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Rückblick auf:

Viele Vögel sind schon weg
Vogelsterben und Biodiversität - Ursachen und Gegenmaßnahmen

an der Evangelischen Akademie Loccum
Nr. 63/17 vom 18. bis 20. Oktober 2017

Dramatisches Insekten- und Vogelsterben: Expertentagung berät über Ursachen, Folgen und Gegenmaßnahmen

Die Masse der Insekten nimmt seit 1989 in einigen Regionen Deutschlands um durchschnittlich 76 Prozent ab. Dieser dramatische Befund einer aktuellen Studie hat weitreichende Folgen für die Biodiversität und bedroht langfristig auch die Ernährungslage des Menschen. Auf der Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Hannover zu diesem Thema trafen sich 110 Teilnehmer  aus Wissenschaft, Politik, Land- und Forstwirtschaft, Industrie sowie Natur- und Umweltschutz. Ursachen zur drastischen Abnahme der Biodiversität, ihren Folgen und den daraus resultierende Forderungen wurden am Ende der Tagung von renommierten Experten formuliert.

Die Biologin Dr. Monika C. M. Müller, Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Loccum, sprach von „erschreckenden Fakten“, die niederländische, deutsche und britische Wissenschaftler - darunter auch Dr. Martin Sorg, ein Referent auf der Tagung - vorgestern in der Fachzeitschrift Plos one veröffentlicht haben. Der Insektenschwund hätte nicht nur Auswirkungen auf Vogelpopulationen, sondern auf die ganze Nahrungskette bis hin zum Menschen. „Ein Drittel unserer Nahrung basiert auf Bestäubungsleistungen von Insekten. Wir Menschen können es uns nicht mehr leisten, den Artenschwund bei den Insekten zu ignorieren.“

Auch Prof. Dr. Josef Settele vom Helmholtzzentrum für Umweltforschung in Halle betonte diesen Zusammenhang: „Diversität ist wichtig für eine langfristige Sicherung der menschlichen Ernährung.“ Zu den Ursachen des Vogel- und Insektensterbens meinte er: „Wir hatten hier als Gründe die wichtigen Faktoren, wie Intensivierung der Landnutzung, Flächenvergrößerung der Felder, Ausräumung der Landschaft, Monokulturen diskutiert “ Die Hauptursachen des Insektensterbens seien jedoch noch nicht bekannt. Vielfach wurde aber von Naturschützern auf der Tagung vermutet, dass Pflanzenschutzmittel zu diesen Hauptursachen gehören. Dieser Zusammenhang ist aus der Studie jedoch nicht ableitbar, da entsprechende Daten nicht kommuniziert werden.

Dr. Matthias Gerber vom Agrarzentrum Limburgerhof, BASF, meinte, dass mit der aktuellen Studie zum Insektensterben ein „Effekt“ verbunden sei, „um uns wachzurütteln“. „Das ist enorm und auch sehr wichtig“, so Gerber auf der Tagung. Beim Einsatz von Pestiziden werde aber bereits mit intelligenter Beratung gegengesteuert: „Wir versuchen mit unserem ganzheitlichen Beratungsansatz über das eigentliche Schadstellenprinzip oder die Produktempfehlung hinauszugehen“, erläuterte Gerber weiter. So würden in der Beratung auch auf lokale Gegebenheiten, zum Beispiel die Nähe zu Wildbienenhabitaten, eingegangen.

Als Reaktion auf das massive Insekten- und Vogelsterben forderte Ulrich Stöcker, Leiter der Abteilung Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe, dass jetzt auf den unterschiedlichen politischen Ebenen entschlossen gehandelt wird: „Ein ganz wichtiger Punkt wird es sein, in der nächste Förderperiode der EU-Agrarpolitik einen eigenen Naturschutzfond auf europäischer Ebene einzurichten. Die EU-Kommission hat auch bei der Überprüfung der Naturschutzrichtlinien festgestellt, dass es eine deutliche Unterfinanzierung gibt. Das muss behoben werden.“

Aber nicht nur die Unterfinanzierung des Naturschutzes sei ein Problem, sondern auch die Umsetzung und administrative Begleitung:  „Wir fordern als Naturschutzverbände von der neuen Bundesregierung, dass die Maßnahmen in der Nationalen Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt umgesetzt werden, dass alle Vorhaben des Bundes einem Biodiversitätscheck unterzogen werden und dass die Arbeit zur Umsetzung dieser Strategie Chefsache und zwischen den Ministerien zumindest auf Staatssekretärsebene behandelt wird.“

Ein großes Problem sei aber auch, dass Bildungsaufgaben im Bereich der Naturvermittlung auf allen Ebenen vernachlässigt worden seien. Ob in der breiten Bevölkerung, in der Landwirtschaft, der Forschung oder in der universitären Lehre. Überall gehe das Wissen über Arten und Zusammenhänge in der Natur drastisch zurück und es fände eine immer stärkere Entfremdung von der Natur statt. Wir brauchen Experten, die die biologische Vielfalt überhaupt erfassen können, damit sie für die Gesellschaft bewahrt werden kann.

Weitere Informationen zur Fachtagung „Viele Vögel sind schon weg“
finden Sie hier, im Tagungsprogramm > 

Loccum, 20. Oktober 2017

 


©EAL/Nils Bäßler
Dr. Martin Sorg vom Entomologische Verein Krefeld e.V. ist einer der Autoren der Studie, die in der Fachzeitschrift Plos one veröffentlicht wurde. Auch er referierte und diskutierte auf der Tagung in Loccum mit Tagungsteilnehmenden und Medien.


©EAL/Nils Bäßler
Dr. Matthias Gerber vom Agrarzentrum Limburgerhof, BASF argumentierte auf der Tagung aus Sicht der Pflanzenschutz-Produzenten.


©EAL/Nils Bäßler
Ulrich Stöcker, Leiter der Abteilung Naturschutz der Deutschen Umwelthilfe forderte auf der Tagung die Politik zum Umdenken auf.


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