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Corvinus-Stiftung > Antonius Corvinus

Corvinus-Stiftung

Eine Stiftung zur Förderung der Evangelischen Akademie Loccum

Bildnis Antonius Corvinus
Bildnis Antonius Corvinus

Antonius Corvinus (1501 - 1553)

Antonius Corvinus wirkte bei der Einführung der Reformation in Niedersachsen mit. Als erster Landessuperintendent entwickelte er das Kirchenwesen in Calenberg-Göttingen durch Einführung der Konfirmation, die Bildung von Synoden und die Aufsicht über die Kirchengemeinden. Die Evangelische Akademie Loccum wurde 1946 mit dem Namen Corvinus-Akademie in Hermannsburg gegründet.

Heute ist der Name ins Hintertreffen geraten angesichts der großen Reformatoren Dr. Martin Luther und Philipp Melanchthon. Dabei war der Reformator Niedersachsens der treueste Gefolgsmann der lutherischen Reformation, und er hat seinen Mut letzten Endes mit seinem Leben bezahlt. Nach langjähriger Haft um des Glaubens willen starb er am 4. April 1553. Am 27. Februar 1501 wurde er geboren - in Warburg an der Diemel im Fürstbistum Paderborn. In der Kleinstadt Pattensen im Südwesten Hannovers kennt man diesen Theologen noch, denn dort wirkte er eine Zeit lang als Generalsuperintendent.

Zur Zeit der Reformation regierte in den Fürstentümern Göttingen, auch Oberwald genannt, und Kalenberg, dem Land zwischen Deister und Leine mit der Residenzstadt Hannover, Herzog Erich der Ältere. Zeit seines Lebens war er strikter Gegner der Reformation, aber er hatte an dem Gottvertrauen und dem kräftigen Wort, mit dem Luther die lautere Lehre des Evangeliums auf dem Reichstag zu Worms 1521 kühn vor Kaiser und Reich verteidigt, so viel Gefallen, dass er dem Reformator eine Kanne Einbecker Bieres zur Erquickung schicken ließ.

Schon bald nach diesem Reichstag regte sich die Reformation auch in Göttingen und Kalenberg, doch erste protestantische Prediger wurden zunächst verjagt. Die Handwerksgilden, allen voran die Wollweber, brachten dennoch die Reformation voran, stellten den lateinischen Gesängen der Papstkirche Luthers Lied "Aus tiefer Not schrei ich zu dir" und den deutschen Gesang "Herr Gott, dich loben wir" entgegen. Bei Androhung schwerer Strafen war der Besuch evangelischer Predigten verboten. 1529 wurde in Göttingen dennoch der erste evangelische Gottesdienst gehalten, 1531 wurde dort eine evangelische Kirchenordnung eingeführt. Acht Jahre später wurde die Stadt Northeim evangelisch, weitere Orte wollen ebenfalls zur lutherischen Lehre wechseln.

Herzogin Elisabeth hatte ihren Mann nicht umstimmen können, wollte jedoch den Glaubenswechsel in geordneten Bahnen vollzogen sehen und bat deshalb Luther schriftlich um einen Helfer. Der schickte Corvinus.

Antonius Rabe - Corvinus ist die Übersetzung des deutschen Namens, wie es zur Zeit des Humanismus ja üblich war, schließlich hieß auch Melanchthon eigentlich Schwarzerd - trat als 18-Jähriger in das Zisterzienserkloster Loccum ein, absolvierte in Leipzig das Studium generale seines Ordens und besuchte dann die Ordensschule in Riddagshausen bei Braunschweig. Durch Luthers Schriften kam er zum evangelischen Glauben und wurde deshalb 1523 von seinem Abt als "lutherischer Bube" aus dem Kloster verjagt.

1528 wurde er an die St.-Stephans-Kirche in Goslar berufen, und seit 1529 wirkte er als erster evangelischer Pfarrer in Witzenhausen an der Werra. Landgraf Philipp von Hessen zog ihn zu fast allen bedeutenden kirchlichen Verhandlungen hinzu: zum Konvent von Ziegenhain im Jahr 1532, zum Gespräch zwischen Philipp Melanchthon und Martin Bucer 1535 in Kassel, zum Konvent in Schmalkalden im Jahr 1537, zu weiteren Konventen in Zerbst, Nürnberg, Hagenau, Worms und Regensburg. Im Januar 1536 schickte der Landgraf ihn nach Münster. Dort sollte Corvinus die gefangenen Wiedertäufer Johann Bockelson, Bernt Knipperdolling und Heinrich Krechting bekehren. Er schaffte es nicht. Noch in diesem Jahr promovierte Corvinus in Marburg und setzte sich danach mit zahlreichen Schriften für die Reformation ein.

Mit Stirnrunzeln empfing Herzog Erich die Botschaft, dass der "Witzenhäuser Ketzer" von seiner Frau empfangen worden sei. Dem Boten antwortete er aber: "Weil uns die Frau in unserem Glauben nicht hindert, wollen wir sie in ihrem Glauben auch ungehindert und ungetrübt lassen." Bald darauf schloss er unter den Gebeten des evangelischen Edelknaben Franz von Bremen seine Augen für immer, und nun führte Elisabeth als Vormünderin ihres zwölfjährigen Sohnes Erichs II. die Reformation in allen ihren Landen mit milder, aber fester Hand ein. Corvinus stand ihr dabei treu zur Seite. Er war 1542 als Generalsuperintendent mit Sitz in Pattensen ganz in ihren Dienst getreten. Er berief eine theologische Kommission, visitierte das ganze Land und setzte in allen Gemeinden evangelische Prediger ein. Dem weiteren Ausbau der Kirche dienten Predigersynoden 1544 in Pattensen und 1545 in Münden. Viele Not machten die Klöster. Sie widersetzten sich der Reformation noch lange.

Ihrem Sohn hatte Elisabeth in ein eigens entworfenes Regierungshandbuch geschrieben: "Das sei dein höchster Dank gegen Gott und mich, dass du nicht allein für deine Person Gottes Gebote hältst, sondern dich auch als Hüter derselben betrachtest.. Sorge redlich für Kranke und Gebrechliche, denn wenn wir Christen sein wollen, so will sich auch gebühren, dass unsere Liebe gegen den Nächsten so groß sei, dass wir keinen Bettler unter uns dulden; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb, und Gott hat dich als einen Schaffner über deine Güter gesetzt. Darum teile sie treulich, doch nur mit Klugheit, damit du deinem Gott gute Rechnung dereinst ablegen kannst. Es will sich auch als besonders gebühren, dass du alle Gerichte mit tüchtigen und erfahrenen Leuten besetzest, damit den Armen sowohl als auch den Reichen ihr Recht wird." Der junge Mann folgte dem Rat der Mutter nicht,.

1545 nahm der junge Herzog Erich II. die Regierungsgeschäfte auf und im Jahr 1548 ein Reichsgesetz an, das der Kaiser zur Unterdrückung der Reformation erlassen hatte. Zum Entsetzen der Mutter stellte sich Erich II. im Schalkaldischen Krieg auf die Seite des Kaisers und trat zur katholischen Kirche über. Vom Kaiser erhielt er den Auftrag, die Reformation in Niedersachsen niederzuwerfen. Doch bei Drakenburg an der Weser wurde sein Heer geschlagen, und der Kaiser gab sein Ziel auf, Norddeutschland der Papstkirche zurückzugeben. Die evangelischen Untertanen unterdrückte er, und im November 1549 ließ er sogar seinen alten Lehrer Corvinus verhaften, weil er sich konsequent dem Augsburger Interim widersetzt hatte, und gefangen auf die Feste Kalenberg führen.

Das Augsburger Interim stellte in der Lehre einfach die katholischen Anschauungen wieder her, machte nur geringe Zugeständnisse bezüglich des Laienkelchs und der Priesterehe. Der Generalsuperintendent in Pattensen sah seine Sache gefährdet. Das Flehen der Mutter war vergeblich, nicht einmal ihre Trostbriefe gönnte er dem Gefangenen. Erst am Ende des Jahres 1552 entließ er Corvinus aus der schweren Haft, nachdem er zuvor alle Pfarrer vertrieben hatte, die sich weigerten, das Interim anzuerkennen. Die Kraft des Reformators war gebrochen. Am 5. April 1553 starb der Reformator Südhannovers.

Sein Tod nach der unmenschlichen Haft führte zu zahlreichen Protesten im ganzen Lande. So gelobte Erich II. nur wenige Wochen nach der Beerdigung von Corvinus auf dem Landtag zu Hannover, "die Landschaft hinfort bei der rechten, reinen und wahren christlichen Religion zu schützen." Ein Zeitgenosse schreibt: "Nicht als ob sein Sinn sich geändert hätte. Aber anders konnte er von seinen Untertanen kein Geld zu seinen Kriegszügen und Reisen bewilligt erhalten." Nun konnte die Mutter, die er einstweilen zur Mitregentin bestellte, mit gleichem Eifer und Erfolg wie früher die Reformation durchführen und vollenden. Als der "ruhelose Fürst" am 8. November 1584 in der Fremde starb, fielen seine Lande an seinen Vetter, Herzog Julius von Wolfenbüttel, der schon lange dem Evangelium in aller Treue anhing.

Schon im Jahr 1535 hatte Corvinus eine "Kurtze und einfeltige Auslegung der Episteln und Evangelien" geschrieben. Kein Geringerer als Luther hatte diese Schrift mit einem Vorwort versehen. Dieses Buch wurde in viele Sprachen übersetzt und war bis ins 19. Jahrhundert bestens bekannt.

(c) Martin Teske

 

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