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Halbjahresprogramm

Dr. Stephan Schaede, Akademiedirektor

Editorial zur Druckausgabe des Halbjahresprogramms 2-2021

Liebe Freundinnen und Freunde der Evangelischen Akademie Loccum,

„Wozu nach den Sternen greifen, wenn man auch chillen kann?“ titelt Ulrike Bartholomäus und bespricht die „große Orientierungslosigkeit nach der Schule“ im Übergang zu Ausbildung und Studium. Übergänge haben es in sich. Sie fordern Kraft, klare Köpfe, ein Herz, das sich mitreißen lässt. Europa befindet sich wieder einmal im Übergang – nach dem Brexit …, von der durch Corona forcierten Schuldenunion womöglich zu einer Steuerunion … unterwegs zum European Green Deal.

Wozu nach den Sternen greifen, wenn man chillen kann? Lieber nicht. Bloß kein europäisches Chillen. Schnell ist jedes politische Gewicht dahin – mit fatalen sozialen, ökonomischen und ökologischen Folgen. Die Sterne sind Europa durch die Flagge der Europäischen Union mit auf den Weg gegeben. Mit weit über 20 Nationen gezielt nach Sternen zu greifen bleibt allerdings anspruchsvoll. So mancher Staat hat eigenwillige Auffassungen im Blick auf den eigenen Stern. Illiberale Rechtspopulismen greifen um sich. Auf einmal blinkt es autoritär am blauen europäischen Himmel. Kandidatenländer oder potentielle Kandidatenländer greifen nach den europäischen Sternen, zerren an der Balance der Union.

Wie also lässt sich klug auch in europäischer Perspektive nach den Sternen greifen? Die Evangelische Akademie Loccum legt einmal mehr mit Programmen vor und Sie sind willkommen, sich an den entsprechenden Diskussionen zu beteiligen. Es fragt sich: Wie stark werden insbesondere in den westeuropäischen Staaten die Demokratie und demokratischen Institutionen durch antidemokratische Gruppen angegriffen? Steht das Modell der liberalen westlichen Demokratien damit von innen her in ihren Ursprungsländern auf dem Spiel? Außen- und bündnispolitisch sieht sich die Europäische Union durch die Türkei herausgefordert. Wie sehr ist sie Partner, schwieriger Partner oder gar strategischer Gegenspieler? Ansätze zu einer europäischen Türkei-Strategie sind zu formulieren. Und die deutsche Sicherheitspolitik, mit ihr aber die Bundeswehr, muss ihre Rolle im Zusammenhang von NATO und der Europäischen Union finden.

Nach elf Jahren voller Gewinn rufe ich Ihnen an dieser Stelle ein herzliches Willkommen in Loccum zu, selbst im Übergang nach Lüneburg. Die Evangelische Akademie ist für mich ein Ort, um gemeinsam im richtigen Moment nach Sternen zu greifen. Zugleich war sie dabei immer klug beraten, nicht zu pathetisch zu werden: Loccum, nicht der Himmel auf Erden, aber ein faszinierendes Stück Welt in der Wende. Als Direktor sage ich Adieu, und freue mich schon darauf, in Zukunft in Loccum Gast sein zu dürfen.

Herzlich
Ihr Stephan Schaede, Akademiedirektor

Halbjahresprogramm 2-2021 als PDF

Halbjahresprogramm 1-2021 als PDF