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Halbjahresprogramm

Editorial zur Druckausgabe des Halbjahresprogramms 1-2027

Liebe Freund:innen der
Evangelischen Akademie Loccum,

erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ist eine gesichert rechtsextreme Partei zur stärksten politischen Kraft in einem Bundesland gewählt worden. Wenige Tage ist das nun her. Die Erschütterung darüber hallt auch bei uns in Loccum noch nach. Diese politische Entwicklung steht in scharfem Kontrast zum Gründungsimpuls evangelischer Akademien als Orte demokratischer Verständigung, an den wir uns anlässlich unseres 80jährigen Jubiläums soeben erst intensiv erinnert haben. Mit der Evangelischen Akademie in Wittenberg ist zudem eine unserer Schwesterakademien den demokratiefeindlichen und kulturkämpferischen Angriffen der AfD ganz explizit ausgesetzt.
Als Erklärungsmuster für den Erfolg dieser Partei wird häufig angeführt, sie biete eben – anders als ihre wahrhaft demokratischen Alternativen – eine Zukunftserzählung an. Das ist insofern schräg, als dabei mit regressiven Sehnsüchten und einer Vergangenheit hantiert wird, die es nie gab. Und doch ist es mit diesen vermeintlich schönen Aussichten beispielsweise in Sachsen-Anhalt gelungen, Massen von Menschen zu aktivieren. Sollte es also darum gehen, Gegenerzählungen zu entwickeln? Ist es nicht wichtiger, einfach die Probleme der Reihe nach anzupacken?
Aus der jüngeren Zeitgeschichte stechen zwei Sätze heraus, die einen etwas anderen Akzent setzen – Barack Obamas „Yes we can“ und Angela Merkels „Wir schaffen das“. Beide fokussieren angesichts krisenhafter Zustände weder auf Zielbilder noch auf Probleme, sondern auf: Ressourcen. Und bevor Sie nun im Geiste Ressourcen sogleich mit „knapp“ und „schwindend“ assoziieren: Ja, natürlich ist es im gesellschaftlichen wie im kirchlichen Bereich geboten, Ressourcen nicht zu verschwenden, sondern sie bewusst und behutsam einzusetzen. Aber nicht alle Ressourcen sind endlich. Manche wachsen auch nach.
Für gesellschaftspolitische Zusammenhänge erscheinen mir tatsächlich die verlässlich erneuerbaren Energien am interessantesten, insbesondere die jenseits von Sonne, Wind und Biogas. Wer sich politisch auf diese Art von Ressourcen statt auf Probleme fokussiert, der wird freiwilliges Engagement sichten, ernsthaftes Ringen um Kompromisse, Phantasie, neuartige Lösungsansätze, Freude am Miteinander vor Ort, Respekt und Gelassenheit.
Mit einer ressourcenorientierten Brille unterwegs zu sein, hilft mir überdies, mich von der Erschütterung nicht lähmen zu lassen. Ich schaue auf die Mittel und Möglichkeiten unserer Evangelischen Akademie und entdecke: Die Ruhe und Konzentration auf dem Loccumer Campus zwischen Wald und Kloster, die verlässlich hohe fachliche Qualität unserer Debatten, unsere kommunikative und dramaturgische Expertise in der Tagungsgestaltung, schließlich die produktive Energie, die mit schöner Regelmäßigkeit entsteht, wenn Sie als Teilnehmende sich auf das Tagungsgeschehen einlassen.
So wird Sie meine herzliche Bitte nicht überraschen: Kommen Sie – jetzt erst recht –, nutzen Sie unsere Ressourcen und bringen Sie gerne Ihre ein!

Es grüßt Sie freundlichst Ihre Julia Koll, Akademiedirektorin

Das aktuelle Halbjahresprogramm 1-2027 als PDF

Das Halbjahresprogramm 2-2026 als PDF