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Rückblick auf:
Deutschland lernt Integration

Loccumer Konferenz zur Flüchtlingskrise
Tagung der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 22/17 vom 8. bis 10. Mai 2017

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die evangelische Regionalbischöfin Petra Bahr aus Hannover hat die Bürger in Deutschland dazu ermuntert, Flüchtlinge auf ihrem Weg der Integration zu unterstützen. "Integration ist ein langer Weg - Sprache, Ausbildung, Arbeit sind wichtige Schritte", sagte sie am Mittwoch am Rande einer Konferenz der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg. "Es braucht aber auch eine seelisches Zuhause, Freundschaften und Räume, die verlorene Heimat zu betrauern."

Dazu könne auch das Engagement in Projekten beitragen, die denjenigen zugutekämen, die etwa in Syrien geblieben seien, sagte Bahr. "Am besten zusammen mit Deutschen." An der Konferenz "Deutschland lernt Integration" nahmen rund 170 Fachleute teil, unter anderem aus Kommunen, Wohlfahrtsverbänden, Schulen, Behörden und Wissenschaft.

Der Duisburger Arbeitswissenschaftler Matthias Knuth forderte, die deutschen Behörden müssten ihre Angebote zur Integration geflüchteter Menschen in den Arbeitsmarkt gezielt auf deren Situation einstellen. Andernfalls könne es eher zu einer "Integration in die Sozialsysteme" kommen statt zu einer Eingliederung in den Arbeitsmarkt. "Die Flüchtlinge sind überwiegend hoch motiviert zu arbeiten und zu lernen, stoßen aber überall an Hürden", sagte Knuth, der als Professor am Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen tätig ist. Nötig sei unter anderem, eine leicht verständliche Sprache zu entwickeln.

Zudem bräuchten geflüchtete Menschen eine dauerhafte und verlässliche Begleitstruktur - unabhängig davon, ob und welche Sozialleistungen sie gerade bezögen. In Deutschland seien aber mal die Arbeitsagenturen und mal die Jobcenter zuständig. Die Arbeitsmarktpolitik tendiere dazu, geflüchtete Menschen zu behandeln wie andere "arbeitsmarktferne" Kunden, obwohl ihre "Arbeitsmarktferne" ganz andere Ursachen habe, sagte Knuth. "Die Flüchtlinge erwerben möglicherweise durch den Umgang mit Sozialämtern und Jobcentern mehr Behördenkompetenz als Arbeitsmarktkompetenz."

Der Berliner Bildungsforscher Professor Hans Anand Pant kritisierte, das deutsche Bildungssystem habe aus der Aufnahme früherer Flüchtlinge wenig gelernt. "Eine politische Gestaltung von Zuwanderung oder eine wissenschaftliche Aufarbeitung der letzten großen Flüchtlingswelle während des Balkankrieges Anfang der 1990er Jahre hat es unter Bildungsaspekten kaum gegeben." So fehle es derzeit an langfristigen Konzepten, wie mit sprachlicher, kultureller und religiöser Vielfalt im Klassenzimmer umzugehen sei.

"Ein konsequenter politischer Wille, Integration über Bildungsprozesse zu gestalten, ist nicht zu erkennen", sagte der Professor, der an der Berliner Humboldt-Universität lehrt. Zudem unterschieden sich die Antworten auf die drängenden Fragen bei der Rolle der Schule von Bundesland zu Bundesland.

epd-Gespräch: Michael Grau

 


©EAL-Florian Kühl

Auf der Podiumsdiskussion der Integrationstagung,
(2.v.r.): Petra Bahr, Landessuperintendentin

 


©EAL-Florian Kühl

Der Berliner Bildungsforscher Professor Hans Anand Pant
auf der Tagung in Loccum


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