Fixierung oder Zwangsmedikation reduzieren. Manchmal gehe es nicht anders, räumte Rundt ein. "Aber das gibt es für uns immer noch viel zu viel." Unter dem Titel "Redufix" läuft dazu in den Landkreisen Aurich, Leer, Friesland und Wittmund sowie in Emden und Wilhelmshaven ein Modellprojekt, das vom Land mit 135.000 Euro jährlich gefördert wird.

epd-Bericht: Michael Grau

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