Der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies würdigte in seiner Rede die besondere Rolle der Akademie als Ort der Verständigung in Niedersachsen, während Landesbischof Ralf Meister in seiner Predigt zum Festgottesdienst in der Stiftskirche zu Loccum auf die biblischen Grundlagen dieser Dialog- und Verständigungsarbeit verwies.
Zu den beiden Festtagen am 5. und 6. Juni kamen 120 geladene Gäste aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kultur und Kirche. Aus der Landesregierung nahm neben Ministerpräsi-dent Olaf Lies auch Wirtschaftsminister Grant-Hendrik Tonne an den Feierlichkeiten teil. Zum Jubiläum erschienen ferner die Präsidentin der Klosterkammer Hannover, Dr. Thela Wernstedt, die Direktorin des NDR-Landesfunkhauses, Andrea Lütke, der Intendant des Niedersächsischen Staatstheaters Dr. Vasco Boenisch, der Theologische Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Dr. Ralph Charbonnier und viele mehr.
Akademiedirektorin Prof. Dr. Julia Koll begrüßte die Gäste mit einer humorvollen Ansprache, die angesichts der vielen gesellschaftlichen Krisen der Gegenwart aber auch selbstkritische Töne nicht aussparte. Gleichwohl betonte sie, dass „die Welt ohne Evangelische Akademien im Allgemeinen und Loccum im Besonderen noch sehr viel trüber aussähe“.
Deshalb stünden die Festlichkeiten auch unter dem Motto „Auf Hoffnung gebaut“, so Julia Koll. Hoffnung sei der Ansatz, den Evangelische Akademien in ihrer Arbeit verfolgten. So begann der inhaltliche Teil der Veranstaltung mit zwei sehr unterschiedlichen „Zeitansagen“ aus den Wissenschaften in wirtschaftlicher und kultureller Perspektive. Sie sollten nicht nur Analysen zum Zustand der Gegenwart liefern, sondern auch hoffnungsvolle Argumente für eine gute Zukunft bieten.
Professor Achim Wambach, Präsident des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim rekapitulierte in seinem Vortrag die ökonomische Entwicklung der letzten anderthalb Jahrhunderte und stellte daraus eine positive Prognose für die Zukunft des Wirtschaftens aus. Zwar gebe es viele Risiken, wie etwa die demographische Entwicklung, geopolitische Spannungen oder disruptive Ereignisse durch die Digitalisierung. Allerdings würden sich diese Trends zum Teil auch selbst positiv beeinflussen: „Wir werden eine ganze Menge an demographischen Problemen durch die Digitalisierung in den Griff bekommen.“, so urteilte Wambach.
Den zweiten Vortrag hielt Kathrin Röggla, Schriftstellerin und Professorin für Literarisches Schreiben an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Sie beschrieb anschaulich den Einfluss, den Künstliche Intelligenz auf Kunst und Künstler habe, der letztlich zu einer gefährlichen „algorithmischen Kultur“ führe. „Sie organisiert uns in Blasen und lässt uns verlernen, andere Positionen überhaupt auszuhalten.“, so Röggla. Hoffnung habe sie dort, wo es mög-lich sei, „wieder mehr unrecht haben zu dürfen, aber es auch auszuhalten, dass man falsch liegt, und sei es für den Moment.“
An diese Stimmen aus der Wissenschaft schloss der Niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies in seiner Rede nahtlos an. Er betonte die Bedeutung der Akademie als eben jenen Ort des Diskurses, der durch Begegnung kritischen Austausch über ideologische Grenzen hin-weg organisiere und dadurch auch in der Lage sei, Konsens und breite Akzeptanz in schwierigen Problemlagen herzustellen. „Es sollte mehr Orte wie diesen geben!“ forderte Lies unter Beifall.
Landesbischof Ralf Meister nahm diesen Faden am nächsten Tag in seiner Predigt zum öffent-lichen Festgottesdienst in der Stiftskirche zu Loccum auf: „Unsere Gesellschaft braucht nicht mehr Informationen, sondern mehr Orte der Verständigung.“ Dabei führte Meister diese For-derung nach Verständigung auf die Schöpfungsgeschichte des Menschen durch Gott zu-rück. Erst als Adam ein menschliches Gegenüber mit Eva erhielt und in Verständigung trat, sei er ganz Mensch geworden. „Der Mensch wird erst Mensch im Antlitz des anderen.“, so Meister. Aus dieser „heiligen Erzählung der Bibel“ leitete der Landesbischof die Notwendigkeit von Dialog-Orten, die der Verständigung dienen, ab.
Die ernsten Gegenwartsfragen, aber auch die Hoffnungserzählungen zogen sich wie ein roter Faden durch die Jubiläumsveranstaltung der Akademie und wurden in Gruppen sowie im Plenum von allen Gästen engagiert diskutiert. Es wurde aber auch gefeiert: Am Freitagabend spielte die Band „The Sweet Spots“ aus Hannover in der Galerie der Akademie auf und sorgte mit Jazz und Pop für gute Unterhaltung.
Die Festlichkeiten klangen am Samstagnachmittag im Anschluss an den Gottesdienst mit einem öffentlichen Sektempfang in „Priors Garten“ aus. Zahlreiche Grußworte würdigten die Akademie und wünschten ihr einen langen Fortbestand.
Loccum, 6. Juni 2026