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Rückblick 2 auf:
Bildungsstrategien gegen Antisemitismus
im Kontext antirassistischer Bildung
Tagung für Lehrkräfte aller Schulformen, Fachkräfte der Jugend(sozial)arbeit und der Schulsozialarbeit

an der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 53/17 vom 28. bis 30. August 2017

Sanem Kleff: Anmerkungen zur Tagung "Bildungsstrategien gegen Antisemitismus im Kontext antirassistischer Bildung"

Die Tagung greift mit „Bildungsstrategien gegen Antisemitismus im Kontext antirassistischer Bildung“ ein Thema auf, dessen Relevanz bundesweit für den Schulalltag offensichtlich ist. Antisemitismus ist schließlich kein Phänomen das der Vergangenheit angehört, sondern er begegnet uns aktuell in allen Bereichen unseres Alltags: an verschiedenen Orten, in unterschiedlichen Erscheinungsformen und vorgebracht von Menschen aller Altersgruppen, Geschlechter und Gesellschaftsschichten.

Die Tagung richtet den Blick insbesondere auf Kinder und Jugendliche als Träger antisemitischer Haltungen und auf die Rolle der für sie sozialisationsrelevanten Institutionen, insbesondere der Schulen. Dabei wird thematisch ein weiter Bogen gespannt und entsprechend werden auch viele Fragen aufgegriffen: wann geht es überhaupt um Antisemitismus, wer genau sind die Antisemiten, was wissen wir über ihre Motivlagen und warum wird das Thema oft unter den Teppich gekehrt?

Vor allem aber: wie gehen wir effektiv gegen Antisemitismus vor? Die Tagung bettet konzeptionell die Präventionsansätze gegen Antisemitismus in den Kontext der antirassistischen, rassismus- und diskriminierungskritischen pädagogischen Arbeit. Dies entspricht sehr dem Handlungsansatz, den das Netzwerk Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage verfolgt. Wir vertreten einen multidimensionalen Präventionsansatz, der weder die Ursachen für die Entstehung des Antisemitismus monokausal erklärt, noch einfache Lösungsansätze propagiert, die wie mit einem Zauberstab, den Antisemitismus und am besten damit auch gleich alle anderen Formen menschenverachtender Ideologien, in der Klasse, auf dem Schulhof und in der Gesellschaft behebt.

Die Auseinandersetzung mit allen Arten von Verschwörungstheorien mag in dem Zusammenhang auf den ersten Blick weit von diesem Anliegen ablenken, aber wie in dem entsprechenden Workshop am zweiten Tag deutlich wurde, verkörpern alle Verschwörungstheorien, egal ob es sich bei ihnen um die im Studio nachgestellte Mondlandung, die Machenschaften von Außerirdischen oder der Pharmaindustrie geht, die Grundmuster des Antisemitismus. Schließlich basiert der Antisemitismus ganz wesentlich auf irrationalen, quasi esoterischen Annahmen und speist seine Überzeugungskraft aus ihnen.

Die Zeitplanung der Tagung wirkte sich sehr positiv auf die Diskussionsmöglichkeiten aus. Fragen wie antisemitismussensible Bildungsarbeit an Schulen gestaltet werden kann, warum es sie bislang nicht im ausreichendem Maße gibt, warum der Begriff in der Regel mit der Auseinandersetzung der Zeit des Nationalsozialismus und des Holocaust verbunden wird, wurden aufgegriffen. Eine zentrale Frage war, ob der von Muslimen geäußerte Antisemitismus eine Gefahr ganz neuer Art darstellt und durch die Zuwanderung von muslimischen Geflüchteten aus dem Nahen Osten diese Gefahr größer wird. Welche Rolle spielt dabei der Islamismus als politische Ideologie der Ungleichwertigkeit und welche die Religion des Islam? Wie reagiere ich als Pädagogin auf antisemitische Äußerungen eines Drittklässlers und die eines Siebzehnjährigen?

Natürlich konnten nicht alle Fragen in der zur Verfügung stehenden Zeit beantwortet werden. Aber ich nehme viele positive Eindrücke von PädagogInnen, WissenschaftlerInnen und anderen Akteuren mit, die sich täglich in beeindruckender Weise in ihrem jeweiligen Tätigkeitsfeld dafür einsetzen, dass dem Antisemitismus konsequent entgegen gewirkt wird.


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