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Halbjahresprogramm

Editorial zur Druckausgabe des Halbjahresprogramms 1-2022

Liebe Freundinnen und Freunde der Evangelischen Akademie Loccum,

als neue Direktorin der Akademie freue ich mich sehr, Ihnen unser neues Halbjahresprogramm in die Hand legen zu dürfen! Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen ist es uns eine große Freude, Sie wieder real präsent in unserem Tagungshaus begrüßen zu dürfen! Ihnen endlich wieder zu begegnen, mit Ihnen über die alten und immer wieder neuen Themen diskutieren zu können: Wie schaffen wir Gerechtigkeit – in unserem Land und in der Welt? Denn ohne Gerechtigkeit kein Friede. Und Friede nicht nur zwischen Menschen, sondern auch zwischen uns Menschen und unseren nicht-menschlichen Mitgeschöpfen.

Zu diesen vertrauten und in unserem Haus bereits intensiv bearbeiteten Fragen finden Sie auf den folgenden Seiten viele neue Themenstellungen. Ich lade Sie ein, die einmal quer zu lesen aus der Perspektive, welche Rolle Frauen darin spielen. Denn Gerechtigkeit betrifft immer auch die Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern!

Implizit oder explizit geht es daher in den Diskussionen um Gerechtigkeit und Frieden, die wir hier im Haus führen, immer auch um die Teilhabe von Frauen. Dazu einige Beispiele aus unserem Programm: Frauen leisten bisher den größten Teil ehrenamtlicher Arbeit in unseren Kirchengemeinden. Das wird bei der Neugestaltung des kirchlichen Ehrenamtes zu bedenken sein. Auch religiöse Vorschriften und Gebote sind in Judentum und Christentum traditionell für Männer und Frauen unterschiedlich. Entsprechend wird Freiheit von den Geschlechtern unterschiedlich erfahren.

Pflegearbeit wird zum weitaus größeren Teil von Frauen geleistet und ist – wie uns die Corona-Pandemie nochmals deutlich vor Augen geführt hat – unterbezahlt. Die Frage nach der guten Pflege wirft daher unweigerlich die Frage nach guter Bezahlung auf. Die MeToo-Kampagne hat in erschreckender Weise offengelegt, wie Frauen im Kulturbetrieb sexuell ausgebeutet werden. Das Kulturpolitische Kolloquium wird mit der Frage nach der Machtausübung im Kulturbetrieb daher insbesondere die Rollen von Frauen und Männern thematisieren.

Frauen mit Migrationshintergrund sind oft mehrfach ausgegrenzt. Zwei Tagungen wenden sich daher explizit dieser Gruppe zu: Mädchen und junge Frauen mit Fluchtbiografie können Strategien der Selbstermächtigung lernen, um ihren eigenen Lebensweg hier zu gestalten. Denn die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen mit Migrationshintergrund ist immer noch sehr stark eingeschränkt.

Dass die Taliban in Afghanistan die Bildungschancen und damit die öffentliche Partizipation von Frauen in der Gesellschaft sehr beschränken würden, stand zu befürchten. Doch die UN-Resolution 1325 Frauen, Frieden und Sicherheit weist auf die unverzichtbare Rolle von Frauen in Friedensprozessen hin, und die Bundesregierung hat einen eigenen Aktionsplan zur Umsetzung dieser Resolution aufgelegt. Auch diese Perspektive wird zu bedenken sein, wenn es um Deutschlands Rolle in der Friedenssicherung geht.

Ein feministischer Gesellschaftsvertrag hat also Vieles zu bedenken!

Ich freue mich auf zahlreiche Begegnungen und angeregte Gespräche mit Ihnen und grüße Sie herzlich!

PD Dr. Verena Grüter, Akademiedirektorin

Das aktuelle Halbjahresprogramm 1-2022 als PDF

Das Halbjahresprogramm 2-2021 als PDF