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Corvinus-Stiftung > Fragen an Fritz Erich Anhelm

Corvinus-Stiftung

Eine Stiftung zur Förderung der Evangelischen Akademie Loccum

Fragen an den Initiator der Stiftung, den ehemaligen Akademiedirektor und Mitglied des Kuratoriums Dr. Fritz Erich Anhelm Akademiedirektor Fritz Erich Anhelm

? Warum eine "Stiftung zur Förderung der Evangelischen Akademie Loccum"? Hat die Akademie akute Probleme, ihre Arbeit zu finanzieren? Macht sie etwa Defizite?

Fritz Erich Anhelm:
Nein, akute Finanzprobleme sind nicht der Grund. Bisher haben wir immer ausgeglichen gewirtschaftet. Um Defizite auszugleichen wäre eine Stiftung das falsche Instrument. Die Initiative zu einer Förderstiftung für die Akademie hat mit längerfristigen Überlegungen zu tun, mit der Einschätzung zukünftiger Entwicklungen.

? Bevor wir dazu kommen, doch noch eine Rückfrage: Wie finanziert sich die Arbeit der Akademie denn bisher?

Fritz Erich Anhelm:
Etwa 50 Prozent des Haushaltes stellt die Landeskirche zur Verfügung, sozusagen als Grundausstattung. 20 Prozent kommen aus den Tagungsgebühren der Teilnehmenden. Und 30 Prozent müssen wir darüber hinaus einwerben. Das sind Drittmittel, die uns z.B. Kooperationspartner zweckgebunden für Projekte und Tagungen zur Verfügung stellen. Im Verhältnis zu den ersten beiden Anteilen ist dieser Anteil in den letzten Jahren dank entsprechender Aktivitäten der Studienleiterinnen und -leiter und der Akademieleitung deutlich gewachsen.

? Alle reden vom Sparen, auch in der Kirche. Schlägt sich das nicht in der Akademie nieder? Hängt die verstärkte Einwerbung von Drittmitteln nicht damit zusammen?

Fritz Erich Anhelm:
Sicher. Aber nicht nur. Die Akademie unterliegt den gleichen Kürzungen wie alle anderen kirchlichen Einrichtungen. Damit müssen und können wir umgehen. Zugleich wachsen die Anforderungen an die Tagungsfinanzierung. Das lässt sich durch Tagungsbeiträge nicht auffangen. Daher die Einwerbung der Drittmittel. Sie helfen z.B. die Reisekosten der Referentinnen und Referenten, ihre Honorare oder auch Dolmetscherkosten bei den internationalen Tagungen zu finanzieren und in Projekten inzwischen auch Personalkosten. Dies aber immer nur ad hoc und zeitlich befristet.

? Ist das nicht ein Unsicherheitsfaktor für die mittel- und längerfristige Planung der Tagungsarbeit?

Fritz Erich Anhelm:
Das ist genau das Problem. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass unsere Überzeugungsarbeit bei den angesprochenen Geldgebern für Tagungen und Projekte immer von Erfolg gekrönt ist. Es kommt schon vor, dass wir da ohne Netz und doppelten Boden operieren, insbesondere wenn unsere Tagungen nicht gerade im Mainstream liegen oder Themen aufgreifen, die gerade erst im Kommen sind.

? Zusätzliche Mittel durch eine Förderstiftung werden also die Planungssicherheit erhöhen.

Fritz Erich Anhelm:
Ja, das ist ein wichtiger Faktor. Die Förderstiftung gibt uns mehr Bewegungsspielraum, z.B. bei den Eigenmitteln, die ja anteilig zu den Drittmitteln zu erbringen sind. Aber noch wichtiger sind die Herausforderungen, auf die wir uns inhaltlich und organisatorisch einstellen müssen, um das besondere Profil der Akademie zu bewahren und auszubauen.

? Lässt sich das konkret sagen?

Fritz Erich Anhelm:
Zuerst geht es darum, die inhaltliche Kompetenz, die die Programme Loccums auszeichnet, abzusichern. Das misst sich an der Expertise der Referentinnen und Referenten, die wir gewinnen können, aber auch daran, ob Akteure, die Einfluss auf Problemlösungen haben, auf unseren Tagungen anwesend sind. Da ist eine Studienleitung gefragt, die interdisziplinär zusammengesetzt ist, mit anerkannten Fähigkeiten zu Vernetzung und Moderation und engagiert in der Sache. Hier kommt es auf hohe Qualität an.

? Bedeutet das, dass die Akademie einer stärkeren Konkurrenz auf dem Tagungsmarkt ausgesetzt ist?

Fritz Erich Anhelm:
Es gibt ein stetig wachsendes Feld akademieähnlicher Angebote. Und viele der Veranstalter sind finanziell wesentlich besser ausgestattet als die Akademie.

? Gilt diese Konkurrenzsituation auch im Hinblick auf die Internationalität der Arbeit? Wirkt sich hier das zunehmende globale Bewusstsein aus?

Fritz Erich Anhelm:
Da liegt eine der größten Herausforderungen. Rein national besetzte Tagungen werden der Beantwortung von Problemen mit internationaler Dimension - europaweit oder darüber hinaus - nicht mehr gerecht. Wer das nicht berücksichtigt, dem droht Provinzialisierung. Wir werden uns aber auch noch stärker um die öffentliche Wirkung unserer Tagungsarbeit kümmern müssen. Hier bedarf es der mediengerechten Übersetzung. Unser Arbeit soll ja auch über die Teilnehmenden hinaus wahrgenommen werden und wirken.

? Hier müssten also neue Ansätze neu erschlossen werden...

Fritz Erich Anhelm:
...die auch finanzielle Konsequenzen haben. Wir sind ganz gut im Feuilleton überregionaler Zeitungen, im Rundfunk und Internet vertreten. Aber bei den Bildmedien gibt es deutlichen Nachholbedarf. Öffentlichkeit spielt für den Wirkungsradius der Akademie eine zentrale Rolle.

? Zurück zur Förderstiftung. Wie soll sie denn zustande kommen?

Fritz Erich Anhelm:
Wir zählen auf die, die uns kennen und unsere Arbeit anerkennen. Wenn sich nur fünf Prozent der 40.000 Empfänger unserer Halbjahresprogramme angesprochen fühlen, wäre dies ein guter Anfang, der sich ausbauen lässt. Die Arbeit der Akademie ist kein Selbstzweck. Sie nützt der verantwortlichen Entwicklung unserer Gesellschaft, also auch denen, die in Politik, Wirtschaft, Kultur und Kirche auf ihren jeweiligen Entscheidungsebenen und in vielfältigen Funktionen Verantwortung tragen. Ihnen bietet die Akademie Raum für Reflexion und Orientierung. Warum sollten sie sich nicht daran beteiligen wollen, dieses Angebot auch dauerhaft mitzutragen?

 

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