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Publizistin warnt vor Einfluss rechtspopulistischer Christen

Tagung der Akademie zum Thema Neurechtes Christentum

Aus der Tagung zum Thema „Neurechtes Christentum“ in Kooperation mit der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) ging ein Bericht des Evangelischen Pressedienstes (EPD) hervor. Im Mittelpunkt steht dabei der Vortrag der Juristin Dr. Liane Bednarz, die zum Thema auch ein Buch publiziert hat. Hier der Bericht des EPD:

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die Hamburger Publizistin Liane Bednarz warnt vor einem zunehmenden Einfluss rechtspopulistischer Christen in Deutschland. Begriffe wie „Merkel-Regime“, „Lückenpresse“ oder „Corona-Diktatur“ hätten Eingang in das Denken mancher konservativ-christlicher Kreise gefunden, sagte die promovierte Juristin im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Rande einer Tagung der Evangelischen Akademie Loccum bei Nienburg zum Thema „Neurechtes Christentum“. Diese Kreise reklamierten für sich, im Besitz der politischen Wahrheit zu sein, und neigten dazu, den vermeintlichen Alleinvertretungsanspruch des Christentums auf die Politik zu übertragen.

Bednarz ist Autorin des Buches „Die Angstprediger. Wie rechte Christen Gesellschaft und Kirchen unterwandern“. Themen der rechtsorientierten Christen seien vor allem der Kampf gegen die „Ehe für alle“, die Gleichstellung der Frauen und den sogenannten „Gender-Wahn“, aber auch gegen eine angebliche „Islamisierung“ der Gesellschaft. „Sie machen aus dem universalistischen Christentum der Nächstenliebe eine Art nationale Abendlands-Religion.“

Hier gebe es große Schnittmengen zum Rechtspopulismus, wie ihn etwa die AfD vertrete. Typisch seien der Hang zu Verfallsrhetorik und teilweise auch zu Verschwörungstheorien. Der Austausch geschehe in bestimmten Medien, auf Kongressen oder in sozialen Netzwerken.

Es gebe aber nicht nur eine feste Szene, auch Einzelpersonen fielen zunehmend mit rechtspopulistischen Positionen auf. „Viele haben diese Leute in ihrer Gemeinde, deswegen fragen mich immer wieder Pfarrer, wie sie damit umgehen sollen“, sagte Bednarz. Vor allem die Maßnahmen gegen die Coronakrise hätten auch in den Kirchen stark polarisiert. „Ich rate Pfarrern in solchen Fällen, zwischen Haltung und Person zu trennen.“

Sie sollten in einer Person, die rechtspopulistische Argumentationsmuster übernimmt, primär jemanden sehen, der sich hat verführen lassen – und deshalb geduldig sein. „Das hat zum Teil sektenartige Strukturen, weil die Leute immer tiefer in dieser Gedankenwelt versinken und sich immer mehr von ihrem alten Umfeld isolieren.“ Eine Grenze sei jedoch überschritten, wenn jemand offen hetze.

Schwierig sei es, wenn Pfarrer selbst rechtspopulistisches Gedankengut verbreiteten. Die Kirche dürfe das nicht dulden, forderte Bednarz. „Das ist aber einfacher gesagt als getan.“ Denn die Landeskirchen könnten einen Pfarrer nicht so einfach entlassen und hätten meist ein liberales Dienstrecht. „Umso mehr müssen die Kirchen nach außen kundtun, dass sie sich von solchen Leuten distanzieren.“

Allerdings sei eine Differenzierung zwischen konservativen Christen und Neu-Rechten nötig. „Frömmigkeit hat mit rechtem Denken nichts zu tun“, betont die Publizistin. Wenn Evangelikale erklärten, sie hätten aus ihrem Glaubensverständnis heraus Probleme mit der „Ehe für alle“, sei das nicht per se rechts. „Das kippt erst, wenn die Aussagen offen homophob sind und Homosexuelle verbal herabgewürdigt werden.“

Ebenso sei eine kritische Sicht des Gender-Themas nicht automatisch rechts. „Wenn aber jemand die Verschwörungstheorie von einem großen Gender-Umerziehungsprogramm verbreitet, ist die Trennlinie überschritten.“

epd-Gespräch: Lothar Veit